- Eltern und Kind
Start mit der Pumpe – Was ist zu beachten?
3 Minuten
In Deutschland sind ca. 30 500 Kinder und Jugendliche an Typ-1-Diabetes erkrankt und damit auf eine lebenslange Insulinsubstitution angewiesen. Die Therapie ist entweder die intensivierte Insulintherapie (bestehend aus mindestens vier Insulininjektionen am Tag unter die Haut) oder die kontinuierliche Insulinpumpentherapie.
Seit dem Jahr 2000 setzt sich die Insulinpumpentherapie zunehmend bei Kindern und Jugendlichen durch. Der Anteil der mit Insulinpumpen versorgten Patienten betrug im Jahr 2016 ca. 49 Prozent. Als die Insulinpumpentherapie aufkam, bekamen zunächst vor allem Jugendliche eine Pumpe, inzwischen ist dies jedoch die bevorzugte Therapieform bei Kleinkindern. 2015 wurden bereits 85 Prozent der Kinder unter sechs Jahren mit einer Insulinpumpentherapie behandelt.
Was macht die Pumpentherapie aus?
Bei der Insulinpumpentherapie erfolgt die Behandlung mit einem einzigen Insulin, vorzugsweise mit einem schnell wirkenden Analoginsulin. Der Patient ist über einen im subkutanen Fettgewebe liegenden Katheter mit der Insulinpumpe verbunden. Über diesen Katheter erhält er kontinuierlich das Insulin in einer vorprogrammierten Menge (Basalrate). Zu den Mahlzeiten erfolgt dann per Knopfdruck durch den Nutzer selbst (oder die Eltern) manuell die Abgabe der für die Mahlzeit erforderlichen Insulinmenge.
Während vor zehn Jahren die Insulinmenge noch selbst berechnet werden musste, verfügen Insulinpumpen inzwischen über die Fähigkeit, nach Eingabe des aktuellen Blutzuckers und der aufgenommenen Kohlenhydratmenge die erforderliche Insulinmenge zu berechnen.
Welche Vorzüge bietet die Therapie mit der Pumpe?
Die Vorteile liegen darin, dass das Insulin in sehr kleinen Schritten abgegeben werden kann und zu den Mahlzeiten nicht jedes Mal eine erneute Injektion per Spritze erfolgen muss. Lediglich beim Katheterwechsel, der alle zwei Tage notwendig wird, ist ein Einstich in das Unterhautfettgewebe notwendig.
Außerdem kann das Insulin durch diese Therapieform sehr individuell angepasst werden – dem Bedarf des jeweiligen Kindes entsprechend. Es wird eine hohe Flexibilität durch die Insulinpumpentherapie erreicht, so dass sie insbesondere für kleine Kinder große Vorteile bringt: Die nur sehr geringen Insulinmengen und das unberechenbare Verhalten von Kleinkindern bezogen auf die Nahrungsaufnahme und die Bewegung im Alltag sind dadurch wesentlich leichter zu bewältigen als mit einer Spritzen-/Pentherapie.
Nicht nur Kleinkinder, auch Schulkinder und Jugendliche profitieren von der Insulinpumpentherapie. Die langen Schultage, die unterschiedlichen Freizeitaktivitäten und die hormonellen Probleme mit hohen Blutzuckerwerten in den frühen Morgenstunden (Dawn-Phänomen) stellen die Jugendlichen oft vor große Herausforderungen, bei denen die Insulinpumpe sie gut unterstützen kann.
Wer bekommt wann und wie eine Pumpe?
Die Entscheidung, wann eine Insulinpumpentherapie begonnen wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Für Kinder unter sechs Jahren ist die Insulinpumpentherapie die beste Therapieform und wird von den Krankenkassen auch bereits vom Beginn des Diabetes an ohne große Probleme genehmigt und bezahlt, so dass diese Altersgruppe bereits von Anfang an eine Insulinpumpe erhält.
Bei Schulkindern und Jugendlichen wird normalerweise zunächst mit einer Pen- bzw. Spritzentherapie begonnen. Im weiteren Verlauf müssen bestimmte medizinische Gründe (Indikationen) vorliegen, die die Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie rechtfertigen. Zum Beispiel sind hohe morgendliche Blutzuckerwerte, starke Schwankungen, viele Unterzuckerungen (insbesondere in der Nacht) und Leistungssport Argumente, die für eine Insulinpumpentherapie sprechen.
Die Entscheidung für den Beginn einer Insulinpumpentherapie wird also im Rahmen der Dia-
betessprechstunde zusammen mit dem Diabetologen getroffen. Wichtig ist, dass die Insulinpumpe auch Wunsch des Kindes/des Jugendlichen sein sollte und nicht nur der Wunsch der Eltern.
Ist die Entscheidung für eine Insulinpumpe gefallen, erfolgt die Beratung bezüglich des Pumpenmodells. Die am Markt erhältlichen Pumpenmodelle haben jede bestimmte Sonderfunktionen oder Besonderheiten und sollten dem Bedarf entsprechend ausgewählt werden.
Die Entscheidung des Arztes und des Patienten für eine Insulinpumpentherapie reicht jedoch leider nicht aus: Es ist eine teure Therapieform, deshalb prüfen die Krankenkassen als Kostenträger, ob die Therapie notwendig ist.
Wann wird eine Pumpe genehmigt?
Kleinkinder
Für Kleinkinder mit ihrem niedrigen Insulinbedarf bestehen für die Krankenkassen ausreichende Gründe, so dass eine Pumpe sofort bei Dia-
gnose eingesetzt werden kann. Das Einreichen eines Rezeptes genügt meistens, oft wird nach drei Monaten noch ein Gutachten gefordert, in dem über den Verlauf berichtet werden muss. Damit ist der Vorgang in der Regel abgeschlossen und die Pumpe genehmigt.
Schulkinder und Jugendliche
Für Schulkinder und Jugendliche gilt seit Januar 2017 ein geändertes Antragsverfahren:
Erst, wenn die Kostenübernahme genehmigt ist, kann es mit der Pumpentherapie losgehen. Übrigens gilt das gleiche Vorgehen bei Beantragung eines CGM-Systems.
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 4 Tagen, 12 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 4 Tagen, 11 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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