Die Medtronic MiniMed 670G auf Reisen

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Community-Beitrag
Die Medtronic MiniMed 670G auf Reisen

Gemeinsam mit rund 40 anderen Tester*innen darf ich seit Oktober die Medtronic MiniMed 670G auf die Probe stellen. Ich habe mich riesig über die Gelegenheit gefreut, das System gründlich unter die Lupe zu nehmen. Meine allgemeinen Erfahrungen habe ich bereits (in rekordverdächtiger Ausführlichkeit) hier auf meinem Blog beschrieben. Insgesamt ist das System in meinen Augen ein revolutionärer Schritt in die Zukunft – allerdings fehlen mir persönlich am Ende doch einige Features (temporäre Basalrate und dualer Bolus) und das System erfordert extrem viel Aufmerksamkeit (Kalibrierungen) und Nerven (viele, viele Alarme).

Doch neben dem ganz normalen Alltag konnte ich das System mittlerweile auch in einem Ausnahmezustand testen, der für mich persönlich ganz besonders wichtig ist: auf Reisen! Ich hatte die MiniMed 670G sowohl im klassischen Strandurlaub im sonnigen Ägypten als auch während eines Städtetrips in das winterliche New York dabei. Wie sich das System jeweils geschlagen hat, möchte ich euch heute berichten.

Ein paar Worte vorab: Normalerweise nutze ich seit 1,5 Jahren einen DIY Loop, also ein selbstgebautes (nicht offiziell zugelassenes!) System, das meine Insulinabgabe teilweise automatisch steuert. Das ist also das System, mit dem ich die MiniMed 670G hautpsächlich vergleiche.

Die MiniMed 670G im sonnigen Strandurlaub in Ägypten

Der Umstieg auf die MiniMed 670G fiel in eine für mich sehr stressige Zeit. Umso mehr freute ich mich, dass es im November für einen richtig klassischen Strandurlaub nach Ägypten ging. Völlerei am All-Inclusive-Buffet und ein Buch nach dem anderen lesen? Das hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Die Auszeit hat mir unheimlich gut getan – aber wie lief es mit der MiniMed 670G?

Quelle: Stephanie Haack

Pro

+ PRO: Normalerweise nutze ich ein DIY-Loop-System, für das ich neben meiner Insulinpumpe stets auch mein Handy und mein Riley Link, ein kleines Verbindungsgerät, mit mir führen muss. Stattdessen klemmte ich mir in Ägypten einfach nur die MiniMed 670G an den Badeanzug und der Sensor klebte natürlich sowieso schon. So trug ich alles an meinem Körper und fühlte mich unerwartet frei!

+ PRO: Auf die vielen Alarme, die mich im hektischen Berufsalltag echt Nerven gekostet hatten, hätte ich im Urlaub natürlich auch gerne verzichtet. Allerdings haben sie am Strand natürlich deutlich weniger gestört als mitten in Meetings oder unterwegs. So war ich in dieser Woche deutlich weniger vom System genervt als zuvor.

Quelle: Stephanie Haack

Contra

– CONTRA: Dennoch: Im Urlaub möchte ich eigentlich abschalten. Mit Diabetes im Gepäck geht das niemals so wirklich. Aber mit der MiniMed 670G wird die Entspannung für meinen Geschmack definitiv zu häufig unterbrochen.

– CONTRA: Im All-Inclusive-Urlaub sieht mein Leben komplett anders aus als im Alltag: Normalerweise bin ich recht viel in Bewegung, doch stattdessen fand mein Urlaub hauptsächlich auf der Sonnenliege statt. Dementsprechend war mein Insulinbedarf deutlich höher. Die Lösung wäre so einfach gewesen: eine temporäre Basalrate von 130-140%. Diese Funktion hat die MiniMed 670G im Automodus jedoch leider nicht. (Ich hätte den Automodus auch ausstellen und dafür die temporäre Basalrate nutzen können. Wollte ich aber nicht.) Stattdessen musste die Pumpe erst anhand meiner Glukosedaten erkennen, dass die normale Basalrate nicht passt und ich mehr Insulin brauche. Leider geschieht dies nicht über Nacht. Der Algorithmus betrachtet immer die Daten von einigen Tagen. Außerdem ist das System sehr auf Sicherheit ausgerichtet. Nach meiner Erfahrung ist es sehr zurückhaltend, wenn es um die deutliche Steigerung von Insulinabgaben geht. Deshalb passte die Basalmenge, auch wenn sie nach einigen Tagen immer besser wurde, eigentlich während der gesamten Reise nicht. 23% der Zeit war ich über dem Zielbereich. Schade! (Ein weiterführender Gedanke: Hätte die Basalmenge am Ende der Reise gepasst, wäre sie in den Tagen unmittelbar nach der Reise wohl wieder komplett unpassend, nämlich nun zu hoch für meinen aktiveren Alltag gewesen.)

