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Medizinische Versorgung nach Erdbeben in der Türkei bleibt schwierig
3 Minuten
Am 6. Februar bebt in der Südtürkei und in Nordsyrien die Erde. Das Erdbeben der Stärke 7,7 reißt die Menschen aus dem Schlaf, lässt Gebäude wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen. Wer kann, rettet sich auf die Straße. Weitere schwere Beben folgen. Mehr als 50.000 Tote sind inzwischen zu beklagen, Zehntausende wurden verletzt. Wie ist die medizinische Versorgung geregelt? Gibt es eine funktionierende Diabetesversorgung? Eine Endokrinologin und ein Hausarzt berichten über ihre Erfahrungen vor Ort in der Türkei.
„Man kann sich das alles kaum vorstellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat”, so Kadriye Aydinkoc-Tuzcu aus Wien, Internistin und Endokrinologin sowie Mitglied der AG Diabetes und Migranten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Durch das Erdbeben hat sie selbst vier Angehörige verloren. Um bei deren Bergung zu helfen, aber auch die Menschen vor Ort ärztlich zu unterstützen, fuhr sie im Februar in die Provinz Osmaniye. Mehrere Tage blieb sie in der türkischen Erdbebenregion, übernachtete bei Minusgraden in einem Auto. „Anfangs gab es Schneestürme, Glatteis, Autounfälle und Staus durch Personen, die in die Erdbebengebiete fuhren, da sie ihre Angehörigen nicht erreichen konnten. Jeder wollte in diese Richtung.“
Am Tag des Bebens seien schon die ersten Bergungsfahrzeuge angerückt. Doch erst am nächsten Tag lief die Hilfe richtig an. Mittlerweile seien in den zerstörten Städten vielerorts Zeltapotheken und zum Teil internationale Militärkrankenhäuser aufgebaut sowie mobile Kliniken eingerichtet worden. In den Apotheken gebe es sehr viele der benötigten Medikamente, die unbürokratisch an die Menschen ausgegeben würden. „Das ist gut organisiert, aber sehr lokal zu sehen, denn es funktioniert natürlich nicht überall“, betont sie. Medizinisch liege der Fokus weiter darauf, die Verschütteten sowie Traumapatienten zu versorgen. Die Koordination der Notfallmedikation vor Ort, auch die Insulinversorgung, ist Sache der türkischen Kastatrophenschutzbehörde AFAD und des Roten Halbmonds.
Nach Erdbeben in der Türkei: medizinische Betreuung von Menschen mit Diabetes bleibt schwer
Die Diabetesversorgung war besonders in den ersten Tagen und Wochen schwierig, vor allem beim Typ-1-Diabetes. „Ich weiß aus Gesprächen, dass Angehörige ziemlich verzweifelt waren und eine Frau fragte: ‚Meine Mutter ist insulinpflichtig, wo bekommen wir das Insulin her?‘“ Für die Menschen sei der Alltag schwer. Nahezu 90 Prozent der Städte gebe es nicht mehr, sagt sie. „Es sind nicht nur ein, zwei Häuser – ganze Blöcke sind wie Dominosteine zusammengefallen.“ Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind in andere Großstädte und Regionen ausgewandert. Wer nicht weg kann, schläft in einem der Zeltlager. Containerdörfer befinden sich momentan im Aufbau. Viele Betroffene leben immer noch auf der Straße. „Das Haus meiner Tante ist vollkommen zerstört“, berichtet sie. Ihr Cousin sei seit vier Wochen in einem Zelt des türkischen Militärs untergebracht.
Dr. Michael Brinkmann, Hausarzt in Niederkassel bei Bonn, hat über seinen Aufenthalt in der Türkei in einem Interview für die Medical Tribune (eine Zeitung für Ärztinnen und Ärzte, die wie der Diabetes-Anker von der MedTriX Group publiziert wird) berichtet. Er war von Mitte bis Ende Februar mit einem Team der Hilfsorganisation Humedica zirka 100 Kilometer nördlich von Gaziantep, Südostanatolien, für die Nachbetreuung von Verletzten und unmittelbaren Erdbebenopfern zuständig. „Die Grundangst der betroffenen Menschen ist natürlich unglaublich groß. Bei jeder Erschütterung erleben sie ihre ursprüngliche Traumatisierung wieder ganz frisch.“
Unterstützung für Menschen, die Insulin benötigen und große Hilfsbereitschaft
Aufgrund der Kälte und fehlender Heizungen gab es viele Infektionen und zahlreiche Kinder mit Lungenentzündung oder Bronchitis. Parallel dazu suchten Menschen nach Hilfe, die infizierte Wunden hatten, schwere Erkrankungen oder die eine allgemeine Primärversorgung benötigten. „In Erinnerung geblieben ist mir ein älterer Herr, der kein Insulin mehr hatte und einen Blutzuckerwert von über 500 mg/dl. Den Diabetes mussten wir erst einmal einstellen. Der Mann hatte sich in seiner Not in der Kälte vor einen Holzofen gestellt. Aber wegen der Neuropathie in den Beinen spürte er nicht, dass er sich Verbrennungen am Unterschenkel zugezogen hatte. Die mussten wir auch versorgen.“
Apothekerhilfsorganisationen unterstützen vor Ort
Mehrere weltweit tätige Apothekerhilfswerke sind für die Menschen im Erdbebengebiet in der Türkei und in Syrien im Einsatz. Diese Hilfsorganisationen der Apothekerinnen und Apotheker rufen seit Februar zu Spenden auf, um in den Erdbebengebieten schnelle pharmazeutische Nothilfe leisten zu können. Lokale Partnerorganisationen könnten die Erdbebenopfer bereits teilweise mit Lebens-, Verband- oder Arzneimitteln versorgen, berichtet der Apothekerverband ABDA. Parallel dazu werden in Deutschland Materialien und Geräte organisiert, um sie in die betroffenen Gebiete zu schicken. Spenden nehmen z. B. „Apotheker ohne Grenzen Deutschland” und „Apotheker helfen” entgegen. Mehr unter www.abda.de.
Aydinkoc-Tuzcu sieht Hoffnung: „Ich habe noch nie so eine Hilfsbereitschaft erlebt. Egal, welcher Herkunft, Religion, Ethnie man angehört: Alle helfen zusammen – ob Türke, Kurde, Alevit, Assyrer, Araber. Das hat mich so berührt – mitten in der Katastrophe.“
von Angela Monecke
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 5 Tagen, 6 Stunden
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann? -
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 2 Wochen
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 2 Wochen
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 5 Tagen, 21 Stunden
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”
Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….