Hilfe, ich bin in eine Ketoazidose gerutscht!

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Hilfe, ich bin in eine Ketoazidose gerutscht!

Ich wache früh am Morgen auf. Mir ist übel, ich wanke langsam die Treppe zur Küche hinunter. Mein Handy habe ich in die Bademanteltasche gesteckt. Während mein Kaffee langsam aus der Maschine rinnt, schaue ich auf meinen Zuckerwert am Handy. Oh je, 391 mg/dl (21,7 mmol/l). Jetzt ist klar, woher meine Übelkeit kommt.

Quelle: Heike Marth

Ich bin zuerst etwas ratlos, aber gebe mir über die Insulinpumpe 8 E. Mir ist immer noch unheimlich übel. Heute habe ich Zeitausgleich und zudem einen Termin in der Stoffwechselambulanz. Bevor ich mich frisch mache, wechsle ich bei diesem hohen Zuckerwert vorsichtshalber meinen Katheter. Nach einer halben Stunde schaue ich wieder auf meinen Gewebezuckerwert. Er ist seit dem Katheterwechsel auf über 400 mg/dl (22,2 mmol/l) angestiegen, sodass mein Zuckerwert weder am Handy oder noch am Blutzuckermessgerät angezeigt wird. Zur Übelkeit gesellt sich jetzt noch eine große Müdigkeit.

Ich habe unheimliches Glück, dass auch mein Mann heute seinen freien Tag hat. Er fährt mich mit dem Auto zur Stoffwechselambulanz. In der Klinik bitte ich die Schwester, wegen meines erhöhten Zuckerwerts zu schauen. Dort ist man erstmal leicht abwehrend. Ich beharre aber dringend darauf. Ich bin so müde und mir ist immer noch extrem übel. Die Blutuntersuchung ergibt, dass mein Blut „sauer“ ist – ich habe eine Ketoazidose.

Ketoazidose – was ist das?

Eine diabetische Ketoazidose tritt meist auf bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l), wenn ein absoluter Insulinmangel die Ursache ist. Wegen des Energiemangels in den Zellen fängt der Körper an, Fette abzubauen, um Energie zu gewinnen. Dabei entstehen Ketone, sodass es zu einer hohen Konzentration von Ketonkörpern im Blut (Ketonämie) kommt, die über den Urin ausgeschieden werden und so im Urin nachweisbar sind (Ketonurie). Die Ketonbildung führt zu einer Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose). (https://www.diabetes-online.de/a/schwerpunkt-ketoazidose-wie-eine-ketoazidose-entsteht-1992842)

Und bei mir?

Das Labor stellt einen Blutzuckerwert von 476 mg/dl (26,4 mmol/l) fest. Immer noch viel zu hoch. Mir werden sofort zwei Zugänge gelegt. Bei meinen schwer zugänglichen Venen eine besondere Herausforderung!  Auf der einen Seite wird mir nun Insulin über die Vene zugeführt. Auf der anderen Seite bekomme ich eine physiologische Kochsalzlösung. Meine Pumpe schalte ich aus.

Quelle: Heike Marth

Wie kam es zu dieser Ketoazidose?

Diese Frage ist für mich bis heute nicht hundertprozentig beantwortet. Meine Insulinpumpe wurde getestet und schien zu funktionieren. Ich selbst habe die Vermutung, dass die Überzuckerung von den (zu vielen) Nudeln zum Abendessen, die ich zu wenig abgespritzt habe, entstand. Leider wurde da nicht weiter nachgeforscht.

Beim Gespräch mit der Diabetologin wird mir empfohlen, doch immer Ketonteststreifen zu Hause aufzubewahren. Bei einem einfach positiven Ketonwert bei einem Teststreifentest sollte ich bereits aufmerksam werden. Ab einem zweifach positiven Ketonwert dann eine Person benachrichtigen, die mich überwacht, dass ich nicht einschlafe. Aber wie mit Insulin der Ketoazidose gegensteuern?

Anstelle der Pumpe zunächst einmal einen Bolus mit dem Insulinpen oder einer Spritze geben. Dafür eine frische Ampulle verwenden. Denn Insulin aus alten Patronen könnte nicht mehr wirken. Mein großer Fehler für die Blutzuckerentgleisung war, dass ich am Morgen mit der Pumpe korrigieren wollte. Und da wirkte das Insulin nicht mehr. Das nächste Mal nehme ich den Pen mit einer frischen Kanüle!

Im Anschluss an meine Entgleisung blieb ich dann mit zwei Infusionskanülen noch bis zum nächste Morgen in der Klinik. Mein Blutzucker am Morgen – wieder vollkommen in Ordnung.

Hattet ihr auch schon solche schrägen Erlebnisse mit zu hohen Blutzuckerwerten? Ich bin gespannt auf eure Berichte!

Eine gute Zusammenfassung, wie bei einer Ketoazidose vorzugehen ist, findet ihr auch beim Bericht von Carolin. Ich nutzte zusätzlich die freie Zeit in der Klinik, um mein Diabetes-Wissen mit den Spectrum-Schulungen von Ulrike Thurm wieder etwas aufzufrischen. Ich kann diese kurzen Online-Schulungen – auch zum Thema Stoffwechselentgleisungen – sehr empfehlen!


Heike ist nicht die Erste, die eine Ketoazidose erfahren musste. Hier findet Ihr den Bericht von Carolin, die kleine Tipps für den Umgang mit einer Ketoazidose entwickelt hat und diese mit uns teilt.

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  • bloodychaos postete ein Update vor 6 Tagen, 4 Stunden

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

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