Kampf gegen Fettleber: neuer potenzieller Therapieansatz entdeckt

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Kampf gegen Fettleber: neuer potenzieller Therapieansatz entdeckt
Foto: Mongkolchon – stock.adobe.com
Kampf gegen Fettleber: neuer potenzieller Therapieansatz entdeckt

Ein Forschungsteam hat einen molekularen Mechanismus entdeckt, der ein potenzieller Therapieansatz für die Fettleber-Erkrankung sein könnte.

Ein deutsches Forscherteam unter der Leitung von Wissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) hat einen potenziellen neuen Ansatz im Kampf gegen die Fettleber-Erkrankung entdeckt. In ihrer kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Cardiovascular Research veröffentlichten Studie berichten die Forschenden, dass eine bestimmte gesättigte Fettsäure, Palmitinsäure, in Blutgefäßen die Produktion des Signalmoleküls SEMA3A anregt. Dieses Molekül schließt spezielle Poren in den Blutgefäßen, wodurch der Fetttransport zum Fettgewebe behindert wird und sich Fett in der Leber ansammelt.

Aufnahme eines kleinen Blutgefäßes der Leber mit den Poren (kleine, dunkelgraue Punkte).
Quelle: HHU / Sydney Balkenhol

Auch in einem Tiermodell mit Mäusen, die eine Fettleber sowie Typ-2-Diabetes aufweisen, waren diese 50 bis 300 Nanometer großen Poren in den kleinsten Blutgefäßen der Leber verschlossen, erklärt Sydney Balkenhol, Erstautorin der Studie vom Institut für Stoffwechselphysiologie an der HHU. Sie und das Team fanden heraus, dass die Hemmung des Signalmoleküls die Poren wieder öffnen und die Fettansammlung in der Leber verringern kann. Dr. Daniel Eberhard ergänzt: „Indem wir das Signalmolekül hemmten, konnten wir die Leber entfetten und so ihre Funktion wieder verbessern.“

Nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankung: weltweit rund ein Drittel der Menschen betroffen

Diese Entdeckung sei besonders bedeutsam angesichts der Tatsache, dass weltweit etwa ein Drittel der Menschen von der Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen („Metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatotische Lebererkrankung“, engl.: „metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease“, kurz: MASLD) betroffen sind. Diese Krankheit kann aufgrund ungesunder Lebensweise mit energiereicher Nahrung und wenig Bewegung entstehen und zunächst symptomlos bleiben. Langfristig jedoch kann sie zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie Leberzirrhose, Leberversagen oder sogar Leberkrebs führen.

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Es gibt keine langfristig funktionierende Ersatztherapie für die Leberfunktion, was die Betroffenen in eine schwierige Lage bringt. In vielen Fällen bleibt nur die Lebertransplantation als letzte Rettung. Darüber hinaus haben Menschen mit MASLD ein erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Interessanterweise sind nicht nur übergewichtige Menschen betroffen, sondern auch schlanke Menschen können an MASLD erkranken.

Entdeckung der Forschenden: potenzieller Therapieansatz für die Fettleber-Erkrankung?

Die molekularen Mechanismen, die zur Entwicklung von MASLD führen, sind noch nicht vollständig verstanden. Das Forschungsteam der HHU, des DDZ, des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) und des Forschungszentrums Jülich (FZJ) hat jedoch einen wichtigen Mechanismus identifiziert. Die Poren in den Blutgefäßzellen, die den Stoffaustausch zwischen Leberzellen und Blut ermöglichen, spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese verschließen sich durch das Signalmolekül SEMA3A, das der Organismus unter dem Einfluss von Palmitinsäure vermehrt produziert.

Prof. Dr. Eckhard Lammert, Korrespondenzautor der Studie und Leiter des Instituts für Stoffwechsel­physiologie an der HHU, sieht in der Entdeckung großes Potenzial für die Entwicklung neuer Therapien: „Möglicherweise kann das von uns identifizierte Signalmolekül SEMA3A genutzt werden, um die MASLD und ihre Folgen frühzeitig zu verhindern. Doch müssen wir zunächst die Prozesse auch beim Menschen näher untersuchen.“



Redaktion Diabetes-Anker

mit Materialien der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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  • uho1 postete ein Update vor 16 Stunden, 4 Minuten

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

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