- Soziales und Recht
CGM hat Zusatznutzen!
3 Minuten
Diabetespatienten, die Insulin spritzen, können mit einer Kombination aus Blutglukoseselbstmessung (BGSM) und kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) durch ein Real-Time-Messgerät ihren HbA1c-Wert besser einstellen als mit einer reinen BGSM – ohne dass schwere oder schwerwiegende Hypoglykämien häufiger auftreten, erklärt das IQWiG. Für die meisten anderen Endpunkte und Fragestellungen fehlten Daten, die Studienergebnisse seien statistisch nicht relevant oder würden kein klares Bild ergeben.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der DDG begrüßen die positive Bewertung, stimmen dem Institut jedoch nicht zu, dass es zur Lebensqualität und zu weiteren wichtigen Fragen keine aussagekräftigen Untersuchungen gebe.
DDB legt Eckpunkte zur CGM vor
Parallel zu den Ergebnissen des IQWiG-Abschlussberichts hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB; siehe auch S. 60 und 63) im Mai beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ein Eckpunktepapier zur CGM vorgelegt, in dem die Patientengruppen genau beschrieben sind, die ein kontinuierliches Glukosemessgerät dringend benötigen, wie Patienten mit Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen oder schwangere Diabetikerinnen.
Diabetespatienten, die mit einer intensivierten Insulintherapie behandelt werden, müssen ihren Blutzucker in der Regel 4- bis 6-mal täglich messen, um ihre Insulindosis dem aktuellen Messwert entsprechend anzupassen. Doch wie jeder Diabetiker weiß: Nicht immer lässt sich der Blutzuckerspiegel so optimal in den Griff bekommen. Eine verbesserte Blutzuckerkontrolle erhoffe man sich laut IQWiG von der Real-Time-CGM.
Neben der aktuellen Glukosekonzentration zeigen die Geräte auch Trends an, so dass die Patienten rechtzeitig gegensteuern können, wenn Unter- oder Überzuckerungen drohen. Durch eine verbesserte Glukosekontrolle lassen sich auch langfristige diabetesbedingte Komplikationen, die durch die Schädigung von Blutgefäßen hervorgerufen werden, vermeiden bzw. verzögern.
Manche Geräte können noch mehr und kombinieren die CGM mit der Insulinpumpe. Eines der Kombinationssysteme (Minimed Veo von Medtronic) hat zudem eine praktische automatisierte Funktion: Die Pumpe unterbricht die Insulinabgabe, wenn der Glukosewert zu niedrig liegt (automatische Hypo-Abschaltung).
15 Studien mit rund 2.000 Probanden
Für seinen Abschlussbericht hat das Institut 15 Studien von mindestens 24 Wochen Dauer daraufhin untersucht, ob sich aus ihnen Belege, Hinweise oder Anhaltspunkte für einen größeren Nutzen oder Schaden der CGM im Vergleich zu anderen Messverfahren ableiten lassen. Die überwiegende Mehrheit der 1.952 untersuchten Personen hatte Typ-1-Diabetes.
Einbezogen wurden die patientenrelevanten Endpunkte Gesamtsterblichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Sterblichkeit (kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität), Erblindung, Nierenversagen, Amputation, diabetisches Koma, Hypoglykämien sowie HbA1c-Werte – und gemeinsam betrachtet. Untersucht hat das Institut auch die Symptomatik von chronischen Überzuckerungen, sonstigen unerwünschten Ereignissen und gesundheitsbezogener Lebensqualität.
Bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Schwangeren standen zusätzliche patientenrelevante Endpunkte wie Entwicklungsstörungen oder Fehlgeburten im Fokus.
Besseres HbA1c durch CGM
Bei der gemeinsamen Betrachtung der schweren oder schwerwiegenden Hypoglykämien und der HbA1c-Werte zeigte sich: Der Langzeit-Blutzuckerwert lässt sich verbessern, ohne dass schwere oder schwerwiegende Unterzuckerungen häufiger auftreten als in der Kontrollgruppe. Die Aussagesicherheit reicht dabei – je nach Altersgruppe (über/unter 18 Jahre) und Schwere der Hypoglykämie – von einem Anhaltspunkt bis zu einem Beleg.
Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität lieferten die wenigen klinisch relevanten Studienergebnisse kein einheitliches Bild, so dass sich aus ihnen kein Anhaltspunkt für einen Vor- oder Nachteil ableiten ließe, so das Institut: "Für alle anderen Endpunkte kann entweder mangels statistisch signifikanter Unterschiede oder aufgrund fehlender Daten keine Aussage über einen größeren Nutzen oder Schaden der Real-Time-CGM-BGSM-Kombination gegenüber der reinen BGSM getroffen werden."
Menschen mit Diabetes, die CGM-Systeme nutzen, sehen das ganz anders. Durch die kontinuierliche Glukosemessung können sie ihre Werte besser einstellen und Blutzuckerschwankungen sowie Unterzuckerungen vermeiden. Die CGM trägt dadurch nicht nur zu einer höheren Lebensqualität, sondern auch zu einer besseren beruflichen Leistungsfähigkeit bei (siehe Kasten).
G-BA-Entscheidung wird in Kürze erwartet
Die vorläufigen Ergebnisse, den Vorbericht, hatte das IQWiG im Juli 2014 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach Ende des Stellungnahmeverfahrens, an dem sich u. a. auch DDG und DDB beteiligt hatten, wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im März 2015 an den Auftraggeber, den Gemeinsamen Bundesausschuss, versandt. Die Entscheidung des G-BA zur CGM, die sich auf die künftige Kostenübernahme durch die Kassen auswirkt, wird in Kürze erwartet.
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bloodychaos postete ein Update vor 4 Tagen, 8 Stunden
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri

Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGM
Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.