- Ernährung
Trend-Diäten und Diabetes
4 Minuten
Für sehr viele Menschen ist Abnehmen ein Dauerthema. Jedes Jahr gibt es deshalb neben Diät-Klassikern auch neue Trend-Diäten. Nur leider ist keine dieser Diäten von Erfolg gekrönt, wenn Essgewohnheiten und Lebensstil nicht dauerhaft verändert werden – das ist die unbequeme Wahrheit. Was möglich ist und ob die verschiedenen Diäten und der Diabetes überhaupt zusammenpassen, weiß Dr. Astrid Tombek.
Besonders für Menschen mit Typ-2-Diabetes sind Übergewicht und Abnehmen Themen bei fast jedem Arztbesuch. Da grundsätzliche Lebensstilveränderungen mit Umstellungen im Ess- und Bewegungsverhalten sehr schwer erscheinen, hoffen viele auf das vermeintlich schnelle Glück durch eine Diät. Einige der hier beschriebenen Trend-Diäten verstehen sich zwar als Methoden, den Lebensstil zu verändern – wer sich nach diesen Diäten ernährt, hält jedoch oft nur kurze Zeit durch. Und wer Diabetes hat, muss darauf achten, dass oft Insulin oder Medikamente angepasst werden müssen.
Punktesystem bei Weight Watchers
Schon sehr lange und erfolgreich auf dem Markt ist das Weight-Watchers-Konzept. Es baut auf das Zählen der Energie mittels eines Punktesystems sowie auf die Dynamik innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter. Wer lange dabei bleibt, kann damit sein Essverhalten flexibel kontrollieren und konstant abnehmen. Durch die Nachbetreuung kann auch im Anschluss das erreichte Gewicht stabil bleiben.
Die Gewohnheiten werden bei Weight Watchers moderat umgestellt, es stehen weniger kalorienreiche Lebensmittel auf dem Speiseplan und es gibt eine flexible Kontrolle – so nehmen Teilnehmer langsam ab. Deshalb müssen Medikamente oder Insulin meist erst angepasst werden, wenn Gewicht verloren wurde.
Kohlenhydratreduziert: die Logi-Methode
Basis des Logi-Konzepts ist das Prinzip des niedrigen glykämischen Indexes. Die Theorie dahinter: Werden schnell resorbierbare Kohlenhydrate gegessen oder getrunken, schüttet die Bauchspeicheldrüse viel Insulin aus. Durch die anabole (“aufbauende”) Wirkung des Insulins wird aufgenommene Energie besser gespeichert – mit der Folge, dass sich bald wieder Hunger meldet.
Voraussetzung dafür ist jedoch eine genetische Disposition (Anlage) zum Metabolischen Syndrom. Werden weniger schnell resorbierbare Kohlenhydrate gegessen, soll sich so auch die Kalorienaufnahme insgesamt reduzieren.
Weil der Anteil an Kohlenhydraten durch Logi geringer ist, muss meist das Insulin angepasst werden. Wichtig ist, nicht zu viel tierische Fette zu essen, denn das kann sich ungünstig auf Insulinresistenz und Blutfette auswirken.
Ungeeignet: die Dukan-Diät
Die Dukan-Diät ist eine eiweißreiche Diät und basiert auf den Erfahrungen des französischen Ernährungsmediziners Pierre Dukan. Die Diät folgt einem strukturierten Vier-Phasen-Plan: Zwei Phasen zum Abnehmen und zwei Phasen, um eine erneute Gewichtszunahme zu verhindern. Dabei soll eine Liste mit 100 Lebensmitteln helfen, von denen man unbegrenzt essen darf.
Angriffsphase: Die Ernährung mit einer Auswahl an 72 proteinreichen Lebensmitteln (z. B. mageres Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Tofu, magere Milchprodukte mit weniger als einem Prozent Fett) ist der Startschuss zum erfolgreichen Abnehmen. Dann folgen:
Aufbauphase: Tage mit proteinreichen Lebensmitteln wechseln sich ab mit solchen, an denen Proteine kombiniert werden mit kohlenhydratarmen Gemüsesorten.
Stabilisierungsphase: Der Körper wird wieder schrittweise an energiereichere Kost und Schlemmermahlzeiten gewöhnt. Der Proteindonnerstag soll helfen, eine mögliche Zunahme zu verhindern.
Erhaltungsphase: Normale Ernährung mit drei einfachen Regeln: 1. Der Proteindonnerstag (ein Tag pro Woche nur proteinreiche Lebensmittel) bleibt; 2. täglich 20 Minuten Bewegung sind Pflicht; 3. täglich müssen drei Esslöffel Haferkleie gegessen werden.
Medikamente und Insulin müssen angepasst werden. Wegen der hohen Eiweiß- und Fleischmengen ist die Dukan-Diät bei Diabetes nicht empfehlenswert.
Metabolic Balance: Ein Wolf im Schafspelz?
Das Prinzip wurde von Ernährungsmediziner Wolf Funfack und Lebensmitteltechnikerin Silvia Bürkle entwickelt. Laut der beiden Erfinder ist die Ernährung nach Metabolic Balance keine Diät im herkömmlichen Sinne, vielmehr handele es sich um ein Ernährungsprogramm, abgestimmt auf den individuellen Stoffwechsel.
