- Aus der Community
Die psychosomatische Gleichung bei Diabetes
5 Minuten
Körper + Geist = Match-Ball = Blutzuckerkurve
Erst kürzlich wurde ich von einer Freundin, die an Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) litt, gefragt, ob emotionaler Stress die Zuckerwerte beeinflusse. Sie sei völlig verzweifelt, erzählte sie mir, denn sie habe so akribisch auf ihre Ernährung geachtet. Trotzdem fielen ihre Werte schlecht aus und waren viel zu hoch. Sie sei vor dem Blutzuckertest so nervös gewesen und habe die Nacht zuvor auch schlecht geschlafen, führte sie weiter aus. Jetzt müsse sie jeden Tag mehrfach Blutzucker messen und folge sehr strengen, diätetischen Regeln, damit sie auf keinen Fall zuckersenkende Medikamente nehmen müsse. Die Angst, dass sie durch ein Fehlverhalten ihrem ungeborenen Kind schaden könnte, ist so groß, dass sie plötzlich anfing zu weinen.
Mangelnde Aufklärung und die große Angst
Bei dieser Schilderung gingen bei mir gleich alle „Alarmglocken“ an. Als langjährige Diabetikerin – und zweifache Mama – weiß ich nun mal, dass es viele Dinge gibt, die den Blutzuckerwert beeinflussen können. Und die Psyche gehört meiner Erfahrung nach massiv dazu. Leider beziehen das viele Hausärzte – die Diabetes nur aus dem Schulbuch kennen und behandeln – nicht mit ein und daran verzweifeln dann einige „Diabetes-unbedarfte“ Frauen wie meine Freundin.

Mittlerweile kenne ich insgesamt vier Frauen aus meinem Umfeld, die an Schwangerschaftsdiabetes litten und leiden. Alle wurden dahingehend „falsch“ beraten, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes während der Schwangerschaft auf Diät gegangen sind. Die möglichen Gefahren für das Neugeborene sind nach meinem Dafürhalten von einer strengen Diät mindestens genauso hoch wie ein schlecht eingestellter Diabetes. Das finde ich persönlich fast kriminell.
Darüber hinaus finde ich, dass die heutige Medizin vielmehr die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist erfassen und mitberücksichtigen müsste.
Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich selbst unter enormem psychischem Stress stehe und mein Blutzucker gefährlich hohe Spitzen erzielt. In solchen Situationen muss ich meist viele Male spritzen, weil die erhoffte Wirkung des Insulins immer wieder im „Nichts“ zu verpuffen scheint. Immer wieder gerate ich in solche Situationen. Vor allem, wenn ich zuvor angespannt oder übermüdet bin, Ärger habe, sehr traurig bin und – unpraktischer Weise – zusätzlich noch die Angst vor Kontrollverlust und einer Ketoazidose habe.
Körper, Geist und mehr als eine Phrase
Es ist nicht nur eine Phrase, dass Körper und Geist eng miteinander verbunden sind. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sowie viele andere Wissenschaftler, Mediziner und Forscher haben schon lange erkannt, dass Erkrankungen wie Demenz, Depression, Ess- und Angststörungen unter Diabetes-Patienten häufiger auftreten als bei „herkömmlich gesunden“ Menschen. Ferner zeigen Erhebungen, dass doppelt so viele Diabetiker an Depressionen erkranken wie im Vergleich Gleichaltrige ohne Vorerkrankung. Auch Angst- und Essstörungen treten laut DDG ebenfalls mit einem 20% höheren Risiko bei Diabetikern auf.

Oftmals steht die Angst eines Kontrollverlusts im Mittelpunkt und produziert emotionalen Stress. Das beeinflusst die Psyche spürbar negativ. Obwohl ich das schon zigmal erlebt habe, kämpfe ich dennoch immer wieder mit Unsicherheit und agiere nicht selten zögerlich in der weiteren Insulinabgabe. Natürlich zieht das wieder einen „Rattenschwanz“ hinter sich her. Es kurbelt nochmal kräftig die Ausschüttung von Stresshormonen an, die wiederum meinen Blutzucker wieder ansteigen lassen…
Jedes Mal, wenn mir das passiert, stoße ich in meiner Familie eher auf Unverständnis. Obwohl ich nun mehr als 17 Jahre bereits diese Krankheit habe und es klar sein müsste, dass das Leben mit Diabetes volatil ist, scheinen gesunde und sogar sehr vertraute Mitmenschen zu glauben, es sei leicht in „Schach zu halten“ – wie Kopfschmerzen: „Nimm halt eine Tablette, trink Wasser und leg kurz die Beine hoch.“ Oder: „Mach halt mal sowas wie Yoga!“
Sorgen, Sarkasmus und ein weiterer Sargnagel
Oh, wie mich dieses Unverständnis manchmal ärgert. Insbesondere, wenn man selbst von Sorge und Angst „gebeutelt“ ist und ich in meinem Fall dann auch noch an den Kopf geworfen bekomme, ob ich nicht mal besser auf mich aufpassen könne. Ich sollte doch am besten wissen, dass jeder unkontrollierte Überzucker ein weiterer Sargnagel für mich bedeute, heißt es dann in unnötigen Diskussionen… Solche Dialoge sind natürlich eine starke Hilfe (Sarkasmus!) und erhöhen weder Stresslevel noch Blutzuckerkurve!
Gerne denke ich in Situationen wie diesen an die weltweiten Aufmerksamkeitskampagnen rund um das Thema Diabetes! Wie soll man weltweit auf Diabetes aufmerksam machen und völlig unbedarften und fremden Menschen diese Krankheit mit ihren Höhen und Tiefen, Gefahren und Einflussfaktoren näherbringen, wenn noch nicht einmal das unmittelbare Umfeld – Typ F – wirklich nachvollziehen kann und will, dass Diabetes nun mal nicht immer auf achtsame Medikamentenzufuhr brav reagiert?

