- Eltern und Kind
Viele Leckereien: Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt
3 Minuten
Kaum eine Zeit hat etwas so Magisches und Märchenhaftes an sich wie die Adventszeit. In der Dämmerung bei Lichterglanz, weihnachtlichen Klängen und Düften von Bratwurst, Punsch und Waffeln über den Weihnachtsmarkt zu schlendern, lässt Kinderaugen strahlen. Was beim Schlemmen der Leckereien zu beachten ist, erklärt Diabetes-Beraterin Juliana Ehrmann.
Vor Ostern wird gefastet und vor Weihnachten geschlemmt. Das ist für viele Brauch. Deshalb sind einige Menschen in diesen Zeiten besonders streng oder eben äußerst locker und großzügig mit sich selbst und auch mit ihren Kindern.
Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist für Kinder etwas Besonderes, sodass an diesem Tag andere Prioritäten gesetzt werden sollten. Es braucht bei den Glukosewerten keine Zeit im Zielbereich (Time in Range) über 70 Prozent. An diesem Tag zählt das pure Vergnügen und der Diabetes steht nicht im Vordergrund. Damit das gelingen kann, ist es trotzdem wichtig, extrem niedrige oder langanhaltende hohe Werte zu verhindern.
Vermutlich wird das Einschätzen der Kohlenhydrate unbekannter und vielleicht schwer kalkulierbarer Lebensmittel die größten Fragen aufwerfen. Hinzu kommen die unterschiedlichen Effekte auf den Glukoseverlauf. Auch Kälte und Bewegung können die Glukosewerte beeinflussen. Die dicke Winterjacke, der Zwiebel-Look und die Handschuhe machen die Selbstkontrolle und die Insulininjektion schwieriger. Was ein Glück, dass Glukosesensoren und Insulinpumpen dies inzwischen deutlich vereinfachen.
Kinderpunsch, Magenbrot, Crêpes und Co: Zucker und Fett gemischt
Typische Leckereien auf dem Weihnachtsmarkt sind eine Mischung aus schnellen und langsamen Kohlenhydraten. Zu den schnellen Kohlenhydraten zählen zum Beispiel Kinderpunsch, Magenbrot, kandierte Äpfel oder Crêpes mit Puderzucker. Einige Leckereien enthalten viel Zucker, aber gleichzeitig viel Fett, was sich im Glukoseverlauf Stunden später zeigen kann. Klassiker sind gebrannte Mandeln, Schmalzgebäck, Pommes, die große Feuerwurst oder auch der Langosch.
Wie viele Gramm Kohlenhydrate exakt enthalten sind, lässt sich nur schwer ermitteln und variiert je nach Weihnachtsmarkt und Rezept. Die Tabelle rechts soll helfen, einen Richtwert zu erhalten und ist daher mit einem „Von-bis-Bereich“ oder mit Circa-Angaben versehen. Bei sehr schwer einschätzbaren Leckereien hat sich bewährt, diese vorsichtiger einzuschätzen und ggf. erhöhte Werte im Nachgang zu korrigieren.
Tabelle: Kohlenhydrateinheiten von Leckereien auf dem Weihnachtsmarkt
| Weihnachtsleckereien (Auswahl) | Kohlenhydrateinheiten (1 KE = 10 g Kohlenhydrate) |
|---|---|
| kandierter Apfel | 4,5 – 5,5 KE |
| Nürnberger Lebkuchen (mittelgroß, 70 g) | 3,5 – 4 KE |
| Belgische Waffel (klein, ca. 60 g/groß, ca. 120 g) | ca. 3/ca. 6 KE |
| gebrannte Mandeln (100 g) | 5,5 – 6 KE |
| Crêpe mit Nutella | 2,5 – 3,5 KE |
| Langosch (250 g) | 6 – 8 KE |
| Kinderpunsch (200 ml) | 2 – 2,5 KE |
| Bratapfel mit Marzipan | 3,5 – 4 KE |
| Bratwurst im Brötchen | 3,5 – 4 KE |
| Portion Pommes (mittelfgroße Portion) | 3 – 3,5 KE |
| Feuerwurst mit Brötchen | 3,5 – 4 KE |
| Currywurst mit Pommes | 5 – 6 KE |
| 1 Zuckerstange (28 g) | 2,5 – 3 KE |
| Baumstriezel (165 g) | ca. 6,5 KE |
| geröstete Maronen (100 g) | ca. 4 KE |
| Marzipankartoffeln (100 g) | 3,5 – 4,5 KE |
| Magenbrot (100 g) | 6 – 7 KE |
| Churros mit Zimt und Zucker (100 g) | ca. 4 KE |
| Dampfnudel (120 g), mit Vanillesoße (150 ml) | ca. 5,5 KE plus 2 KE |
| Kaiserschmarren (200 g) | 5 – 6,5 KE |
| Kakao (200 ml) | ca. 2,5 KE |
Sinnvolle Insulingaben beim Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt
Bei den schnellen Kohlenhydraten wird eine direkte Insulingabe zu den Mahlzeiten geraten. Der empfohlene Spritz-Ess-Abstand bei AID-Systemen lässt sich auf dem Weihnachtsmarkt kaum einhalten. Wichtig wäre dennoch die Insulingabe zum Essen und nicht danach, da es sonst zu Unterzuckerungen nach dem Essen kommen könnte. Unter intensivierter Insulintherapie (ICT) und Insulinpumpen-Therapie ohne AID ist auch die Insulingabe nach der Mahlzeit eine Option, was bei fettigen Mahlzeiten sogar zu glatteren Verläufen führen kann.
