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Auf eigene Gefahr – der Technik die Kontrolle übergeben
4 Minuten
Disclaimer:
Ich betreibe ein Do-it-yourself-Closed-Loop-System (kurz: Loop) auf eigenes Risiko. Meine Ausführungen sind keinesfalls als Therapieempfehlung zu verstehen und sollten nicht nachgemacht werden. Sie geben lediglich das Ergebnis meiner Selbstversuche wieder.
Ich habe mich schon immer sehr für Technik interessiert, auch wenn mein technisches Verständnis gar nicht so groß ist. Aber kleine Spielereien und Neues habe ich immer gerne ausprobiert, aus purer Neugierde. Deswegen habe ich auch einige Zeit etwas neidisch auf die sogenannte Do-it-Yourself-Looper-Szene geblickt. Mein Interesse an den selbstgebauten Closed-Loop-Systemen war groß. Genauso groß war aber auch mein Respekt vor der Technik. Ganz alleine würde ich so etwas bestimmt nicht hinbekommen, dafür reichte mein Technikverständnis dann wohl nicht.
Als unser Wunsch nach Familienplanung immer realer wurde, wuchs auch der Wunsch zu loopen. So groß wie auch mein Respekt vor der Technik war, der Respekt vor einer Schwangerschaft war noch größer, es war regelrechte Angst. Die Angst, die Zielwerte in einer Schwangerschaft nicht erreichen oder halten zu können und somit dem ungeborenen Kind zu schaden, war schon immer eine absolute Horrorvorstellung meinerseits.
„Bevor ich darüber nachdenken kann, eine Schwangerschaft zu planen, möchte ich das Loopen ausprobieren. Ich möchte gerne wissen, ob ich es mit so einem System schaffe, meinen HbA1c-Wert dauerhaft zu senken. Das habe ich in den letzten 20 Jahren kaum hinbekommen!“ Ich sprach mit meinem Freund, der im Gegensatz zu mir eine Art Technik-Nerd ist, und nach ein bisschen Recherche entschieden wir uns, es zusammen zu versuchen.
Loopen auf eigene Gefahr

Zusammen mit meinem Freund las ich also wochenlang die Informationen und Anleitungen im Internet, tauschte mich mit „Loopern“ aus und fing an, mir die nötige Technik zu besorgen. Normalerweise bin ich ein unheimlich ungeduldiger Mensch, der es kaum erwarten kann loszulegen. Doch dieses Mal war ich mir der Verantwortung durchaus bewusst, schließlich erfolgt diese Art zu loopen komplett auf eigene Gefahr.
Anschließend testete ich über Wochen meine Basalrate und meine Faktoren und schaffte es schon in dieser Vorbereitung auf meinen Ziel-HbA1c-Wert zu kommen. „Die Technik funktioniert so gut wie die Qualität deiner Daten“, hieß es überall. Ich wollte sichergehen, dass ich meine eigenen Parameter wirklich gut kannte.
Monate später war es dann so weit. Wir legten den Loop an und starteten die Technik. Ich war ein bisschen erstaunt, wie einfach es in diesem Moment wirkte, und konnte es kaum glauben. In den nächsten Wochen musste ich dann noch etwas ganz anderes lernen:
Verantwortung abgeben

Dem System zu vertrauen und meine Verantwortung ein Stück weit abzugeben. 20 Jahre lang war ich es gewöhnt, auf meine Blutzucker- und Gewebezuckerwerte zu reagieren. Mir zu überlegen, was jetzt das Beste für meine aktuelle Stoffwechsellage ist, und dementsprechend zu handeln. Dieses Verhalten konnte ich nicht sofort abstellen und griff trotz Loops relativ häufig in meine Therapie ein. Doch das nahm meistens kein gutes Ende und ich landete fast immer in einer „Hypo“. Ich musste mich regelrecht zwingen, nicht selbst zu handeln und dem System zu vertrauen. Manchmal kamen mir die Bolus- und Korrekturabgaben seltsam vor, ich selbst hätte es ganz anders gemacht. Doch mit der Zeit sah ich, dass es funktionierte.
Ein komisches Gefühl. Irgendwie fremdbestimmt. Als Kind halfen mir meine Eltern zwar bei der Berechnung meiner BEs und Insulineinheiten, animierten mich aber immer dazu, selbst zu rechnen. Sie waren nur ein Sicherheitsbackup. Relativ schnell übernahm ich dann meine Diabetestherapie selbst und meine Eltern durften spätestens ab der Pubertät kaum noch mitreden. Seitdem reagierte ich fast allergisch auf das Einmischen von jedem in meine Diabetestherapie. Sogar bei Ärzten. Es war mein Körper, mein Diabetes, mein Alltag. Niemand kannte all das so gut wie ich. Wieso sollte mir irgendjemand reinreden können oder dürfen?
Wie viel Technik ist zu viel Technik? Eine individuelle Frage

Die neue Technik weckte meine Neugierde hauptsächlich wegen der technischen Spielereien. Als es ernst wurde und je länger ich mein DIY-Closed-Loop-System trug, desto mehr wurde mir klar, dass es alles andere als eine Spielerei war, sondern durchaus die Zukunft der Diabetestherapie einläutete. Ich musste nicht nur lernen, ein bisschen Verantwortung an die Technik abzutreten, ich konnte es auch. Meine Werte sprachen für sich. Zugegeben, ich war anfangs skeptisch und glaubte nicht wirklich daran, doch ich schaffte es endlich, meine Blutzucker-Schwankungen zu reduzieren, weniger „Hypos“ zu haben und einen guten HbA1c-Wert zu erzielen, auf Dauer. Das war mir in meiner gesamten Diabeteskarriere selten gelungen. Ein weiterer Pluspunkt war, dass ich tatsächlich weniger Aufwand im Diabetes-Alltag hatte. Oft schaute ich auf mein Handy, um zu überprüfen, wo meine Werte lagen und was Loop gerade so tat, und in der Regel war alles gut. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass auch Technik Fehler haben und machen kann. Man selbst verschwindet nicht komplett aus der Diabetestherapie, sondern ist nach wie vor das „Gehirn“ hinter allem. Man selbst trägt am Ende die Verantwortung für alles, besonders bei einem selbstgebauten Closed-Loop-System. Die Technik ist heute eine tolle Unterstützung und Hilfe, sie gibt uns die Möglichkeit auf einen ganz neuen Alltag mit Diabetes und zeigt, was in Zukunft noch möglich werden könnte. Doch das ist sicherlich nicht für jeden etwas. Besonders der Aspekt, die eigene Therapie ein Stück weit aus den Händen zu geben. Das verstehe ich durchaus und deswegen muss jeder für sich entscheiden, wie viel Technik gut für ihn und seinen Diabetes ist.
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bloodychaos postete ein Update vor 7 Stunden
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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thomas55 postete ein Update vor 4 Tagen, 18 Stunden
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 5 Tagen, 17 Stunden
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri
