- Aus der Community
Geht nicht, gibt’s nicht
3 Minuten
Da ist sie nun: Die Diagnose und der daraus resultierende unkündbare Mietvertrag mit dem neuen (unerwünschten) Mitbewohner auf Lebzeit – Diabetes mellitus Typ 1.
Ganz schön dreist, dieser Mitbewohner. Kommt von heute auf morgen ins Leben gestolpert und verlangt dann auch gleich noch die volle Aufmerksamkeit.
Das bedeutet auch, dass er nicht mal nachts Rücksicht nimmt – und nicht selten die Nacht zum Tag macht.
Sind wir doch mal ehrlich: Jeder reale Mitbewohner wäre vermutlich schon nach 2 Tagen im hohen Bogen aus der Wohnung geflogen.
Was aber tun, wenn man ein Leben lang aneinander gebunden ist?
Man muss sich miteinander arrangieren. Das heißt nicht, dass das besagte „Die Nacht zum Tag machen“ nach 15 Jahren Diabetes plötzlich Spaß machen würde (gewiss nicht!), aber wenn der erste Schock nach der Diagnose einmal überwunden ist, wird es leichter.
Denn ganz entgegengesetzt vieler verbreiteter Annahmen dürfen wir trotzdem weiter Cookies, Zuckerwatte und den ganzen Kram essen. Jeder Zahnarzt würde bei dem Thema wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nicht aber der Diabetologe.
Auch an das vorerst ungewohnte, unangenehme Spritzen kann und wird man sich gewöhnen. Von Tag zu Tag wird es leichter, weil sich der Mitbewohner immer mehr in den eigenen Alltag integriert.
Wieso sehen viele den Mitbewohner Diabetes als Hindernis?
Auch bei mir hat das Zusammenleben nicht auf Anhieb funktioniert. Ich hatte gerade gelernt meine Schuhe zu binden, als ich mit meinen 6 Jahren und dem Einzug des Mitbewohners vor weitaus größere Herausforderungen gestellt wurde. Plötzlich war das Zählen bis 10 mein kleinstes Problem. Mein Zahlenraum lag ab jetzt zwischen 50 und 300.
Für meine Familie und mich bedeutete das, dass Reisen ab jetzt auch nur noch mit dem Mitbewohner im Handgepäck möglich war.
Man könnte meinen der Diabetes habe Flugangst, aber in Wirklichkeit waren es wohl wir, die zu viel Angst vor einer weiten (Flug-)Reise in die Ferne hatten. Denn was wäre wenn…?
Somit verbrachten wir in den kommenden Jahren unseren Urlaub in den nahegelegenen Niederlanden, um im Was-wäre-wenn-Fall innerhalb weniger Stunden wieder Zuhause sein zu können. Natürlich ist der besagte Fall nicht einmal eingetreten.
Heute weiß ich, dass es im Regelfall nicht der Diabetes ist, der solche Grenzen setzt, sondern vielmehr unsere Angst und das fehlende Selbstvertrauen. Es gibt weltweit aktuell knapp 290 Millionen Diabetiker. Auch im fernen Ausland, sollte der ein oder andere also für den besagten Was-wäre-wenn-Fall gerüstet sein. Wieso also den Diabetes vorschieben, wenn es beispielsweise darum geht, die Welt zu erkunden?
Gesagt, getan. Den Koffer gefühlte 80-mal kontrolliert, ob auch wirklich alles in ausreichenden Mengen dabei ist, geht es einige Jahre später in die USA. Und weil es kaum etwas gibt, das tatsächlich mit dem Diabetes im Handgepäck nicht geht, gleich auch noch zu einem der trockensten Plätze weltweit: die Wüste Nevadas und das Death Valley.
Man muss sich gut vorbereiten, den Blutzucker immer wieder kontrollieren und auf einem akzeptablen Level halten, was einem mit Jet-Lag wirklich vor eine Herausforderung stellen kann; aber auch das ist möglich, wenn man es sich nur zutraut!
Nicht der Mitbewohner verbietet es, ein Abenteuer zu erleben – sei es eine Reise oder etwas anderes: Der Einzige, der im Weg stehen kann, ist man selbst. Wenn man etwas wirklich möchte, und das habe ich in den letzten Jahren gelernt, dann muss man dafür einstehen und kämpfen. Und das lohnt sich.
Wo Andere sagen, das klappt doch niemals, habe ich Insulin bei 45 Grad Außentemperatur durch das Death Valley transportiert. Wieso nicht auch dem Diabetes als akzeptieren Mitbewohner und Begleiter etwas von der Welt zeigen?
Denn die Ausrede “geht nicht”, gibt’s nicht!
Außer vielleicht, was das Verhindern von Heißhungerattacken bei Unterzuckerungen angeht. Für diese Herausforderung suche ich immer noch nach dem Geheimrezept!
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moira postete ein Update vor 2 Wochen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen, 4 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 2 Tagen, 3 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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