Abgesehen davon ist die Nummer mit dem „Beine hochlegen“ bei berufstätigen oder gar selbständigen Menschen so eine Sache… Ich bin fast froh, wenn wieder Montag ist und mich – bei der Arbeit – vom Wochenende erholen kann, wo gefühlt 12 Stunden lang nach mir gerufen und geplärrt wird.
Viele psychologische Studien geben an, dass es im Durchschnitt sieben (!) Jahre dauert, bis eine psychosomatische Erkrankung diagnostiziert ist. Das liegt in meinen Augen immer noch daran, dass viele Ärzte die Wirkung eher behandeln als die Ursache. Gerade weil bei Diabetikern der Blutzucker dranhängt und damit auch das insgesamte Wohlbefinden, plädiere ich dafür, dass eine psychologische Fürsorge bei Diabetikern ein neuer Standard sein sollte.
Was würde helfen?
Was also würde uns Diabetikern wirklich helfen, psychosomatischen Problemen und unkontrollierbaren Zuckerkurven vorzubeugen oder sie zu behandeln?
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- Ich glaube, es ist wichtig, dass wir – sollten wir es selbst nicht wissen – die Information bekommen, dass der hohe Blutzucker auch Resultat von physischer wie psychischer Anstrengung sein kann. Diese Erkenntnis kann uns dabei helfen, regelmäßigen Pausen nachzugehen bzw. diese auch zu rechtfertigen (z. B. vor dem Arbeitgeber).
- Jeder Arzt, aber auch jedes Unternehmen, sollte mittlerweile den Zusammenhang von Körper und Geist kennen. Patienten sowie Mitarbeiter sollten die Möglichkeit bekommen, dieses Zusammenspiel zu stärken bzw. in Einklang zu bringen. Wie? Betriebliche Gesundheitsförderung, zusätzliche Auszeiten, Empathie, pro-aktives Nachfragen etc.
- Insbesondere auch „temporäre Diabetiker“ wie die Schwangerschaftsdiabetikerinnen sollten darüber aufgeklärt werden, welche Einflussfaktoren den Blutzucker schwanken lassen – anstatt sie einfach mit strikten Diätmaßnahmen und einem Messgerät alleinzulassen.
- In diesem Bezug fordere ich auch Allgemeinmediziner auf, sich entweder mit solchen Volkskrankheiten wie Diabetes tiefer auseinanderzusetzen ODER ihre Patienten an einen Diabetologen zu überweisen.
- Bedeutet jeder schlechte Blutzuckerwert gleich einen „Sargnagel“ mehr? Die Angst davor, das eigene Leben zu verschwenden, die Lebenszeit nicht gut genug zu nutzen, raubt zusätzlich Energie. Stattdessen helfen bei allem die Akzeptanz und das optimistische Konzentrieren darauf, die IST-Situation zu verbessern.
- Durch vielerlei Prägungen sind wir eine Gesellschaft von Menschen geworden, die ihre Gefühle unterdrücken oder erst gar nicht mehr wahrnehmen. Ich bin es leid, ein angepasster Diabetiker zu sein. Drehen wir den Spieß herum: Typ F (Family & Friends) oder Ärzte sollten es schaffen, 2019 über den Tellerrand hinauszusehen, und die Krankheit Diabetes und mich als Menschen ganzheitlich versuchen zu erfassen, zu verstehen und zu unterstützen!
Eine Community ist wichtig!
- Auch eine Diabetiker-Gemeinschaft wie hier bei der Blood Sugar Lounge, auf Instagram oder Facebook unterstützt Erkrankte dabei, barrierefrei mit Gleichgesinnten über aktuelle Herausforderungen zu sprechen. Der Zugang zu einem Netz von Gleichgesinnten ist besonders bei heiklen Themen wichtig oder zu Uhrzeiten/Jahreszeiten, in denen es schwierig ist, einen Arzt aufzusuchen oder zu erreichen.
- Präventionskurse! Wie heißt es so schön: „Vor der Kurve vom Gas gehen… – sonst fliegt man aus der Kurve raus!“ – Bezogen auf die verschiedenen Herausforderungen bei Diabetes, wie Herz-Kreislauf-Schwächen, Gewichtsschwankungen oder Stressmanagement bieten die deutschen Krankenkassen eine Subvention von 70%-100% für bis zu zwei zertifizierte Präventionskurse an. Wer/wo/was und wie viel subventioniert wird, erfahren wir direkt und individuell mit Nachfrage bei unserer Krankenkasse!
Habt Ihr noch mehr gute Ideen dazu? Ich freue mich auf Eure Kommentare!
Eure Vivi
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anseaticids postete ein Update vor 6 Stunden, 55 Minuten
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 3 Tagen, 5 Stunden
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
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othenbuehler postete ein Update vor 3 Tagen, 21 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
Mehr Infos im Flyer 👇




