Voll im normalen Leben

2 Minuten

Voll im normalen Leben

Schluss mit Ausgrenzung und Diskriminierung, fordert Jana Einser in ihrer Kolumne. Denn Menschen mit Diabetes können und sollten voll ins normale Leben einbezogen werden.

Diagnose Typ-1-Diabetes! Ein Schock für die Mutter des kleinen Kindes – obwohl sie Ärztin ist und genau weiß, wie gut diese chronische Erkrankung heute behandelbar ist. Sie benötigt sogar eine psychotherapeutische Behandlung, um mit der Diagnose zurechtzukommen.

Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des Diabetes

Eine erfundene Geschichte? Leider nicht. Sie wurde mir vor kurzem von der Psychotherapeutin erzählt. Warum aber ist das so, dass selbst Menschen, die sich zum Beispiel wegen ihres Berufs gut mit dem Thema Diabetes auskennen, Schwierigkeiten mit der Akzeptanz haben? Natürlich ist es menschlich, dass eine Krankheitsdiagnose erst einmal das Gefühl der Sicherheit nimmt – aber im Laufe der Zeit arrangiert man sich normalerweise damit, mal mehr, mal weniger den Diabetes akzeptierend.

Ich vermute, dass bei der Mutter des Kindes mit Diabetes gerade wegen der guten Kenntnisse psychische Probleme auftraten. Denn auch, wenn sie weiß, dass die Behandlung heutzutage gut machbar ist, kennt sie die Probleme, die in Kindergarten und Schule auftreten können. Das würde auch mir schlaflose Nächte bereiten.

Problemen in Regelkindergarten und -schule

Denn was nützt es, wenn zwar das Thema Inklusion in aller Munde ist, aber Kinder, die voll leistungsfähig sind und nur ab und zu etwas Unterstützung beim Blutzuckermessen und Berechnen der Insulindosis benötigen, nur mit Problemen in Regelkindergarten und Regelschule gehen können? Oft ist gerade in der letzten Zeit darüber zu lesen, dass Eltern den normalen Kindergarten- und Schulbesuch einklagen müssen.

Einen Vorschlag, diese Situation generell zu lösen, gibt es durchaus, zumindest für Schulen: Schulschwestern, die während des Schulbesuchs Kinder mit chronischen Krankheiten unterstützen können. Natürlich würde das Geld kosten – aber es würde sicher vielen Eltern Angst nehmen. Sie wüssten, dass ihr Kind mit Diabetes gesellschaftlich akzeptiert wird und sie die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Das wäre vernünftige Inklusion.

Vernünftiges Miteinander aller Menschen sollte im Mittelpunkt stehen

Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit sollte das vernünftige Miteinander aller Menschen im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört eben auch, dass Menschen mit Beeinträchtigungen voll ins normale Leben einbezogen werden.

Diskutieren Sie mit!
Im Kommentarbereich unterhalb der Kolumne können Sie das Gelesene kommentieren, eigene Erfahrungen schildern, mitreden … Einfach auf die Sprechblase klicken und ins Kommentarfeld schreiben!

weitere Kommentare und Meinungsbeiträge


von Jana Einser

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (12) Seite 82

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Nicht komplett zu verhindern, aber: Unterzuckerungen ernst nehmen
Unterzuckerungen treten immer wieder bei Menschen mit Diabetes auf. Solange es keine sich komplett selbst steuernden und wirklich langfristig vorausschauenden Systeme gibt, lassen sich tiefe Glukosewerte nicht vollständig verhindern. Ernst nehmen sollte man sie trotzdem. Welche Folgen sie haben, wie sie sich zeigen und was sie auslöst, ist folgend dargestellt.
Nicht komplett zu verhindern, aber: Unterzuckerungen ernst nehmen | Foto: VectorMine – stock.adobe.com

5 Minuten

Hyperglykämien: Wenn hohe Blutzuckerwerte gefährlich werden
Nicht nur niedrige Blutzuckerwerte können zu Furcht führen – auch sehr hohe Blutzuckerwerte (Fachbegriff: Hyperglykämien) mit starker Entgleisung können gefährlich sein und sollten im Blick behalten werden. Dieser Artikel klärt über Ursachen auf und Möglichkeiten, sie zu verhindern.
Hyperglykämien: Wenn hohe Blutzuckerwerte gefährlich werden | Foto: VectorMine – stock.adobe.com

6 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%