- Soziales und Recht
Rechtliche Probleme von Diabetikern
4 Minuten
Die Diabetes-Krankheit bringt neben den gesundheitlichen Problemen und Beeinträchtigungen des Alltagslebens häufig auch rechtliche Schwierigkeiten mit sich. Eine kleine – wenngleich natürlich nicht repräsentative – Statistik zeigt, in welchen Bereichen oftmals der Schuh drückt.
Tausendfache kostenlose Beratung
Ob am Rande von Veranstaltungen, bei persönlichen Begegnungen, am Telefon, per Brief, per E-Mail oder in Internetforen: In vielfältiger Weise werde ich seit Beginn meines Jura-Studiums mit rechtlichen Fragen zum Thema Diabetes konfrontiert. In vielen tausend Fällen konnte ich hier weiterhelfen und habe ohne Berechnung entsprechende Rechtsberatung geleistet.
1997 – mit Erhalt meiner Anwaltszulassung – habe ich dann damit begonnen, zu jeder kostenlos geleisteten Beratung mindestens zwei statistische Daten zu erfassen – nämlich, welcher Rechtsbereich erfasst und wie die Auskunft (z. B. per Telefon) erteilt wurde. Nun habe ich zum Jahresende 2014 ein Fazit gezogen und eine kleine Auswertung erstellt. Interessant ist die Verteilung der Rechtsbereiche, aus denen die Fragen kamen.
Die Auswertung bezieht sich ausschließlich auf die von mir kostenlos geleisteten Beratungen oder Vertretungen (erfasst sind 5 301) aus dem Zeitraum von 1997 bis 2014. Darüber hinaus habe ich natürlich auch noch einige hundert Fälle kostenpflichtig bearbeitet (z. B. im Rahmen regulärer Mandate oder bezahlte Beratungen wie für die Leser-Hotline des DiabetesJournals); diese sind in der vorliegenden Statistik nicht berücksichtigt.
In vielen Fällen wurden mit einer Beratungsanfrage mehrere Problemfelder abgedeckt – statistisch erfasst habe ich aber nur das Hauptproblem, also die Frage, die mir zuerst bzw. vorrangig gestellt wurde. Hat jemand zunächst nach dem Schwerbehindertenausweis gefragt und wollte dann auch noch etwas zum Führerschein wissen, dann habe ich die Beratung trotzdem nur unter "Schwerbehinderung" eingeordnet.
Jeder Vierte: "Schwerbehinderung"
Knapp jede vierte Anfrage (1 359; 25,6 Prozent) betraf das Thema Schwerbehindertenausweis. Die wichtigste Frage dabei war, ob bzw. wie man den Schwerbehindertenstatus bekommt, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind bzw. wie die jeweilige Einzelsituation zu bewerten sei. Auch die mit dem Schwerbehindertenstatus persönlich verbundenen Vor- und Nachteile wurden oft erfragt. Viele Menschen wollten auch wissen, ob bzw. wie sie einen bereits vorhandenen Ausweis zurückgeben können.
An zweiter Stelle (1 061; 20 Prozent) stand das Thema Autofahren mit Diabetes: Hauptproblem dabei waren die Folgen eines Unfalles bzw. einer Verkehrsauffälligkeit in Zusammenhang mit einer Unterzuckerung. Oft kam es dabei zu strafrechtlicher Verfolgung (u. a. wegen Gefährdung des Straßenverkehrs), und es wurde Rat zur weiteren Vorgehensweise erfragt. Auch die Anordnung von Gutachten oder Auflagen war häufig Gegenstand der Beratung, und ich wurde gebeten, die Rechtmäßigkeit derartiger Anordnungen zu bewerten.
Ein Thema war oft, ob die Behörde beim Führerscheinantrag nach dem Diabetes fragen darf bzw. ob man eine solche Frage dann wahrheitsgemäß beantworten muss. Manche Patienten hatten nach einem Unfall auch Probleme mit ihrer Versicherung, die einen "Kaskoregress" verlangte.
Sitzenbleiben abwenden, verhagelte Klassenarbeit wegen Hypoglykämie wiederholen
Ein weiterer Schwerpunkt war der Bereich Schule und Kindergarten (556; 10,5 Prozent): Sehr viele Eltern waren mit dem Problem konfrontiert, dass die Insulingabe bzw. das Messen von Lehrern bzw. Erziehern verweigert wird. In einigen Fällen war das Verhältnis zwischen Eltern und Schule zerrüttet – und es drohte dem Kind sogar der Verweis auf eine Sonderschule.
