Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern

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Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsam Backen mit den Kindern | Foto: Viacheslav Yakobchuk – stock.adobe.com
Foto: Viacheslav Yakobchuk – stock.adobe.com
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern

Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den Kindern – ist hier ein hervorragender Kompromiss.

Jedes Jahr kommen kurz vor Ostern fleißige Bäckerinnen und Bäcker in der Lehrküche des Klinikums Dritter Orden in München zusammen, um Leckereien für das Osternest selbst zu zaubern. Die meisten der Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren sind bei der Ankunft sichtbar aufgeregt und gespannt, was wohl in den nächsten vier Stunden passieren wird.

Gemeinsam mit den Eltern wird die Übergabe an die Betreuerinnen und Betreuer vorbereitet – Insulinpumpe und Sensor funktionieren, der Glukosewert ist im Zielbereich oder wird noch korrigiert, extra Kohlenhydrate für einen möglichen Unterzucker verschwinden in den Taschen.

Jetzt noch eine Umarmung für Mama und Papa – dann kann es losgehen. Nach einer spielerischen Vorstellungsrunde ist die anfängliche Aufregung rasch verschwunden. Denn allen Kindern wird bewusst, dass sie zwei Dinge gemeinsam haben: einen Typ-1-Diabetes und die Liebe zum Backen.

Gemeinsames Backen in der Lehrküche: Was kommt in den Teig?

Im Anschluss werden die Zutaten in kleinen Gruppen ganz genau unter die Lupe genommen. Welche Lebensmittel werden benötigt? Welche hiervon lassen den Blutzucker steigen, sodass man sie beim Berechnen der Kohlenhydrate und Insulindosis berücksichtigen muss, welche können vernachlässigt werden? Dabei ist immer wieder beeindruckend, wie viel Wissen und Bewusstsein die Kinder, trotz ihres jungen Alters, bereits für ihren Diabetes haben.

Alle Zutaten werden abgewogen, gemischt und intensiv geknetet. So ist der Teig dank gemeinsamem Teamwork schnell fertig. Ist der Teig dann in Form gebracht, verschwindet er für eine kurze Zeit im Ofen – Zeit, um sich besser kennenzulernen.

Rezept für Osterlämmchen

Wilhelm ist unter Aufsicht von Diabetesberaterin Sarah Obst eifrig beim Backen in der Lehrküche des Klinikums Dritter Orden in München dabei.

Zum Selbstbacken gibt es hier das Rezept für das Hefeteig-Osterlämmchen mit Streuseln.

Rezept für Hefeteig-Osterlämmchen | Foto: Klinikum Dritter Orden

Hier und da hört man einen Sensor-Alarm. Schnell blicken alle Kinder auf ihr Gerät und überprüfen ihren eigenen Glukosewert. Dabei wandert der Blick alsbald auch zum Nachbarn und man hört immer wieder: „Du hast ja auch eine Insulinpumpe“, und die Kinder beginnen die unterschiedlichen Geräte, Taschen oder Verzierungen zu bestaunen.

In diesem Moment wird den Kindern noch einmal deutlicher klar: Hier ist keiner allein, alle sind gleich. Und sie erleben, dass andere betroffene Kinder ähnliche Fragen und Sorgen haben wie sie selbst, was zu einem stärkeren Gemeinschaftsgefühl führt.

Bekommen viele Kinder schon allein hin: Insulin-Abgabe fürs Osterlämmchen

Nach einer kleinen Wartezeit kommt das Osterlamm wieder aus dem Ofen. Natürlich möchte jeder sein Meisterwerk sofort kosten. Schnell wird die Kohlenhydrat-Menge in Pumpe, App oder Handheld eingetragen, um den passenden Insulinbolus aus der Pumpe abzurufen.

Kurze Kontrolle durch unsere Betreuerinnen, dabei fällt immer wieder der Satz: „Das kann ich schon allein.“ Und wahrhaftig, die Kohlenhydrat-Eingabe und Insulin-Abgabe klappen bei vielen Kindern wirklich super.

Kleine Mehl-Kunde

Das klassische Weizenmehl Type 405 ist das am häufigsten verwendete Mehl für süße Gebäcke. Es hat einen niedrigen Gehalt an Ballast- und Mineralstoffen, weil es stark ausgemahlen ist. Nährstoffreicher ist Vollkornweizenmehl, das deutlich mehr Ballaststoffe enthält – für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl, eine gute Verdauung und einen etwas verzögerten Blutzucker-Anstieg. Zudem enthält es mehr Vitamine und Mineralstoffe.

Während die Kinder noch ihr Osterlamm essen, kommen schon die ersten Eltern, um ihre Kinder wieder abzuholen. Freudig erzählen sie, was sie in den letzten vier Stunden alles erlebt und ganz allein geschafft haben.

Lockere Atmosphäre für Kinder und Eltern: Freundschaften fürs Leben

Gemeinsames Backen zu Ostern fördert die soziale Kompetenz und die Selbstständigkeit der Kinder und erweitert ihr Wissen in Hinblick auf die verwendeten Lebensmittel. Darüber hinaus bietet es eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Kinder in lockerer Atmosphäre in Kontakt zu bringen. Dabei entstehen nicht nur bei den Kindern, sondern oft auch bei den wartenden Eltern Freundschaften fürs Leben.


Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes interdisziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.

Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes inter­disziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.


von Sarah Obst

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (4) Seite 38-39

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • diahexe antwortete vor 2 Wochen

      @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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