- Soziales und Recht
Daten einfach aus der Schublade ziehen
3 Minuten

Ein Impfregister wird diskutiert, um in der Corona-Pandemie die angedachte Impfpflicht zu kontrollieren und einen besseren Überblick über die so wichtige Impfquote zu erlangen. Für den Diabetesbereich ist die Sache nicht neu: Hier sammelt seit 2015 die Diabetes-Surveillance Informationen zur Erkrankung aus verschiedenen Quellen.
Die Corona-Pandemie hat Schlaglichter auf einige Mankos des deutschen Gesundheitssystems gelenkt. In der Diskussion um eine Impfpflicht gegen COVID-19 wurde zum Beispiel ein Impfregister schmerzlich vermisst. Mit einer solchen Datenbank könnte man nicht nur eine Impfpflicht überwachen, sondern auch hilfreiche epidemiologische Kennzahlen valide erheben. Das würde sie nach Worten des Bundesbeauftragten für Datenschutz, Ulrich Kelber, auch von der Seite des Datenschutzes her prinzipiell möglich machen.
„Die besondere Herausforderung ist es, die Zwecke und Ziele zu bestimmen und nachzuweisen, dass ein solches Impfregister erforderlich und verhältnismäßig ist“, erklärt er. Leider braucht der Aufbau eines solchen Impfregisters Zeit – wahrscheinlich zu viel Zeit, um für die akute Aufgabe im Zusammenhang mit Corona von Nutzen zu sein.
Ausbau der Surveillance Teil der nationalen Diabetes-Strategie
Die Diskussion erinnert an eine langjährige Forderung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): Es braucht ein Diabetes-Register für Deutschland! Dieses Register ist ein Element der ebenso oft vorgetragenen Forderung nach einer nationalen Diabetes-Strategie, die sich nicht zuletzt dank beharrlicher Lobbyarbeit der Diabetes-Organisationen dann tatsächlich im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Vorgänger-Regierung fand. Als diese nationale Diabetes-Strategie dann zumindest in einer „Light-Version“ im Juli 2020 von der letzten Regierung Merkel beschlossen wurde, tauchte darin statt des Diabetes-Registers eine bereits bestehende Datensammlung auf: die Diabetes-Surveillance am Robert Koch-Institut (RKI). Sie soll weiterentwickelt werden, so die Forderung.
Das durch das Bundesministerium für Gesundheit geförderte Forschungsprojekt zum Aufbau eines Diabetes-Surveillance-Systems begann 2015 und erstreckte sich über einen Zeitraum von sechs Jahren. Ziel war es, eine regelmäßige Diabetes-Berichterstattung zur zeitnahen und handlungsorientierten Information der Gesundheitspolitik, Gesundheitsforschung, Krankenversorgung und Public-Health-Praxis aufzubauen. In der ersten Projektphase von Dezember 2015 bis Dezember 2019 wurden ein wissenschaftliches Rahmenkonzept mit zentralen Kennzahlen (Indikatoren) definiert, Datenquellen zur Abbildung dieser Indikatoren erschlossen und Formate für eine Berichterstattung entwickelt.
In der zweiten Projektphase bis Dezember 2021 sollten die in der ersten Projektphase eingebundenen Datengrundlagen periodisch wiederkehrend genutzt und vervollständigt werden, um Zeitreihen auf- und auszubauen.Basis der Diabetes-Surveillance sind Verknüpfungen der Daten des RKI-Gesundheitsmonitorings, also von Studien wie dem Bundes-Gesundheitssurvey 1998 (BGS98), der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS), Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA) und der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), mit anderen relevanten Daten auf Bundes- und regionaler Ebene.
Beispielsweise wurden Daten der bundesweiten Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), des DIVE-Registers und Daten regionaler Diabetes-Register aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen einbezogen. Auf Basis dieser Daten werden 40 Indikatoren bzw. Indikatorgruppen mit Blick auf Risikofaktoren, Häufigkeit, Versorgung und Folgen des Diabetes abgebildet. Die Ergebnisse der Diabetes-Surveillance werden über die zum Weltdiabetestag 2019 online gestellte Website diabsurv.rki.de, in Fachartikeln und weiteren Formaten zum Beispiel aus dem Bereich Social Media bereitgestellt. 2019 erschien als Meilenstein zum Abschluss der ersten Projektphase ein Bericht der nationalen Diabetes-Surveillance.
Fortführung und Erweiterung der Diabetes-Surveillance
Derzeit wird eine weitere Projektphase mit Laufzeit von Januar 2022 bis Juni 2023 zur Fortführung der Diabetes-Surveillance mit Erweiterung um konkrete Schritte hin zu einer Surveillance nicht übertragbarer Krankheiten (NCD-Surveillance) vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Der Ausbau zu einer NCD-Surveillance ist geplant – eine finanzielle Förderung zur Verknüpfung, Erweiterung und Verstetigung der Projekte für eine umfassende und kontinuierliche NCD-Surveillance ist aber noch nicht gesichert.
Wie wichtig Daten sind, zeigt gerade auch die Pandemie wieder: Zum vieldiskutierten Zusammenhang zwischen einer Corona-Infektion und der Erkrankung an Diabetes insbesondere vom Typ 1 braucht es verlässliche Langzeitstudien. Das DPV-Register biete dafür eine solide und umfangreiche Basis, betonte die DDG in einer Pressemeldung Ende Januar. Und ein nationales Diabetes-Register sowie die elektronische Diabetesakte (eDA) würden künftige Auswertungen deutlich verbessern und erleichtern, wirbt die Fachgesellschaft.
Autor:
|
|
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (3) Seite 44-45
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung

3 Minuten
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 9 Stunden
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Tagen, 3 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße