Zuckeraustauschstoff: Studie bringt Xylit mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung

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Ein Holzlöffel mit weißem, kristallinem Xylit, umgeben von Birkenblättern auf einem Jutestoff.
Foto: Lumixera – stock.adobe.com
Zuckeraustauschstoff: Studie bringt Xylit mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung

Hohe Blutwerte des Zuckeraustauschstoffs Xylit könnten das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erhöhen. Das legt eine Studie nahe, die auf dem Kongress 2026 der European Society of Cardiology (ESC) in München vorgestellt wurde. Die Ergebnisse sind vorläufig und wurden bislang nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Sie geben aber Anlass für weitere Untersuchungen zur Sicherheit von Xylit.

Was ist Xylit und wofür wird es verwendet?

Xylit ist ein Zuckeralkohol, der im Körper als Nebenprodukt des Glukosestoffwechsels in geringen Mengen natürlich vorkommt. Zudem ist er auch in manchen Lebensmitteln von Natur aus enthalten. Industriell wird Xylit vor allem als Süßungsmittel eingesetzt, um Zucker in Lebensmitteln, Getränken und Mundpflegeprodukten zu ersetzen. Dabei liegt die zugesetzte Menge häufig mehr als tausendmal über den natürlich vorkommenden Konzentrationen. Trotz der wachsenden Verbreitung war der langfristige Einfluss von Xylit auf das Herz-Kreislauf-Risiko bislang kaum untersucht.

Frühere Arbeiten der Forschungsgruppe um Dr. Marco Witkowski von der Charité in Berlin hatten bereits gezeigt, dass Xylit die Fähigkeit von Blutplättchen zur Gerinnselbildung steigern kann. Und dass hohe Xylit-Werte im Blut bei Menschen mit erhöhtem Risiko über einen Zeitraum von drei Jahren mit Herz-Kreislauf-Ereignissen in Verbindung standen. In der neuen Analyse untersuchte das Team, ob sich dieser Zusammenhang auch in einer größeren, allgemeinen Bevölkerungsgruppe über einen deutlich längeren Zeitraum zeigt.

Daten aus zwei großen Langzeitstudien

Für die Analyse werteten die Forschenden Daten von 17.710 Teilnehmenden aus zwei prospektiven Beobachtungsstudien aus. Dabei handelt es sich um eine kanadische Langzeitstudie zum Altern (Canadian Longitudinal Study on Aging, CLSA) und die europäische EPIC-Norfolk-Studie. Verglichen wurden Personen mit den höchsten Xylit-Blutwerten mit jenen, die die niedrigsten Werte aufwiesen. Als schweres Herz-Kreislauf-Ereignis zählten dabei Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In der CLSA-Kohorte lag das Risiko für ein solches Ereignis nach sechs Jahren Beobachtungszeit bei Personen mit den höchsten Xylit-Werten um 57 Prozent höher als bei jenen mit den niedrigsten Werten. Dabei wurden bekannte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten, Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck statistisch berücksichtigt. In der EPIC-Norfolk-Kohorte, die über 30 Jahre nachverfolgt wurde, zeigte sich ein um 18 Prozent erhöhtes Risiko.

Zusammen mit den Werten der mittleren Quartile ergab sich in beiden Kohorten ein Muster, nach dem das Risiko mit steigenden Xylit-Blutwerten kontinuierlich zunahm. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Alter und Geschlecht sowie unabhängig von Faktoren wie Body-Mass-Index, Bluthochdruck, Diabetes und Blutfettwerten, die eigentlich dazu führen könnten, dass Menschen eher zu kalorienarmen Produkten greifen.

Mehr zum Thema: Zucker und seine Alternativen: Süßen – wie und womit?

Einschätzung der Forschenden

„Künstliche Süßstoffe werden von Menschen konsumiert, die glauben, dass sie gesünder sind als Zucker, und sie gelten bei den Zulassungsbehörden allgemein als sicher“, erklärte Dr. Witkowski. Die langfristigen Ergebnisse in der allgemeinen Bevölkerung zeigten jedoch, wie wenig bislang über die Herz-Kreislauf-Sicherheit von Xylit bekannt sei. Weitere Studien seien notwendig, zumal die Menge an Xylit in Produkten weiter zunehme, so der Mediziner.

Auch Prof. Dr. Dan Atar, Mitglied des Kommunikationsausschusses der ESC, ordnete die Ergebnisse ein. Künstliche Süßstoffe seien in der modernen Gesellschaft weit verbreitet und von den Zulassungsbehörden als unbedenklich eingestuft worden. Die vorliegende Beobachtungsstudie deute nun jedoch darauf hin, dass Xylit langfristig negative Effekte auf Herz-Kreislauf-Ereignisse in der allgemeinen Bevölkerung haben könnte. Wie bei allen Beobachtungsstudien lasse sich daraus keine gesicherte Ursache-Wirkung-Beziehung ableiten, dennoch zeige die Arbeit, dass weitere Untersuchungen zu diesem gesellschaftlich wichtigen Thema notwendig seien.

Beobachtungsstudie mit Grenzen

Die vorliegenden Daten stammen aus Beobachtungsstudien. Solche Studien können Zusammenhänge aufzeigen, erlauben aber keine endgültigen Aussagen darüber, ob Xylit tatsächlich die Ursache für die beobachteten Herz-Kreislauf-Ereignisse ist oder ob andere, nicht erfasste Faktoren eine Rolle spielen. Die Forschenden selbst verweisen auf diese Einschränkung und fordern weitere, insbesondere interventionelle Studien, um die Sicherheit von Xylit und anderen künstlichen Süßstoffen genauer zu klären.


von Gregor Hess

Gregor Hess ist Medizin-Redakteur und Chef vom Dienst der Website des Diabetes-Ankers. Er ist darüber hinaus verantwortlicher Redakteur für das Portal diabetologie-online.de und arbeite zudem mit an der diabetes zeitung, dem Diabetes-Anker-Magazin sowie weiteren digitalen MedTriX-Projekten.

mit Materialien der European Society of Cardiology (ESC)

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  • Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