- Technik
Wann ist eine AID-Pause sinnvoll – wann nicht?
3 Minuten
Ein ein System zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) kann im Alltag sehr hilfreich sein. Doch viele Nutzerinnen und Nutzer kennen wahrscheinlich auch das Gefühl, dass Insulinpumpe und Glukose-Sensor manchmal nerven. Kann dann eine Technik-Pause helfen?
Die moderne Diabetes-Behandlung hat mit Insulinpumpen, insbesondere solchen als System zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID), einen Meilenstein erreicht. Diese Technologie, die Insulinpumpen mit Systemen zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) kombiniert, kann das Diabetes-Management erheblich erleichtern und verbessern. Dennoch spüren einige Menschen mit Diabetes den Wunsch, gelegentlich eine Pause von dieser Technologie einzulegen. Doch wann ist eine solche Pause sinnvoll – und wann ist sie eher nicht ratsam?
Manchmal kann eine Pause sinnvoll sein
Solche Situationen, in denen eine Pause sinnvoll sein kann oder auch einfach nur gewünscht ist von den jeweiligen Patientinnen und Patienten, können die Hautpflege sein, eine psychische Entlastung oder technische Probleme. Wichtig ist jedoch, die Entscheidung gut zu überdenken und eine Pause nur in geeigneten und stabilen Phasen des Diabetes-Managements einzulegen.
Ein AID-System verbindet eine Insulinpumpe mit einem CGM-Sensor. Ein Algorithmus analysiert die Daten und passt die Insulin-Abgabe automatisch an, um Glukose-Schwankungen zu minimieren. Vorteile der Technologie sind unter anderem weniger Unter- und Überzuckerungen (Hypo- und Hyperglykämien). Zudem ist es eine Erleichterung des Alltags für Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Besonders hervorzuheben ist der stabilere Verlauf der Glukosewerte. Die Patientinnen und Patienten müssen deutlich seltener manuell eingreifen. Trotz dieser Vorteile entscheiden sich einige gelegentlich für eine Pause vom AID-System, zum Beispiel aus den oben genannten Gründen.
Die Nutzung eines AID-Systems erfordert Vertrauen in die Technik und die Bereitschaft, eng mit ihr zu leben. Manche Menschen empfinden die ständige Verbindung zur Technik als belastend. Das Gefühl, „verkabelt“ zu sein, oder der Druck, sich kontinuierlich mit den Daten auseinanderzusetzen, kann auf Dauer psychisch anstrengend sein. Eine Pause kann hier helfen, einen freien Kopf zu bekommen und gegebenenfalls die Eigenverantwortung im Diabetes-Management neu zu erleben. Einige Menschen empfinden es als befreiend, vorübergehend nicht von einer technischen Unterstützung abhängig zu sein.
AID-Pause: darauf ist zu achten
- Eine Pause von einem AID-System kann sinnvoll oder gewünscht sein z. B. zur Hautpflege, zur psychischen Entlastung oder bei technischen Problemen.
- Eine Pause sollte man möglichst nur in geeigneten und stabilen Phasen des Diabetes-Managements einlegen und nur mit guter Vorbereitung der alternativen Insulin-Therapie.
- Eine Pause ist nicht sinnvoll, wenn die Glukosewerte schwer zu kontrollieren sind oder viele Schwankungen auftreten.
Ein langfristiges Tragen von Insulinpumpen und Sensoren kann bei einigen Patientinnen und Patienten die Haut reizen. Druckstellen, Rötungen oder allergische Reaktionen auf Pflaster und Klebe-Materialien sind keine Seltenheit. Bei Bedarf kann eine Pause der Haut Zeit geben, sich zu regenerieren und Irritationen abklingen zu lassen.
Auch modernste Technik ist nicht fehlerfrei. Defekte Sensoren, Pumpen-Ausfälle oder Verbindungs-Probleme können frustrierend sein. Während einer Reparatur-Phase kann es sinnvoll sein, vorübergehend auf eine alternative Insulin-Therapie umzusteigen. Patienten können in dieser Situation die Therapie mit Insulinpen und/oder Messen des Blutzuckers auffrischen und alternative Methoden ausprobieren, was langfristig mehr Sicherheit geben kann.
In bestimmten Situationen, wie bei Reisen, Sport oder besonderen Anlässen, empfinden einige Menschen die Insulinpumpe als störend. Insbesondere bei Schwimmen, intensiv betriebenen Sportarten oder Feiern entscheiden sich manche Menschen mit einem AID-System bewusst für eine vorübergehende Rückkehr zur Pen-Therapie oder auch die Umstellung in den manuellen Modus der Pumpe.
Eine Pause ist nicht immer sinnvoll
In manchen Situationen ist eine Pause jedoch nicht sinnvoll. Wenn die Glukosewerte schwer zu kontrollieren sind oder viele Schwankungen auftreten, ist eine Pause vom AID-System nicht ratsam. Das Risiko für Hypo- und Hyperglykämien steigt ohne die automatisierte Unterstützung. Stress oder andere Belastungen beeinflussen den Glukoseverlauf oft stark. In solchen Zeiten ist die kontinuierliche Unterstützung durch ein AID-System besonders hilfreich. Eine Pause würde in diesen Fällen zusätzlichen Aufwand, eine erhöhte Belastung und ein erhöhtes Risiko bedeuten.
AID-Pause planen
Ein AID-System zu pausieren, erfordert Planung. Menschen, die nicht sicher im Umgang mit alternativen Therapien wie Insulinpens sind oder keine klare Strategie für die Insulin-Dosierung haben, sollten nur gut vorbereitet eine Pause machen. Eine Pause bedeutet mehr Eigenverantwortung und häufigere Glukose-Kontrollen. In jedem Fall sollte dieser Schritt mit dem Diabetes-Team abgesprochen und besprochen werden, um Risiken zu minimieren. Die alternative Insulin-Therapie muss sicher durchgeführt werden können.
Vor der Pause sollten Patientinnen und Patienten wissen, wie sie eine intensivierte Insulin-Therapie (ICT) durchführen. Im Fall einer manuellen Insulinpumpen-Therapie sollten eine aktuelle Basalrate sowie die aktuellen Parameter für Mahlzeiten- und Korrekturboli hinterlegt sein. Natürlich erfordert eine Pen-Therapie wieder eine engmaschigere Kontrolle der Glukosewerte. Eine Pause sollte nicht zu lange dauern, um mögliche negative Effekte so gering wie möglich zu halten.
In enger Absprache mit dem Diabetes-Team und durch sorgfältige Vorbereitung kann eine Pause in dem ein oder anderen Fall eine wertvolle Erfahrung sein – und manchmal sogar neue Perspektiven für den Umgang mit dem Diabetes eröffnen.
von Regine Werk
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (1/2) Seite 18-19
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 17 Stunden, 17 Minuten
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55 -
sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
Liebe Grüße
Sayuri