Hier habe ich mich mitunter auch selbst mit der Schule in Verbindung gesetzt und konnte die Wogen glätten bzw. eine Lösung vermitteln. Häufiges Thema war auch die Frage nach Integrationshilfen wie Schulbegleiter oder zum persönlichen Budget.
Auch zu Prüfungserleichterungen, drohendem Sitzenbleiben oder dem Wiederholen von Klassenarbeiten, die aufgrund des Unterzuckers verhagelt wurden, bestand häufiger Beratungsbedarf.
Arbeitsrechtliche Fragen standen an vierter Stelle (549; 10,4 Prozent). Hier fragten vor allem Menschen in gefahrgeneigten Berufsbildern, ob die Diabetes-Erkrankung dem Arbeitgeber oder in der Bewerbung mitgeteilt werden müsse. Häufig wurde ich auch um Rat gebeten, weil der Arbeitgeber oder die Kollegen Schwierigkeiten bereiteten, den Diabetes am Arbeitsplatz zu managen. Die Abwehr von Mobbing sowie Beratung bei (drohender) Kündigung waren ebenfalls oft Thema.
Diabetes und mein Job: Passt das?
Eng damit zusammen hing der Beratungsbedarf (334; 6,3 Prozent) zu Berufswahl/Berufsausübung. Typische Fragen waren hier: Kann ich mit Diabetes meinen Beruf weiter ausüben? Kann ich als Diabetiker auch zu Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst? Was ist hierbei zu beachten? Gibt es Berufe, die für Diabetiker ungeeignet oder unzulässig sind?
Die Kostenübernahme bzw. Folgeverordnung für eine Insulinpumpe war Gegenstand von 289 (5,5 Prozent) Beratungsanfragen. Viele Betroffene sowie Ärzte oder Diabetesberaterinnen haben um Hilfe gebeten, weil seitens der Krankenkasse eine Insulinpumpentherapie verweigert wurde. Auch die Erstattung einer Patch-Pumpe war häufiges Thema.
Vorzeitige Altersrente wegen Schwerbehinderung, Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente waren ebenfalls für viele Menschen wichtig – aus dem Umfeld habe ich 288 (5,43 Prozent) Anfragen bearbeitet.
Vielfach nachgefragt wurde auch bei Problemen mit Versicherungen, vor allem Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Auch zum Thema "Steuern" bestand Beratungsbedarf: 186 Menschen (3,5 Prozent) hatten Schwierigkeiten bei der steuerlichen Anerkennung ihrer krankheitsbedingten Aufwendungen oder Fragen zu Freibeträgen und Absetzmöglichkeiten. Anfragen zur Kostenübernahme bzw. Erstattungsfähigkeit von kontinuierlichen Glukosemesssystemen haben vor allem in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen, hier konnte ich insgesamt 144-mal weiterhelfen.
Daneben wurde meine Expertise noch für viele andere Rechtsgebiete und Problemfelder erfragt, zum Beispiel zur Verordnung von Blutzuckerteststreifen, Problemen mit privaten Krankenversicherungen oder auch zur Haftungssituation von Selbsthilfegruppen oder Diabetesberaterinnen.
Das meiste per E-Mail
Die meisten Beratungsanfragen (2 971; 56 Prozent) kamen per E-Mail (vor allem in den letzten Jahren, über das Kontaktformular auf meiner Internetseite diabetes-und-recht.de oder aus diversen Foren (z. B. bei www.diabetes-kids.de). Insgesamt 1 253 Menschen (24 Prozent) haben telefonisch um Rat gefragt; in 664 Fällen (13 Prozent) wurde ich per Brief oder Fax um Hilfe gebeten.
In kostenlosen Beratungen in meiner Kanzlei bzw. bei Veranstaltungen habe ich (mindestens) 413 persönliche Beratungsgespräche geführt. Über den gesamten Zeitraum gerechnet, habe ich jede Woche im Durchschnitt knapp 5,6 Anfragen kostenfrei bearbeitet, pro Jahr also ca. 295.
Statistisch nicht erfasst, aber trotzdem erwähnenswert: Gefühlt etwas mehr als die Hälfte der Menschen haben sich für die kostenlose Beratung sogar bedankt …
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 3 Wochen, 1 Tag
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 5 Tagen
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 4 Tagen, 23 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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