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Schwangerschaft und Diabetes: gesundes Geburtsgewicht dank frühem CGM-Einsatz
3 Minuten
Frauen mit Typ-1-Diabetes profitieren während einer Schwangerschaft im Hinblick auf die Glukose-Kontrolle von einem kontinuierlichen Glukosemonitoring (CGM). Dennoch bringen viele Betroffene Neugeborene mit einem zu hohen Geburtsgewicht von über 4 Kilogramm zur Welt. Die Chancen auf ein normales Geburtsgewicht sind am höchsten, wenn ab dem späten ersten Drittel der Schwangerschaft viel Zeit im Zielbereich verbracht und niedrige durchschnittliche CGM-Werte erreicht werden, zeigen neue Studienergebnisse.
Das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) hat das Diabetes-Management revolutioniert und ist auch bei der Betreuung schwangerer Frauen mit Typ-1-Diabetes fest etabliert. Schließlich variiert deren Insulin-Empfindlichkeit und Glukose-Toleranz im während in der Schwangerschaft angesichts der kontinuierlichen Anpassungsvorgänge des Stoffwechsels erheblich, betont Professor Dr. Eleanor Scott von der Universität Leeds.
Trotz dieser mittlerweile weitverbreiteten Technologie ist das Auftreten sogenannter Large-for-Gestational-Age-Geburten (LGA) allerdings hoch. Eine LGA-Situation liegt vor, wenn ein Neugeborenes mit einem Geburtsgewicht zur Welt kommt, das über dem von 90 Prozent aller Kinder desselben Schwangerschaftsalters liegt. Zusammen mit einem Forscherteam aus Großbritannien, Kanada und Schweden ging Prof. Scott im Rahmen einer Studie nach Auswertung umfangreicher Patientendaten daher der Frage nach, welche Glukose-Werte im Wochen- und Tagesverlauf mit einem normalen Geburtsgewicht einhergehen.
Studie mit 386 Schwangeren und insgesamt 10,5 Millionen Glukosewerten
Hierzu werteten die Forschenden die Daten von insgesamt 386 Schwangeren mit Typ-1-Diabetes aus, deren Glukose-Werte im Rahmen der Teilnahme an der internationalen CONCEPTT-Studie bzw. einer schwedischen Beobachtungsstudie mittels CGM überwacht worden waren. In allen Fällen handelte es sich um Einlingsschwangerschaften.
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Davon ausgehend, dass CGM-Systeme bis zu 288 Messungen pro Tag vornehmen, berücksichtigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr als 10,5 Millionen Glukosewerte. Sie berechneten für jede Schwangere sowie für jede einzelne Schwangerschaftswoche die durchschnittlichen Glukose-Konzentrationen, die 24-Stunden-Tagesprofile sowie den Anteil der Zeit, den die Frauen jeweils in dem für die Schwangerschaft gültigen Zielbereich (63 bis 140 mg/dl bzw. 3,5 bis 7,8 mmol/l) verbracht hatten. Anschließend verglichen sie diejenigen Frauen, die ein LGA-Neugeborenes zur Welt gebracht hatten, bezüglich der CGM-Parameter mit den Müttern normalgewichtiger Neugeborener. Insgesamt 232 Mütter (60 Prozent) brachten ein LGA-Neugeborenes zur Welt.
Fokus bei Frauen mit Diabetes in der Schwangerschaft auf die wöchentlichen CGM-Profile legen
Die Studie offenbarte zunächst eine Reihe von Gemeinsamkeiten der beiden Schwangerengruppen: Sowohl bei den Frauen mit späterer LGA-Geburt als auch bei den Frauen mit einem normalgewichtigen Kind nahm die durchschnittliche Glukose-Konzentration in den ersten zehn Schwangerschaftswochen steil ab, während gleichzeitig der Anteil der Zeit, den die Frauen im Zielbereich verbrachten, steil zunahm. Bis etwa zur 28. Schwangerschaftswoche erreichten beide Parameter anschließend ein Plateau, bevor die Glukose-Konzentration bis zur Geburt erneut abnahm, der Anteil der Zeit im Zielbereich dagegen nochmals anstieg. Erst im späten dritten Trimester erreichten die Schwangeren in beiden Gruppen den nach dem internationalen Konsens empfohlenen Anteil von mindestens 70 Prozent Zeit im Zielbereich (Time in Range; TIR).
Wichtiger scheint es daher, auf die Unterschiede zwischen den beiden Schwangerengruppen zu schauen: So waren die durchschnittlichen Glukosewerte bei Schwangeren, die normalgewichtige Kinder zur Welt brachten, insgesamt niedriger, und diese Frauen verbrachten auch generell mehr Zeit im Zielbereich (siehe Kasten).
Ab der zehnten Schwangerschaftswoche werden die Weichen gestellt
Ab einer Schwangerschaftszeit von zehn Wochen unterschieden sich die Frauen mit späterer Large for Gestational Age-Geburt (LGA) bezüglich der durchschnittlichen Glukose-Konzentration erheblich von den Frauen mit normalgewichtigen Neugeborenen (137 vs. 128 mg/dl bzw. 7,6 vs. 7,1 mmol/l). Diese Diskrepanz dauerte an bis Schwangerschaftswoche 20 und nahm in den folgenden zehn Wochen sogar weiter zu. Ähnliches beobachteten die Forschenden im Hinblick auf die generelle Stoffwechsellage: Die Mütter der LGA-Kinder verbrachten um die zehnte Schwangerschaftswoche herum nur 50 Prozent, die der normalgewichtigen Kinder dagegen 57 Prozent der Zeit im Zielbereich. Auch dieses Missverhältnis hielt bis Schwangerschaftswoche 20 an und verschärfte sich bis Woche 30. Die Schwangeren mit späterer LGA-Geburt wiesen ferner ab etwa zehn Wochen der Schwangerschaft signifikant höhere Werte bei den 24-Stunden-Glukose-Profilen auf als die Mütter der normalgewichtigen Kinder.
Ob eine Schwangere mit Typ-1-Diabetes ein Baby mit zu hohem oder mit normalem Geburtsgewicht zur Welt bringt, entscheidet sich demnach offenbar etwa ab der zehnten Schwangerschaftswoche. Angesichts ihrer Studienergebnisse hält Prof. Scott es für wichtig, den Fokus bei der Betreuung schwangerer Frauen mit Typ-1-Diabetes stärker auf die wöchentlichen CGM-Profile zu legen, um die Glukose-Kontrolle bereits im frühen Schwangerschaftsverlauf optimieren und das Risiko für LGA-Geburten verringern zu können.
von Dr. Judith Lorenz
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moira postete ein Update vor 2 Wochen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen, 5 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55-
crismo antwortete vor 2 Tagen, 12 Stunden
Hi Thomas 🙂
Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!
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thomas55 antwortete vor 2 Tagen, 11 Stunden
@crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.
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