- Technik
Diabetes digital – neue Chancen und Herausforderungen
3 Minuten
Das Unternehmen Roche Diabetes Care hat Ende März zum „Diabetes-Mediendialog“ ins bayerische Hohenkammer eingeladen, um über Trends in der Diabetesversorgung zu diskutieren. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Digitalisierung.
Die Digitalisierung gewinnt in vielen Bereichen unseres Alltags an Bedeutung und sorgt für grundlegende Veränderungen. Die Entwicklung ist auch im Gesundheitsmanagement zu beobachten – und war zentrales Thema beim Diabetes-Mediendialog von Roche Diabetes Care in Hohenkammer. Dort diskutierten Experten über neue Chancen bezüglich einer nachhaltigen Verbesserung der Patientenversorgung, die durch das Erfassen, Verknüpfen und Nutzen von Diabetesdaten entstehen können.
Die Herausforderungen, die damit einhergehen, wurden in Hohenkammer besprochen: So erfordern neue Technologien neues therapeutisches Denken, die entsprechenden Infrastrukturen sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen, hieß es. Trotz Optimismus bezüglich der Therapieoptimierung sei es wichtig, die Menschen dabei nicht aus dem Blick zu verlieren: Ärzte und Patienten brauchen bedienungsfreundliche Werkzeuge, die sie motivieren und die Diabetesbehandlung im Alltag erleichtern, so der Tenor der Referenten.
Diabetologen: psychologische Kompetenz
Wie wichtig dies im Therapiealltag ist, hob Matthias Steiner in seinem Vortrag hervor: „Die besten digitalen Systeme bringen nichts, wenn den Menschen mit Diabetes die Motivation fehlt, sich für ihre Gesundheit zu engagieren. Denn ohne die Mitarbeit des Patienten funktioniert der ganze Diabetes-Kreislauf nicht.“ Deshalb werde psychologische Kompetenz immer wichtiger für Diabetologen – auch bezogen darauf, den Patienten die Angst vor gravierenden Veränderungen zu nehmen, so der Olympiasieger im Gewichtheben und Typ-1-Diabetiker.
Es gelte, näher an den Menschen dran zu sein, ihnen genauer zuzuhören und daraus resultierend sie individueller zu behandeln. Die Digitalisierung kann laut Steiner aber gerade bei den motivationsrelevanten Themen Ernährung und Bewegung die Patienten unterstützen und so Prävention und Therapie verbessern: Anhand seines Online-Projekts www.steinerprinzip.com zeigte er konkret, wie ein Online-Tool dank Videos oder individuell angepasster Empfehlungen zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung motivieren kann.
„Co-Innovation Lab“: neue, innovative Wege in der Entwicklung
Auch Jungunternehmer Kevin Röhl (Berlin) sieht, ausgelöst durch die Digitalisierung, die Arzt-Patienten-Beziehung im Wandel: So beginnen Menschen mit Diabetes nun vermehrt, selbst Ideen zu entwickeln, wie ihre Therapie erleichtert und verbessert werden kann, berichtete der Mediendesigner mit Typ-1-Diabetes. Er selbst ist hierfür bestes Beispiel: Für die Entwicklung eines visuellen Helfersystems für Diabetiker namens lumind hat Röhl im Jahr 2015 einen mit 10 000 € dotierten Innovationspreis der Berliner Senatsverwaltung erhalten.
Beim Diabetes-Mediendialog stellte er einen innovativen Weg vor, wie die Kompetenz von Betroffenen in die Entwicklung digitaler Diabetesangebote einfließen kann: das Co-Innovation Lab, kurz Das Lab. Gemeinsam mit fünf Mitstreitern mit Diabeteshintergrund und unterstützt von Roche Diabetes Care Deutschland arbeitete er in dieser Start-up-Kooperative an digitalen Lösungen, die das Leben mit Diabetes erleichtern sollen.
„Wir konnten Synergien aus unserem technischen Hintergrund und unseren täglichen Erfahrungen mit Diabetes nutzen. So haben wir innerhalb von nur drei Monaten zwölf Projekte entwickelt, die auch für unseren persönlichen Alltag eine Erleichterung darstellen“, erläuterte Röhl seine Motivation. So entwickelten sie z. B. ein Tool, das Glukosewerte mit den GPS-Daten eines Smartphones kombiniert und auf einer Karte darstellt, um so Zusammenhänge zwischen Alltagsaktivitäten und Werten besser erkennen und daraus Schlüsse für ein verbessertes Diabetesmanagement ziehen zu können.
Umdenken: Zusammenhänge statt isolierter Momentaufnahmen
Trotz aller technologischer Fortschritte bleiben die Ergebnisse in der Diabetesversorgung heute noch immer hinter dem potentiell Möglichen zurück, konstatierte Lars Kalfhaus, Geschäftsführer von Roche Diabetes Care.
Die optimierte Nutzung und bessere Verknüpfung therapierelevanter Daten könne die Versorgung grundlegend verändern, erfordere aber gleichzeitig neue Denkmuster: So müsse man von einer rückblickenden, auf einzelne Blutzuckerwerte konzentrierten Betrachtung hin zu einer vorausschauenden, auf Kurven und Zusammenhänge gerichteten Sichtweise kommen, forderte er. „Mehr Zeit im Zielbereich“ sei der neue patientennahe Qualitätsparameter für eine solche digitalisierte Diabetes-Versorgung.
Für die Gestaltung der digitalen Zukunft seien alle Versorgungsprotagonisten mit ihrer jeweiligen Kompetenz gefragt, betonte Kalfhaus in seinem Vortrag abschließend:„Roche Diabetes Care beteiligt sich aktiv an der Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen, die es dank Digitalisierung ermöglichen, die Therapiequalität nachhaltig zu verbessern und Kosten im Gesundheitswesen zu senken.“
von Gregor Hess
Redaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-online.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (6) Seite 8-10
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Psyche
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung
2 Minuten
- Ernährung
Rezept für Grünkohl-Hack-Pfanne mit Kichererbsen
2 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
galu postete ein Update vor 1 Tag, 15 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus -
ps0208 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Dia-Newbies vor 3 Tagen, 8 Stunden
Hallo, ich bin 33 Jahre alt und hab letztes Jahr die Diagnose Diabetes Typ 2 bekommen. Aktuell nehme ich Metformin 1000mg 3 x täglich. Bewegung war mir schon immer wichtig und nach der Diagnose habe ich auch die Ernährung umgestellt
-
lena-schmidt antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
Hallo, schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast. Gibt es Themen, die dich auch sonst noch besonders interessieren? Liebe Grüße Lena
-
ps0208 antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
@lena-schmidt: Außerhalb von Diabetes ist es das Wandern, Fotografieren und Lesen.
-
-
kasch postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Wochen, 1 Tag
Hey, ich habe die Omnipod 5 und zurzeit noch den Dexcom g6.
Die App läuft auf dem iPhone 12. wie kann ich das iPhone auf die Version 26.1 updaten? Automatische Updates würden ja gleich auf 26.2 gehen. Wie kann ich das manuell machen?


Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!