Nachgefragt | Medizin: Muss Max regelmäßig zur Fußpflege, um vorzubeugen?

2 Minuten

© © adam121 - Fotolia
Nachgefragt | Medizin: Muss Max regelmäßig zur Fußpflege, um vorzubeugen?

Sie haben medizinische und/oder psychosoziale Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Die Experten des Diabetes-Eltern-Journals geben Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort!

Die Frage

Vor kurzem haben mein Mann und ich im Fernsehen eine Sendung über Dia-betes gesehen. Darin wurde über Folgeerkrankungen berichtet, es wurden Bilder von offenen Beinen und sehr kranken Füßen gezeigt. Unser Sohn Max ist acht Jahre alt, seit einem Jahr hat er Diabetes. Nun machen wir uns große Sorgen: Wie können wir verhindern, dass auch Max Folgeerkrankungen bekommt? Treten diese Folgeerkrankungen schon bei Kindern auf? Was können wir tun? Muss Max regelmäßig zur Fußpflege?

Frau B.

Die Antwort von Dr. Wolfgang von Schütz

Die Angst vor Folgeerkrankungen des Diabetes beschäftigt viele Eltern. Früher waren diese Sorgen durchaus berechtigt: Unter dem Einsatz von vorwiegend Langzeitinsulin war die Stoffwechseleinstellung völlig unzureichend. Eine große Streuung der Blutglukosewerte war die Regel. Nicht selten kam es zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit bzw. zu anhaltenden Überzuckerungen mit hohen HbA1c-Werten.

Daher konnte man schon bei Jugendlichen die Folgen einer schlechten Einstellung beobachten: Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen der Netzhaut (Retinopathie), Einschränkung der Nierenfunktion (Nephropathie), Veränderungen an den feinsten Nerven (Neuropathie), Funktionsstörungen der Leber, ausgeprägte Wachstumsstörungen.

Paradigmenwechsel in der Insulintherapie

Vor etwa 30 Jahren kam es dann zu einem einschneidenden Paradigmenwechsel in der Insulintherapie: Man hatte gelernt, die bisherigen Therapieregeln an die Vorgänge der natürlichen Insulinfreisetzung anzupassen. Die konventionelle Insulintherapie (KT) wurde durch die intensivierte konventionelle Therapie (ICT) abgelöst, d. h. Mahlzeiteninsulin, Basalinsulin und Korrekturinsulin wurden jetzt klar getrennt.

Ab jetzt kam vor allem Kurzzeitinsulin zum Einsatz. Vor allem konnte die Therapie an die Nahrungsaufnahme angepasst werden – und nicht wie bisher die Nahrungsaufnahme an die Wirkung des Insulins. Zudem entstanden zeitgleich stationäre und ambulante Versorgungsstrukturen für Kinder und Jugendliche mit Diabetes und ihre Familien; Schulungen durch professionelle Diabetesteams wurden etabliert.

Die Erfolge blieben nicht aus: In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass die Häufigkeit schwerer Stoffwechselentgleisungen abnahm, vor allem aber, dass das Auftreten der Folgeerkrankungen sehr deutlich zurückging. Heute ist es so, dass Folgeerkrankungen, wenn überhaupt, meist erst 15 oder 20 Jahre nach Manifestation des Diabetes auftreten, bei normnaher Stoffwechseleinstellung mit HbA1c-Werten unter 7,5 % fast nie.

Eine regelmäßige spezielle Fußpflege ist nicht notwendig, allerdings sollten die üblichen Hygienemaßnahmen beachtet und Verletzungen vermieden werden.

Die Zukunftsaussichten der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes sind heute sehr viel besser als vor einigen Jahrzehnten; eine übergroße Sorge vor Folgeerkrankungen ist nicht mehr gerechtfertigt. Falls Sie aber weiterhin Fragen und Zweifel haben, sollten Sie unbedingt mit dem Diabetesteam sprechen.


von von Dr. med. Wolfgang von Schütz

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2015; 8 (3) Seite 21

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Präventionsoffensive: Auftakt zum breiten Angriff auf chronische Krankheiten?
Noch wird um die genaue Ausgestaltung der „Zuckersteuer“ gerungen. Mit einer „Präventionsoffensive“ will das Bundesgesundheitsministerium dafür sorgen, dass diese Abgabe kein Strohfeuer im Kampf gegen Typ-2-Diabetes und andere chronische Krankheiten bleibt.
Zwei Fußballspielerinnen in schwarzen und blauen Trikots laufen auf einem grünen Rasen einem Fußball hinterher. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive symbolisiert Bewegung und Prävention.

3 Minuten

Community-Rezept: Sonnenblumenkern-Brot von Daniel
Daniels Rezept für Sonnenblumenkern-Brot wird mit Roggenvollkornmehl, Leinsamen und Hefe gebacken. Der Teig braucht Zeit zum Gehen, ist aber schnell angerührt. Das Ergebnis ist ein saftiges, ballaststoffreiches Brot mit knuspriger Kruste und kräftigem Geschmack. Daniel zeigt, worauf es ankommt.
Community-Rezept: Sonnenblumenkern-Brot von Daniel | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

3 Minuten

Community-Beitrag
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂

  • Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/