Neuer DDG-Präsident: Prof. Dr. Andreas Fritsche fordert „Investition in Menschen und Menschlichkeit“

3 Minuten

Führungswechsel: Prof. Fritsche folgt auf Prof. Neu als DDG-Präsident
Prof. Dr. Andreas Fritsche (links) zusammen mit seinem Vorgänger Prof. Dr. Andreas Neu.
Foto: DDG/Dirk Michael Deckbar
Neuer DDG-Präsident: Prof. Dr. Andreas Fritsche fordert „Investition in Menschen und Menschlichkeit“

Prof. Dr. Andreas Fritsche aus Tübingen ist neuer Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Auf dem Diabetes Kongress 2023 hat ihm sein Vorgänger, Prof. Dr. Andreas Neu, die Amtskette überreicht.

Professor Dr. med. Andreas Fritsche ist ab sofort für die nächsten zwei Jahre Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Der Diabetologe ist Leiter der Diabetes-Therapiestation und Diabetes-Ambulanz an der Universität Tübingen. Prof. Fritsche folgt auf Professor Dr. Andreas Neu, ebenfalls Universität Tübingen, der nun das Amt des Past-Präsidenten innehat. Der offizielle Führungswechsel in Form einer feierlichen Übergabe der Amtskette erfolgte auf dem diesjährigen Diabetes Kongress, der Jahrestagung der DDG.

Das sind die Ziele von Prof. Fritsche für seine zweijährige Amtszeit

In seiner Amtszeit möchte Prof. Fritsche das Augenmerk besonders auf die aktuelle Krankenhausreform sowie die damit einhergehenden Herausforderungen in der Diabetologie legen. „Die Krankenhaus­struktur­reform wird uns in den kommenden Jahren begleiten und hoffentlich zu nachhaltigen positiven Veränderungen führen, die zwingend nötig sind“, so der neue DDG-Präsident.

„Da Diabetes mit etwa acht Millionen Betroffenen – Tendenz steigend – in Deutschland eine Volkskrankheit ist, muss dies in den politischen Entscheidungen gut abgebildet werden.“ Wichtig wäre deshalb, eine qualifizierte, zertifizierte und stufengerechte Diabetesbehandlung auf allen Versorgungsebenen zu etablieren. Dafür sollten Einrichtungen adäquate finanzielle Anreize erhalten. Das seien Ziele, die die DDG in den kommenden zwei Jahren auf ihrer Agenda haben wird.

Besonders wichtig ist Prof. Fritsche zudem, dass vulnerable Gruppen – also Kinder und ältere Menschen mit einem Diabetes und oft weiteren Erkrankungen – kostendeckend eine besondere Pflege und zeitintensive ärztliche Betreuung erhalten. Voraussetzung dafür sei auch, Vorurteile gegenüber der Stoffwechselerkrankung sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik abzubauen, so der Diabetologe.

„Nicht nur in der Öffentlichkeit herrscht oft ein stereotypes, diskriminierendes Bild des übergewichtigen, trägen Menschen mit Typ-2-Diabetes vor. Auch in der Politik bemerken wir häufig eine Simplifizierung der Erkrankung und das Klischee des Diabetikers“, bedauert Prof. Fritsche. Es sei anzunehmen, dass dies auch ein Grund dafür sei, dass häufig falsche gesundheitspolitische Entscheidungen getroffen werden, die eine präzise Prävention und Behandlung des Diabetes verhindern.

Auch die sprechende Medizin möchte der neue DDG-Präsident fördern

Darüber hinaus sei die sprechende Medizin – also der Austausch zwischen den Behandlern und den Patientinnen und Patienten – in der Diabetologie unerlässlich, um Patientinnen und Patienten eine nachhaltige und effiziente Diabetestherapie zu gewährleisten.

Prof. Fritsche: „Insbesondere bei chronisch Erkrankten ist es für den Behandlungserfolg ausschlaggebend, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen, gemeinsam in die individuelle Lebenssituation passende und umsetzbare Therapiestrategien einzuarbeiten und diese dann in einem engen Follow-up zu überprüfen. Unsere Erfahrung ist: je enger das Arzt-Patienten-Verhältnis, desto besser der therapeutische Outcome.“

„Wir müssen sprechende Medizin honorieren und in sie genauso investieren wie beispielsweise in Gentechnik, Digitalisierung oder mRNA-Therapie. Dies wäre eine Investition in Menschen und Menschlichkeit.“ Der neue DDG-Präsident Prof. Fritsche sieht in der Krankenhausstrukturreform und den Ambitionen, das prozedurenlastige Vergütungssystem auf den Prüfstand zu stellen, eine große Chance, auch hier Verbesserungen in der Diabetesversorgung zu schaffen. Auch dies möchte er in seiner Präsidentschaft fokussieren.

Der aktuelle DDG-Vorstand

In der DDG Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag wurden neu in den Vorstand gewählt: Professorin Dr. med. Julia Szendrödi aus Heidelberg, die das Amt der Vizepräsidentin übernimmt, Professor Dr. med. Karsten Müssig aus Georgsmarienhütte als Präsident für die Herbsttagung 2025, Professor Dr. med. Jochen Seufert aus Freiburg als neuer Schatzmeister sowie Professor Dr. med. Martin Heni aus Ulm als Kongresspräsident 2025.

Professor Dr. med. Baptist Gallwitz übernimmt weiterhin das Amt des Pressesprechers, als Niedergelassene und Vertreter des BVND sind weiter Dr. med. Dorothea Reichert und Dr. Tobias Wiesner im Vorstand. Past-Präsident ist nun Professor Dr. med. Andreas Neu aus Tübingen. Dessen erfolgreiche Arbeit für die DDG, und insbesondere für die Kinder mit Diabetes, wird so kontinuierlich fortgesetzt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der DDG.


von Redaktion Diabetes-Anker

Das Redaktionsteam des Diabetes-Ankers besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten – teils mit medizinischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund sowie selbst von Diabetes betroffen – die seit vielen Jahren zum Thema Diabetes publizieren.

mit Materialien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Preisverleihung in der Diabetologie: Herausragende Leistungen gewürdigt
Jedes Jahr vergibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Preise an Menschen, die sich in besonderer Weise um das Erforschen, Behandeln oder Betreuen von Menschen mit Diabetes verdient gemacht haben. Wir stellen hier einige der Prämierten vor, deren herausragende Leistungen im Bereich der Diabetologie gewürdigt wurden.
Prof. Dr. Thomas Haak (Mitte) präsentiert gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Seufert (links) und Prof. Dr. Barbara Ludwig seine Urkunde und die Hellmut-Otto-Medaille der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Prof. Haak hält zudem die geöffnete Medaillenbox, Prof. Ludwig einen Blumenstrauß.

4 Minuten

Diabetes-Anker-Podcast: Moderne Diabetes-Medikamente im Überblick – mit Dr. Jens Kröger
Der Diabetes-Anker-Podcast geht nach der kurzen Sommerpause heute in eine neue Staffel! In deren ersten Folge spricht Stephanie Haack mit Dr. Jens Kröger über die medikamentöse Diabetes-Therapie. Der Hamburger Diabetologe und Vorstandvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gibt einen Überblick über moderne Medikamente, wie sie wirken und für wen sie geeignet sind.  
Diabetes-Anker-Podcast: Moderne Diabetes-Medikamente im Überblick – mit Dr. Jens Kröger | Foto: Dirk Deckbar / MedTriX

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 1 Tag, 20 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