Dafür braucht jeder Abnehmwillige einen individuellen Essensplan, der von einem Berater erstellt wird. Der Plan berücksichtigt persönliche Vorlieben, Abneigungen, Krankheiten und Unverträglichkeiten sowie 36 Blutwerte. Untersuchung und Beratung kosten etwa 360 Euro, die selbst zu zahlen sind.
Auch hier wird Insulin als Grund für Übergewicht und Hunger angeführt. Wie genau das ernährungswissenschaftlich funktioniert, können sich Experten nicht erklären, da Wolf Funfack seine Geheimformel nicht verriet. Bekannt ist nur, dass mit Hilfe der Daten bestimmte Lebensmittel ausgewählt werden, die dazu beitragen sollen, den individuellen Hormonhaushalt und Stoffwechsel wieder zu harmonisieren.
Die Diät setzt sich aus vier Phasen zusammen: In der ersten Phase (zwei Tage) soll der Körper auf die neue Ernährungsweise vorbereitet und der Darm entleert werden. Zudem wird empfohlen, nur leichte Kost zu essen – z. B. ein halbes Frühstück und mittags eine Gemüsesuppe und einen Apfel. Abends gibt es rohes, gedünstetes oder gekochtes Gemüse oder nur den ganzen Tag ein Lebensmittel (z. B. Kartoffeln, Gemüse oder Reis).
Die zweite Phase wird als “strenge Umstellungsphase” bezeichnet. Sie dauert mindestens zwei Wochen. In dieser Zeit gelten acht strenge Ernährungsregeln. In der dritten Phase (“gelockerte Umstellungsphase”) muss der Anwender testen, wie er auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert. Erst jetzt wird Bewegung empfohlen. Die vierte Phase ist die “Erhaltungsphase”. Ihre Dauer ist unbegrenzt. Bei Misserfolg wird empfohlen, wieder in die strenge Phase zu wechseln.
Diese extreme und teilweise auch sehr einseitige Ernährungsweise erfordert dringend eine Anpassung der Medikamente und des Insulins. Im Prinzip versteckt sich hinter dieser Diät eine kalorienreduzierte Mischkost mit erhöhtem Eiweißanteil. Metabolic Balance ist sehr schwierig durchzuführen.
Wissenschaftlich nicht belegt: die Blutgruppendiät
Bei der Blutgruppendiät wird den Teilnehmern eine Ernährung empfohlen, die ihrer Blutgruppe entspricht. “Ihre Blutgruppe bestimmt ihre Ernährung und Lebensweise”, so die Botschaft vom amerikanischen Naturmediziner DʼAdamo. Im deutschsprachigen Raum kam das Buch mit dem Titel 4 Blutgruppen auf den Markt.
Menschen mit Blutgruppe 0 sind nach DʼAdamo der dominante Jäger-Höhlenbewohner-Typ, der Fleisch benötigt. Personen mit Blutgruppe A sind sanfte Vegetarier, wer Blutgruppe B hat, gehört zu den Milchprodukte essenden Allesessern. Einen wissenschaftlichen Beleg dieser Theorien gibt es nicht.
Durch einen erhöhten Fleischverzehr können Insulinresistenz und Blutfettwerte ungünstig beeinflusst werden. Nur Menschen mit Blutgruppe A und B könnten sich demnach gesund ernähren.
Schlecht für stabile Werte: 5 : 2-Diät
Das Prinzip der 5 : 2-Diät: fünf Tage essen, zwei Tage Diät halten; alternativ abwechselnd einen Tag essen, einen Tag fasten. Diese pragmatische Lösung, das womöglich falsche Essverhalten grundsätzlich beizubehalten, es jedoch auf fünf Tage in der Woche zu begrenzen, ist schwierig. Eine gleichmäßige Diabetestherapie ist hier schlecht möglich.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Viele der hoch gerühmten Trend-Diäten sind klassische Diäten, die kurzfristig aufgrund ihrer drastischen Ernährungsumstellung auf weniger Kalorien Erfolg bringen können. Langfristig bringen sie jedoch nur etwas, wenn sie lebenslang durchgeführt werden. Dies ist aufgrund der Einseitigkeit jedoch definitiv nicht empfehlenswert. Einzig das Weight-Watchers-Prinzip und auch eine gemäßigte Logi-Methode können individuell den gewünschten Ernährungsgewohnheiten nahekommen und lebenslang umgesetzt werden.
Besser ist es, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, in der persönliche Gewohnheiten und Vorlieben berücksichtigt und die Kalorien reduziert werden. Eine Kombination aus mehr körperlicher Aktivität und ausgewogener Mischkost ist langfristig der einzig praktikable Weg – auch wenn sich das nicht besonders interessant anhört.
Wer erfolgreich abnimmt, braucht weniger Insulin oder eventuell auch weniger Medikamente. Bei den Fastendiäten müssen Medikamente und Insulin unter Umständen jedoch täglich angepasst werden. Ohne medizinische Beratung und im Alleingang sollten solche Diäten nicht praktiziert werden.
von Dr. Astrid Tombek
Diplom-Oecotrophologin, Diabetes- und Ernährungsberatung, Diabetes Zentrum Mergentheim, Theodor-Klotzbücher-Straße 12, 97980 Bad Mergentheim, Tel.: 0 79 31/5 94-161, E-Mail: tombek@diabetes-zentrum.de
, http://www.diabetes-zentrum.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (12) Seite 22-25
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moira postete ein Update vor 6 Tagen, 22 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
