Jubeln – aber keinen vergessen

2 Minuten

© Christian Mentzel
Jubeln – aber keinen vergessen

Innovative technische und digitale Lösungen revolutionieren immer intensiver unseren Alltag – gerade auch im Bereich des das Diabetesmanagements. Doch bei allem Enthusiasmus: Was ist mit denen, die diese Entwicklungen nicht mitmachen wollen oder können? Darüber hat sich Jana Einser Gedanken gemacht…

Wenn es eine neue Technologie gibt, die uns Typ-1-Diabetikern das Leben erleichtert, gehöre ich zu den Ersten, die jubeln! Und ich hatte schon häufiger Grund zum Jubeln in den fast 50 Jahren. Neulich aber war ich Zuhörer in Veranstaltungen, die sich mit Diabetestechnologien befassten. Dorthin waren Diabetiker und Diabetesexperten gekommen, die wie ich von diesem Thema begeistert sind.

Deutlich wurde in den Vorträgen und Diskussionen dabei aber auch: Es ist jeweils nur ein kleiner Teil, der sich so intensiv um solche Dinge kümmert. Das bringt mich zum Nachdenken …

Manche wollen, manche können nicht jede Entwicklung mitmachen

Vergessen wir über unserer Begeisterung die anderen, die warum auch immer nicht so Begeisterten? Es gibt viele Gründe, warum jemand mit Typ-1-Diabetes einfach seine Therapie ohne viel Schnickschnack durchführen will oder muss. Da sind diejenigen, die den Diabetes seit Jahrzehnten haben, nun auch reich an Lebensjahren, und einfach mit den neuen Technologien nicht zurechtkommen.

Da sind diejenigen, die nicht durch die am Körper zu tragende Technik dauernd an den Diabetes erinnert werden wollen oder die es stört, immer einen Fremdkörper bei sich haben zu müssen. Es gibt auch diejenigen, die gern genauso jubeln würden, aber wegen Seheinschränkungen die neuen Technologien mitunter gar nicht anwenden können.

Hängen wir mit unserem Fokus auf die technologischen Fortschritte Menschen ab – wie das auch oft im Alltag geschieht? Vieles gibt es heute nur noch im Internet, aber nicht jeder hat Zugang dazu oder kann damit umgehen. Geräte aus dem häuslichen Umfeld sind manchmal so kompliziert, dass mancher sie nicht mehr bedienen kann. Und das gilt eben auch für medizinische Geräte.

Damit niemand auf der Strecke bleibt: Ein Umdenken ist zu erkennen

Zum Glück ist hier inzwischen bei einigen ein Umdenken zu beobachten. Vielen wird zum Beispiel klar, dass auch Typ-1-Diabetiker heute ziemlich alt werden – und auch dann mit ihren Problemen nicht alleingelassen werden wollen. Expertengruppen greifen das Thema auf, Medizinproduktehersteller bemühen sich, Geräte für verschiedene Zielgruppen zu entwickeln und anzubieten.

Das finde ich gut, denn wir dürfen in unserer Begeisterung nicht die vielen vergessen, die auch gut versorgt werden wollen – im Rahmen dessen, was sie können und was sie wollen.


Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (3) Seite 78

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Apotheken-Reform 2026: Patienten-Verbände fordern, Qualität, Erreichbarkeit und Teilhabe zu sichern

Die Apotheken‑Reform 2026 stellt zentrale Weichen für die Versorgung von Menschen mit Diabetes. Patienten‑Verbände der Diabetes-Selbsthilfe betonen, dass Qualität, Erreichbarkeit und Teilhabe gesichert bleiben müssen – in Stadt und Land, analog wie digital.
Apotheken-Reform 2026: Patienten-Verbände fordern, Qualität, Erreichbarkeit und Teilhabe zu sichern | Foto: Kzenon – stock.adobe.com

4 Minuten

Familien zum Testen gesucht: Schülerinnen entwickeln spielerische Hüllen für Blutzucker-Messgeräte

Zwei Schülerinnen haben Hüllen für Blutzuckermessgeräte entwickelt, die Kinder beim Messen spielerisch ablenken sollen. Für ihr Jugend‑forscht‑Projekt suchen sie nun Familien, die die Idee im Alltag testen und Fragebögen ausfüllen. Die Teilnahme ist unkompliziert und noch bis zum 30. März möglich.
Familien zum Testen gesucht: Schülerinnen entwickeln spielerische Hüllen für Blutzucker-Messgeräte | Foto: privat

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 18 Stunden, 18 Minuten

    Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
    (Wen es interessiert Band 2.3)

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 4 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

Verbände