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DMP Adipositas: Wie gelingt die Behandlung von Übergewicht als Regelleistung?
2 Minuten
Keine andere chronische Erkrankung, die so weit verbreitet ist, ist dermaßen unterversorgt wie schweres Übergewicht (Fachbegriff: Adipositas), beklagen die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Hoffnung, dass sich das mit einem neuen strukturierten Behandlungsprogramm für Adipositas (Disease-Management-Programm; kurz: DMP Adipositas) ändern wird, ist groß. Doch es gibt auch noch viele Bedenken.
Eigentlich war geplant, dass der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas bereits im Oktober 2023 beraten und verabschiedet wird. Das wurde nun aber auf Mitte November verschoben. Wobei bis dato (Mitte Oktober) unklar war, ob überhaupt alle Menschen mit Adipositas – hierzulande ca. 16 Millionen – Zugang zum neuen Programm erhalten oder zunächst nur Menschen teilnehmen dürfen, bei denen zusätzlich Begleit- oder Folgeerkrankungen vorliegen.
DDG und DAG befürchteten: Wenn Betroffene bereits Folgeschäden vorweisen müssen, um am DMP Adipositas teilnehmen zu dürfen, wird die zentrale Zielsetzung, Folgeschäden zu vermeiden, unmöglich.
Außerdem ist zu beachten: Auch nach Inkrafttreten eines solchen Beschlusses dauert es mindestens ein Jahr, bis Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen(-verbänden) auf regionaler Ebene DMP-Verträge abschließen. Erst dann ist eine Umsetzung in den Praxen möglich.
Das DMP Adipositas soll defizitäre Versorgungslage beim Übergewicht grundlegend verbessern
Beispiel DMP Osteoporose: Das gibt es nur in Schleswig-Holstein, seit Oktober 2023 können Patientinnen und Patienten darin betreut werden. Der G-BA hatte seinen DMP-Beschluss im Januar 2020 veröffentlicht.
„Es bleibt zu hoffen, dass das DMP Adipositas nicht dasselbe Schicksal ereilt“, notieren Prof. Dr. Jens Aberle, Prof. Dr. Matthias Blüher und Oliver Huizinga für die die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) in einem Beitrag im „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2024“.
Übergewicht und Adipositas
In Deutschland sind laut DAG 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig (Body-Mass-Index; BMI I ≥ 25 kg/m2). Ein Viertel der Erwachsenen ist stark übergewichtig (BMI ≥ 30 kg/m2). Übergewicht und Adipositas sind laut WHO die Ursachen für 13 Prozent der Todesfälle in Europa und die wichtigsten Ursachen für durch Krankheit eingeschränkte Lebensjahre. Dabei ist die Adipositas-Epidemie durch geeignete Gegenmaßnahmen umkehrbar, so die Weltgesundheitsorganisation.
Sie unterstreichen: Die Einführung eines DMP Adipositas „stellt zweifelsohne einen Paradigmenwechsel dar“, denn das ist der Einstieg in die Regelversorgung. Erstmals könnten einige Versicherte prinzipiell Anspruch auf ein niedrigschwelliges Behandlungsangebot in Form von Patientenschulungen erhalten. Mit dem gesetzlichen Auftrag für das DMP Adipositas habe der Bundestag 2021 den Weg geebnet, die defizitäre Versorgungslage grundlegend zu verbessern.
Effektivität des strukturierten Behandlungsprogramms hängt von Therapieoptionen ab
Die drei Autoren betonen aber auch: Die Effektivität eines DMP Adipositas hängt erheblich von den Therapieoptionen ab und damit von rechtlichen Rahmenbedingungen sowie vom Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Erst wenn die leistungsrechtlichen Limitationen überwunden seien, könne eine leitliniengerechte, evidenzbasierte und bedarfsorientierte Versorgung für Menschen mit Adipositas im Rahmen eines DMP sichergestellt werden. Eine Versorgung, die zwar Patientenschulungen und Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) beinhalten könne, aber keine multiprofessionelle, leitliniengerechte Therapie abbilde, sei nur ein „DMP light“.
Das DMP Adipositas sollte für den Gesetzgeber und den G-BA Anlass sein, den Zugang zu evidenzbasierten Behandlungsmethoden der Adipositas grundlegend neu zu regeln und das DMP im nächsten Schritt zu erweitern bzw. zu überarbeiten, meinen die DDG- und DAG-Experten. Die Fachgesellschaften werden sich daher „weiterhin gemeinsam dafür starkmachen, perspektivisch eine leitliniengerechte Versorgung der Menschen mit Adipositas in Deutschland zu etablieren“.
von Michael Reischmann
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moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 3 Tagen, 5 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 3 Tagen, 4 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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