Die MiniMed 670G beim winterlichen Städtetrip in New York

Einige Monate später, genau gesagt Anfang Februar, verbrachte ich fast zwei Wochen in New York. Hier waren wir alles andere als faul und waren täglich rund 10 Kilometer zu Fuß unterwegs – immer wieder unterbrochen durch Besuche in Museen, Shops, Restaurants und Cafés. Und wie lief es hier mit der MiniMed 670G?

Copyright: Stephanie Haack

Pro

+ PRO: Das System ist unabhängig von der Außenwelt und nicht anfällig für Signalstörungen. Dass ich in New York die MiniMed 670G benutzen würde, war so eigentlich nicht geplant. Doch irgendwie wollte mein DIY Loop nicht funktionieren. Meine Theorie: zu viele störende Signale! Das hatte ich auch schon von einigen anderen Looper*innen gehört, die in dicht bewohnten Großstädten extreme Verbindungsstörungen hatten. Andere können in New York hingegen völlig problemlos loopen. Keine Ahnung, woran es nun lag – ich war jedenfalls froh, mit der MiniMed 670G eine sehr gute Alternative zu haben, die funktioniert, egal ob nun tausende andere Geräte herumfuhren oder nicht.

+ PRO: In New York waren wir unheimlich viel auf den Beinen, sodass mein Basalbedarf deutlich unter dem Durchschnitt lag. Hier konnte die MiniMed 670G viel abfedern und so die ein oder andere „Hypo“ verhindern. Juhu!

Contra

– CONTRA: Das, was mir beim Strandurlaub noch so gut gefallen hatte, ging mir im eisekalten New York leider ziemlich auf die Nerven: Das gesamte System sitzt an meinem Körper, und zwar unter 150 Lagen Winterklamotten! Um mal eben kurz meinen Glukosewert abzulesen, musste ich also erst einmal wühlen. Ebenso bei jedem der vielen Alarme. Schade, dass es (noch) keine Konnektivität zum Smartphone oder zur Smartwatch gibt.

– CONTRA: Nächtliche Alarme: Meine Highlights dieser New-York-Reise waren ehrlich gesagt oft kulinarischer Natur. Pizza, Eiscreme, Burger, Pastrami-Sandwiches, Hot Dogs, Dumplings und natürlich Cupcakes! All das war tagsüber kein Problem. Doch nachts kamen die Ungenauigkeiten und Unwägbarkeiten beim Bolus-Schätzen zum Tragen und die MiniMed 670G schaffte es leider nicht, diese auszugleichen. Durch meinen DIY Loop bin ich hier sehr verwöhnt: Egal wie sehr ich beim Bolus danebenliege, im Laufe der Nacht regelt der DIY Loop das über eine Korrektur nach unten oder oben von alleine. Da kann die MiniMed 670G leider nicht mithalten und sorgte daher durch die vielen Alarme für schlaflose Nächte.

Quelle: Stephanie Haack

Mein Fazit zum Reisen mit der Medtronic MiniMed 670G

Insgesamt war die MiniMed 670G ein guter Reisebegleiter. Ich konnte die meiste Zeit im Automodus und damit auch einen großen Teil im Zielbereich verbringen.

Dennoch bleibt mein Gesamteindruck: Das System verlangt mir zu viel Geduld und Arbeit ab. Belohnt wird das zwar mit guten Ergebnissen, aber einem Minus an Lebensqualität. Das ist auch im Urlaub nicht anders.

Allerdings kommt es dann doch extrem auf die Art der Reise an. Mich hat es überrascht, dass ich so unterschiedliche Erlebnisse mit der Pumpe hatte: In Ägypten fand ich es toll, das System komplett am Körper zu tragen. In New York empfand ich das als extrem umständlich.

Ein kleiner Tipp: Ich hatte auf beiden Reisen Probleme mit Sensoren, die nicht funktionieren wollten und vorzeitig ausgefallen sind. Daher lohnt es sich definitiv, (wie immer) auf Reisen einen kleinen Vorrat dabeizuhaben. Damit bin ich auf der sicheren Seite.

Wie immer gilt: Die Erfahrungswerte mit Systemen wie der MiniMed 670G sind extrem subjektiv. Darum interessieren mich eure Einschätzungen umso mehr! Wie gefällt euch das System? Seid ihr damit schon auf Reisen gewesen und was für Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich auf eure Meinungen!

Quelle: Stephanie Haack

Mehr über Steffi könnt ihr übrigens in Lisas Interview mit ihr erfahren: „Macht eure Träume wahr“ – Interview mit Autorin und Designerin Steffi

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