Ehe: gut oder schlecht für die Figur?

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Ehe: gut oder schlecht für die Figur?

Forscher haben untersucht, wie sich eine Partnerschaft auf das Ess- und Bewegungsverhalten auswirkt. Demnach ernähren sich Menschen in Partnerschaften gesünder, wiegen aber mehr.

Es wird allgemein angenommen, dass sich die Ehe positiv auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirkt. Trifft dieser “Ehe-Bonus” auch für den Gesundheitsindikator Körpergewicht zu? Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Universität Basel und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung nach.

Dafür verglichen sie den Body-Mass-Index von verheirateten Paaren mit dem von alleinstehenden Menschen in neun europäischen Ländern. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Social Science & Medicine veröffentlicht.

Verbindung zwischen Familienstand und Körpergewicht

Eine Reihe von Studien zeigte: Die Ehe ist gesundheitsfördernd. Doch stimmt das nicht für alle Gesundheitsindikatoren, wie jetzt ein Wissenschaftlerteam aus Basel, Nürnberg und Berlin in einer aktuellen Studie belegt. Demnach ernähren sich zusammenlebende Paare zwar durchschnittlich besser als alleinstehende Menschen, jedoch wiegen sie auch signifikant mehr und treiben weniger Sport.

In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler die Verbindung zwischen dem Familienstand und dem Body-Mass-Index. Dieser Index setzt das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Ein zu hoher Body-Mass-Index kann dabei ein Risikofaktor für chronische Erkrankungen wie Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen sein.

Alleinstehende haben einen niedrigeren Body-Mass-Index

Für die Erhebung nutzten die Wissenschaftler repräsentative Querschnittsdaten von 10.226 Bürgern aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, Spanien und Großbritannien. Die Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen Familienstand und Body-Mass-Index in neun europäischen Ländern vergleicht.

Dabei betrachteten die Wissenschaftler nicht nur verheiratete, sondern berücksichtigten auch zusammenlebende Paare. Zusätzlich prüften sie mögliche Ursachen für die Gewichtszunahme mit Blick auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Befragten.

Über alle neun Länder hinweg zeigte sich, dass Paare im Vergleich zu Alleinstehenden einen höheren Body-Mass-Index haben – dies betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Dabei gibt es länderübergreifend erstaunlich wenige Unterschiede.

Kleine Unterschiede mit hoher Bedeutung

Ein normaler Body-Mass-Index liegt laut Weltgesundheitsorganisation zwischen 18,5 und 25. Von Übergewicht spricht man bei einem Wert zwischen 25 und 30, darüber von Adipositas oder Fettleibigkeit. Der durchschnittliche Body-Mass-Index der befragten alleinstehenden Männer lag bei 25,7, bei den verheirateten Männern waren es 26,3. Bei den Frauen lag der Durchschnittswert der unverheirateten bei 25,1 und der verheirateten bei 25,6.

Obgleich die Unterschiede im Index klein erscheinen, haben sie Bedeutung. Bei einer Durchschnittsfrau mit 1,65 Meter oder einem Durchschnittsmann mit 1,80 Meter Körpergröße sind dies etwa zwei Kilo Unterschied. Wichtig ist, dass diese Ergebnisse bereits den Einfluss des sozioökonomischen Status, des Alters und der Länderzugehörigkeit berücksichtigen.

Bedeutung sozialer Faktoren für die Gesundheit

“Die Resultate zeigen die Bedeutung von sozialen Faktoren für die Gesundheit. In diesem Fall, dass die Institution Ehe und relevante Verhaltensveränderungen im Kontext der Ehe direkt mit Ernährung und dem Körpergewicht zusammenhängen”, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs “Adaptive Rationalität” am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Mögliche Ursachen für diesen Trend lieferte die Erhebung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. So gaben Paare beim Thema Ernährung eher an, dass sie regionale und unbehandelte Produkte bevorzugen und auf Fertigprodukte verzichten. Die befragten Männer legten zudem mehr Wert auf biologische und fair gehandelte Lebensmittel, wenn sie in einer Partnerschaft waren.

Gebundene Männer: gesündere Ernährung, weniger Sport

“Das lässt darauf schließen, dass die Ernährung durch eine Partnerschaft vor allem für Männer bewusster und damit wahrscheinlich auch gesünder wird”, sagt Jutta Mata, Erstautorin und Assistenzprofessorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Basel. Jedoch heißt das nicht, dass sie allgemein gesünder sind. Denn die Studie zeigt auch, dass Männer in Beziehungen weniger Sport treiben als Alleinstehende. “Schaut man auf den Body-Mass-Index, sind Paare somit nicht in jeder Hinsicht gesünder, wie bisher angenommen”, so Jutta Mata.

In persönlichen Interviews wurden den Probanden Fragen zu Ernährungsverhalten, zu Einstellungen zur Ernährung und zum Bewegungsverhalten gestellt. Das ermöglichte eine hohe Datenqualität. Denn die Selbsteinschätzung von Menschen, zum Beispiel bezüglich ihres Gewichtes, ist realistischer, wenn man sich dabei gegenüber sitzt anstatt beispielsweise zu telefonieren.


Quelle: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB)

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