- Soziales und Recht
Rezeptfreien Schmerzmittel: Warnhinweis soll Risiken verringern
3 Minuten
Heute (8. Juni 2018) entscheidet der Deutsche Bundesrat über die Analgetika-Warnhinweis-Verordnung (AnalgetikaWarnHV) – wird sie abgesegnet, muss künftig auf Verpackungen von nicht-rezeptpflichtigen Schmerzmedikamenten ein einheitlicher Warnhinweis zu deren potentiellen Risiken aufgebracht werden.
Medikamente mit einer schmerzstillenden oder schmerzlindernden Wirkung bezeichnet man als Analgetika. Nicht-verschreibungspflichtige Schmerzmittel, sogenannte OTC-Produkte (OTC steht für over-the-counter) werden Millionenfach in Apotheken, aber auch über den Onlinehandel, gekauft.
Am heutigen Freitag entscheidet der Deutsche Bundesrat in seiner Plenarsitzung unter Top 38 über die Analgetika-Warnhinweis-Verordnung (AnalgetikaWarnHV), mit der in Zukunft auf den Verpackungen von nicht-rezeptpflichtigen Schmerzmedikamenten einheitlich ein Warnhinweis aufgebracht werden muss. Umfragen zeigen einen deutlichen Missbrauch: Schmerzmittel werden in Deutschland sehr häufig und oft zu lange eingenommen.
Schweren Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen oder Nierenschäden
Bei einer längerfristigen Anwendung oder Überdosierung kann es zu schweren Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen oder Nierenschäden kommen. Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. begrüßt diesen Vorstoß. „Damit werden die Verbraucher in Bezug auf die Dosis und Anwendungsdauer auch rezeptfreier Arzneien sensibilisiert und von einer Einnahmedauer ohne ärztlichen Rat von über vier Tagen abgehalten“, sagt Professor Dr. med. Martin Schmelz, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
Die Bedeutung der neuen Verordnung wird angesichts des derzeitigen Verbraucherverhaltens deutlich. Fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung nimmt innerhalb von vier Wochen mindestens einmal OTC-Analgetika ein. 22 Prozent der OTC-Anwender verwendet diese Mittel länger als vier Tage. Viele von ihnen – ein Fünftel der Frauen und fast ein Drittel der Männer – lesen die Anwendungsempfehlungen nicht. Schätzungen zufolge wenden ein bis drei Prozent der Allgemeinbevölkerung täglich Schmerzmittel an.
Missbrauch bei OTC-Analgetika häufiger als bei Beruhigungsmitteln
Für Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., sind das alarmierende Zahlen: „Der Missbrauch von nicht-verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln ist damit sogar häufiger als derjenige von Beruhigungsmitteln. Der aus unserer Sicht längst überfällige Analgetika-Warnhinweis ist ein wichtiger Schritt für den Verbraucher- und Patientenschutz in Deutschland.“
Daten und Fakten zum Thema OTC-Analgetika
- fast jede zweite Person (46 Prozent) im Erwachsenenalter verwendet innerhalb von vier Wochen mindestens einmal OTC-Analgetika
- gut ein Fünftel (22 Prozent) der Anwenderinnen und Anwender verwendet diese Mittel länger als vier Tage
- von denjenigen, die OTC-Analgetika länger als vier Tage anwenden, kennen ein Fünftel der Frauen und fast ein Drittel der Männer die Anwendungsempfehlungen nicht
- über die Hälfte der Personen, die OTC-Analgetika länger als vier Tage anwenden, verwendet die Mittel ohne ärztlichen Rat
Tritt die Analgetika-Warnhinweis-Verordnung (AnalgetikaWarnHV) dann in Kraft, sind die Hersteller verpflichtet, nicht-rezeptpflichtigen Schmerzmittel zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen oder von Fieber auf den Verpackungen oder Umhüllungen entsprechend zu kennzeichnen. Der Warnhinweis soll lauten: “Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben.”
Handelt es sich um Rezepturarzneimittel, also in der Apotheke hergestellte Arzneimittel, soll der Hinweis aufgebracht werden: „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als vom Apotheker oder von der Apothekerin empfohlen.“
Erhebliche Gesundheitsrisiken bis hin zum Tod bei längerem Gebrauch
„Vielen Menschen ist nicht klar, dass auch rezeptfreie Schmerzmittel gefährlich sein können, sie haben Neben- und Wechselwirkungen, die insbesondere bei längerem Gebrauch erhebliche Gesundheitsrisiken bis hin zum Tod darstellen und überraschenderweise selbst Kopfschmerzen auslösen können“, betont Schmelz, der an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg im Bereich der Experimentellen Schmerzforschung tätig ist.
„Manchmal scheint der Griff zum Schmerzmittel unvermeidlich zu sein, dann sollten aber die Einnahme-Empfehlungen vor allem in Bezug auf die Einnahmedauer beachtet werden“, ergänzt Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft. Der Warnhinweis auf Packungen ist aus Sicht der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. ein wichtiger Schritt für einen vorsichtigeren Umgang mit OTC-Analgetika.
„Wichtig ist nun, in den nächsten Jahren konsequent zu evaluieren, wie und ob der Warnhinweis seine beabsichtigte Schutzwirkung entfaltet. Notfalls wären ansonsten später weitergehende Regulierungen des Arzneimittelmarkts im Sinne des Patienten- und Verbraucherschutzes nötig wie sie beispielsweise bereits als weitergehende Alternative in der entsprechenden Bundesratsdrucksache Nr. 133/18 erwähnt werden,“ so Isenberg.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Eltern und Kind
2 Minuten
- Technik
3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
ckmmueller postete ein Update vor 1 Tag, 17 Stunden
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
-
anseaticids postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more