Je nach persönlichen Erfahrungen können auch das Aufteilen des Bolus bei ICT und die Bolusvarianten (dualer Bolus, verzögerter/verlängerter Bolus) bei den Insulinpumpen ohne AID eine Option sein. Die verschiedenen AID-Systeme bieten hier unterschiedliche Möglichkeiten. Es gilt: Je fettiger das Essen ist, desto weniger Insulin wird direkt benötigt und desto länger können sich die Glukose-Effekte zeigen.
Bei den vielen Köstlichkeiten ist es kaum möglich, sich für nur einen Leckerbissen zu entscheiden. Innerhalb kurzer Zeit finden mehrere Mahlzeiten hintereinander statt – ähnlich einem Brunch, nur ohne Büfett. Unabhängig von der Therapie können und sollen solche kurz aufeinanderfolgenden Mahlzeiten mit Insulin ausgeglichen werden. Wichtig dabei ist, erhöhte Glukosewerte vorerst nicht zu korrigieren und ausschließlich die Insulinmenge für die Kohlenhydrate zu kalkulieren. Bei Insulinpumpen berücksichtigt der Boluskalkulator in der Regel das aktive Insulin, sodass es nicht zu einer zu frühen Korrektur kommt.
Aufpassen sollte man jedoch, dass es nicht zu allzu großen Überlappungen der Insulindosen kommt, da sonst das Risiko für Unterzuckerungen steigt – vor allem, wenn eine Kombination aus langsam und schnell aufnehmbaren Kohlenhydraten hintereinander gegessen wird und beide Mahlzeiten direkt mit Insulin abgedeckt werden.
Es gibt beim Diabetes kein Patentrezept
Je nachdem, wie viele Schmankerl verputzt werden, kann das bei der Insulintherapie mit dem Pen ziemlich viele Insulininjektionen bedeuten, was äußerst unpraktisch sein kann. Da viele Leckerbissen mit ordentlich Fett versehen sind und den Glukosewert erst später ansteigen lassen, können die Kohlenhydrate auch „gesammelt“ und das Insulin mit einem Zeitversatz von etwa einer bis eineinhalb Stunden gegeben werden. Das wird höchstwahrscheinlich nicht zu Traumwerten führen, aber vielleicht zu einem Nachmittag, an dem die Kinder vom Christkind und dem Weihnachtsmann träumen können.
All diese genannten Optionen sollen Möglichkeiten darstellen, um extreme Werte zu verhindern oder für mögliche schlechte Erfahrungen oder Misserfolge bessere Lösungen zu finden. Es gibt beim Diabetes kein Patentrezept und trotz gut geschätzter Kohlenhydratmengen können diese von Kind zu Kind zu unterschiedlichen Verläufen führen. Kein Tag ist wie der andere und ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist absolut nicht alltäglich, sodass erhöhte Werte vom Weihnachtsmarkt so gut wie keinen Einfluss auf die generelle Glukoseeinstellung und die Time in Rage haben. Mit einer Prise Gelassenheit steht dem Genuss mit allen Sinnen nichts im Weg.
von Juliane Ehrmann
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (11) Seite 42-43
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 6 Tagen, 5 Stunden
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann? -
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 6 Tagen, 21 Stunden
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”
Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….