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Versteht mich nicht falsch: Auch ich mache ab und an solche Bilder, auch ich lege Wert auf eine hübsche Tasche, eine zierliche Pumpe und, und, und. An Tagen, an denen ich viel Zeit im Bett verbringe, liegt meine Pumpe auch schön brav neben mir. Ein Bild aus dem Alltag.
Wenn ich in den letzten Wochen in den Social-Media-Kanälen unterwegs war, stellte sich mir doch eine Frage: Ist hier der Diabetes das neue Accessoire, neben Fitnesstrackern, hippen Low-carb-vegan-Proteinshakes und Nagellack? Nach meiner Beobachtung gibt es gerade im Ausland einige Bewegungen im Diabetesbereich, die mir Angst machen.
Ich entwerfe hier jetzt eine etwas überspitzte Darstellung: Eine Bloggerin hält regelmäßig (mit Augenringen) ihr Blutzuckermessgerät mit Werten hoch außerhalb der Norm in die Kamera, meistens direkt aus dem Fitnessstudio. Ab und an schwingt noch die Botschaft mit, man solle sich bloß super mega low-carb ernähren, um nicht so viel spritzen zu müssen bzw. den Blutzucker in Schach zu halten. Am besten noch vegan und glutenfrei.
Dazu ein Text im Sinne von „Diabetes kriegt mich nicht klein“ und „Mein Diabetes hält mich von nichts ab“. Für mich wäre das gar keine große Sache, würde sie einmal schreiben, was sie zu ändern versucht – oder wenigstens, ich lass mich nicht stoppen, aber hey, läuft scheiße mit dem Diabetes.
Wir alle lassen uns mehr oder weniger beeinflussen, auch im Social Media. Wir leben vom Austausch mit anderen. Wenn es aber nur darum geht, noch sein Blutzuckermessgerät in die Höhe zu halten, um sich selbst zu präsentieren und eine nur scheinbare Motivationsbotschaft zu vermitteln, sorry, dann bin ich raus. Viele Diabetiker versuchen, mit low-carb eine glattere Blutzuckerkurve zu erreichen, was für sie auch gut funktioniert.
Trotzdem sind auch sie auf Insulin und das Spritzen angewiesen. Die oben vorgestellte Person vermittelt für mich eine andere Botschaft: Egal, was du machst, der Diabetes macht es mit. Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Was ist mit schweren Unterzuckerungen etc.? Antje schrieb dazu mal, „dass es bei Typ-1-Diabetes eben nicht in erster Linie um hippe Happy-Community geht. Sondern um eine beschissene Stoffwechselkrankheit.“
Das Teilen von Werten, Einstellungen, Berechnungen kann uns zum Nachdenken bringen, inspirieren und motivieren. Ich bin in großen Teilen ein Fan davon, was hier in der #dedoc und in der Blood Sugar Lounge passiert! Ich habe viel über Diabulimie und Diabetesdepressionen gelernt, wurde in der Entscheidung zwischen FGM und CGM und bei meinem CGM-Antrag unterstützt und noch vieles mehr. Natürlich habe ich auch Feedback zu meinen Sachen bekommen. Dafür ein ganz großes DANKE.
Ich lasse mich von meinem Diabetes nicht stoppen. Dieser Satz alleine reicht nicht. Ich muss mich um meinen Körper kümmern und rausfinden, was ihm guttut. Mit Diabetes muss ich das noch umso intensiver, und das kann verdammt nochmal sehr anstrengend und nervig sein.
Ich habe auch nicht immer Lust darauf. Ich finde, schöne Accessoires für den Diabetes und eine gute Community können uns bei der Motivation helfen und den Alltag erleichtern. Sie alleine reichen aber nicht aus.
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