Der DDH-M LV NRW e.V. fordert mehr Aufmerksamkeit für Senioren mit Diabetes. Während Kinder oft im Fokus stehen, fehlen spezifische Angebote für Ü60-Betroffene. Ein Umdenken ist nötig!
In der letzten Zeit bekommen wir gerade von älteren an Diabetes erkrankten Menschen immer mehr Rückmeldungen mit dem Tenor: „Wo bleiben wir Senioren? Was wird für uns getan?“ Wenn man ehrlich sein soll, ist diese Frage mehr als berechtigt. Das heißt natürlich auf keinen Fall, dass es nicht weiterhin darum gehen muss, Kinder und jüngeren Menschen das Leben mit Diabetes zu erleichtern und die bestmögliche Versorgung herauszuholen. Dabei dürfen wir aber unsere Altersgruppe Ü60 nicht vergessen.
Der Landesverband DDH-M LV NRW e.V. kämpft auch hier für bessere Lebensbedingungen. Dabei geht es vor allen Dingen auch um das Sicherstellen der ambulanten und stationären Versorgung. So haben wir eine digitale Arbeitsgruppe, die sich mit Diabetes und Pflege beschäftigt. Hieran nehmen insbesondere Vertreter aus der Politik, der Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaften und der Ärzte teil. Aber wir haben dabei wohl versäumt, unsere Aktivitäten in diesem Bereich auch dem großen Kreis der Betroffenen bekannt zu machen. Hier werden wir kurzfristig nachbessern.
Senioren brauchen mehr Aufmerksamkeit
Der DDH-M LV NRW e. V. ist auch weiterhin in vielen anderen Projekten aktiv. Das Reitercamp für an Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche von 8 bis 16 Jahren, unsere Messe Diabetika und die zahlreichen Aktionen rund um den Weltdiabetestag seien hier nur als Beispiele aufgeführt. Mir persönlich ist allerdings hierbei aufgefallen, dass wir nur ein Projekt haben, an dem auch Senioren teilnehmen können: unser DiaCUP, das Tischtennis-Turnier für alle Altersgruppen und Geschlechter.
Aber gerade ältere Menschen haben unsere Aufmerksamkeit verdient. Schließlich haben sie über viele Jahrzehnte trotz ihrer Diabetes-Erkrankung wichtige Beiträge in der Welt der Arbeit, in den Familien sowie in Vereinen und Institutionen geleistet. Sie haben noch Zeiten erlebt, in denen die Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln sehr weit hinter dem lag, wie wir es heute glücklicherweise gewohnt sind.

Wenn wir uns den Altersdurchschnitt unserer Mitglieder im Verband ansehen, müssen wir feststellen, dass mehr als 70 Prozent älter als 60 Jahre sind und uns schon über Jahrzehnte hinweg die Treue halten. Es gibt inzwischen sehr viele Kampagnen, die sich mit dem Thema Diabetes befassen. Allerdings beschäftigt sich kaum eine speziell mit den Anforderungen der älteren Generation. Hier ist meines Erachtens ein Umdenken dringend erforderlich!
Der DDH-M NRW e. V. möchte allen an Diabetes erkrankten Menschen eine Plattform bieten. Hier sind Kinder und Senioren die Personen-Gruppen, die unsere Unterstützung am meisten benötigen, weil sie kaum eine eigene Lobby haben.
Veranstaltung für Familien
Für Kinder und Jugendliche gibt oder gab es zumindest den #KidsKon, eine hervorragende Veranstaltung, die der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e. V. (BdKJ) ins Leben gerufen und organisiert hat. Ab dem kommenden Jahr wird diese Veranstaltung unter einem anderen Namen weitergeführt. Hierzu werden Besucher aus ganz Deutschland und auch aus den benachbarten europäischen Staaten erwartet.

Es würde sich sehr wohl lohnen, so etwas in ähnlicher Form auch für Senioren zu veranstalten. Hierbei könnten Senioren die Themen bestimmen und sich darüber untereinander austauschen.
Wir sollten berücksichtigen, dass wir sowohl für an Typ-1- als auch an Typ-2-Diabetes oder Diabetes-Sonderformen Erkrankte Raum bieten. Selbstverständlich sollten wir auch die Angehörigen hierbei nicht vergessen. Die Aufgabe einer Selbsthilfe-Organisation für Menschen mit Diabetes ist es, alle Betroffenen zu unterstützen, ihnen zuzuhören, neue Angebote zu schaffen und ihnen auf diese Weise auch die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie mit Recht erwarten dürfen. Der DDH-M LV NRW e. V. wird mit seinen Möglichkeiten alles versuchen, dieses in die Tat umzusetzen.
von Norbert Kuster, Vorsitzender DDH-M LV NRW e.V.
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (1/2) Seite 80