Nachgefragt | Medizin: Muss Max regelmäßig zur Fußpflege, um vorzubeugen?

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Nachgefragt | Medizin: Muss Max regelmäßig zur Fußpflege, um vorzubeugen?

Sie haben medizinische und/oder psychosoziale Fragen bezüglich Kindern und Jugendlichen mit Diabetes? Die Experten des Diabetes-Eltern-Journals geben Ihnen in der Rubrik Nachgefragt Antwort!

Die Frage

Vor kurzem haben mein Mann und ich im Fernsehen eine Sendung über Dia-betes gesehen. Darin wurde über Folgeerkrankungen berichtet, es wurden Bilder von offenen Beinen und sehr kranken Füßen gezeigt. Unser Sohn Max ist acht Jahre alt, seit einem Jahr hat er Diabetes. Nun machen wir uns große Sorgen: Wie können wir verhindern, dass auch Max Folgeerkrankungen bekommt? Treten diese Folgeerkrankungen schon bei Kindern auf? Was können wir tun? Muss Max regelmäßig zur Fußpflege?

Frau B.

Die Antwort von Dr. Wolfgang von Schütz

Die Angst vor Folgeerkrankungen des Diabetes beschäftigt viele Eltern. Früher waren diese Sorgen durchaus berechtigt: Unter dem Einsatz von vorwiegend Langzeitinsulin war die Stoffwechseleinstellung völlig unzureichend. Eine große Streuung der Blutglukosewerte war die Regel. Nicht selten kam es zu schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit bzw. zu anhaltenden Überzuckerungen mit hohen HbA1c-Werten.

Daher konnte man schon bei Jugendlichen die Folgen einer schlechten Einstellung beobachten: Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen der Netzhaut (Retinopathie), Einschränkung der Nierenfunktion (Nephropathie), Veränderungen an den feinsten Nerven (Neuropathie), Funktionsstörungen der Leber, ausgeprägte Wachstumsstörungen.

Paradigmenwechsel in der Insulintherapie

Vor etwa 30 Jahren kam es dann zu einem einschneidenden Paradigmenwechsel in der Insulintherapie: Man hatte gelernt, die bisherigen Therapieregeln an die Vorgänge der natürlichen Insulinfreisetzung anzupassen. Die konventionelle Insulintherapie (KT) wurde durch die intensivierte konventionelle Therapie (ICT) abgelöst, d. h. Mahlzeiteninsulin, Basalinsulin und Korrekturinsulin wurden jetzt klar getrennt.

Ab jetzt kam vor allem Kurzzeitinsulin zum Einsatz. Vor allem konnte die Therapie an die Nahrungsaufnahme angepasst werden – und nicht wie bisher die Nahrungsaufnahme an die Wirkung des Insulins. Zudem entstanden zeitgleich stationäre und ambulante Versorgungsstrukturen für Kinder und Jugendliche mit Diabetes und ihre Familien; Schulungen durch professionelle Diabetesteams wurden etabliert.

Die Erfolge blieben nicht aus: In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass die Häufigkeit schwerer Stoffwechselentgleisungen abnahm, vor allem aber, dass das Auftreten der Folgeerkrankungen sehr deutlich zurückging. Heute ist es so, dass Folgeerkrankungen, wenn überhaupt, meist erst 15 oder 20 Jahre nach Manifestation des Diabetes auftreten, bei normnaher Stoffwechseleinstellung mit HbA1c-Werten unter 7,5 % fast nie.

Eine regelmäßige spezielle Fußpflege ist nicht notwendig, allerdings sollten die üblichen Hygienemaßnahmen beachtet und Verletzungen vermieden werden.

Die Zukunftsaussichten der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes sind heute sehr viel besser als vor einigen Jahrzehnten; eine übergroße Sorge vor Folgeerkrankungen ist nicht mehr gerechtfertigt. Falls Sie aber weiterhin Fragen und Zweifel haben, sollten Sie unbedingt mit dem Diabetesteam sprechen.


von von Dr. med. Wolfgang von Schütz

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2015; 8 (3) Seite 21

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    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
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  • sayuri postete ein Update vor 4 Tagen, 3 Stunden

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
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  • cina_polada postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

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