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Generation Y
2 Minuten
Dr. Hans Langer ärgert sich in der Kolumne Zum guten Schluss über manche Nachwuchsärzte aus der Generation Y, bei denen bezüglich ihrer Fähigkeiten eine riesige Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit herrscht.
Seit ich Oberarzt in der Diabetesklinik bin, habe ich die manchmal undankbare Aufgabe, neue Kollegen einarbeiten zu müssen. Bei vielen Kollegen macht das Spaß, sie in die Schönheit des Faches Diabetologie einführen zu dürfen; bei anderen Kollegen hingegen ist mir das total lästig.
Und Letzteres traf auch auf meinen Kollegen Dr. Klaus Christian Rübenstahl zu, der vor vier Wochen in mein Arztzimmer platzte und mich mit den Worten begrüßte: “Ich bin der Klaus Christian, der Neue, und wer bist du?” Allein der Satz hat mir schon gereicht, so dass ich ihm antwortete: “Mein Name ist Dr. Hans Langer und ich bin Ihr Oberarzt.”
Generation Y: Sie möchten alles, können aber nichts
Und ähnlich wie das Entree verliefen auch die nächsten Tage. Kollege Rübenstahl wusste alles, vor allen Dingen alles besser, denn er hatte ja (seiner Meinung nach) einen breiten Erfahrungsschatz aus seiner ärztlichen Tätigkeit der ersten eineinhalb Fortbildungsjahre – und außerdem verfügt er über ein Smartphone mit jeder Menge Apps, mit denen er alles aus dem Internet fischt, was ein guter Arzt eigentlich gar nicht benötigt.
Aber so ist sie eben, die Generation Y – so nennen wir die jungen Kollegen, die eigentlich bei der Arbeit leben und ihren Spaß haben möchten. Sie möchten alles, können aber nichts … und sind zudem völlig kritikunfähig.
Liebe zum Beruf und Empathie gegenüber Patienten
Als ich mich deswegen einmal bei unserem Chefarzt beschwerte, meinte dieser nur lakonisch: “Mensch, Langer, ich muss halt nehmen, was kommt, wir haben schließlich Ärztemangel!” Das sind die Zeichen der Zeit. Nein, dachte ich mir, so sind sie eben nicht, denn es geht nicht nur darum, eine Arztstelle irgendwie zu besetzen, sondern es geht auch darum, Ärzte heranzuziehen, die nicht nur gut ausgebildet sind, sondern die auch Liebe zum Beruf und vor allem Empathie gegenüber ihren Patienten haben. Das ist umso wichtiger bei der Behandlung chronisch erkrankter Menschen.
Doch sind natürlich nicht alle neuen Ärzte typische Vertreter der Generation Y: Vor kurzer Zeit fing bei mir eine junge Kollegin an, die nicht nur durch ihre gute Ausbildung und ihr höfliches Auftreten glänzte, sondern sich auch im Umgang mit Patienten für nichts zu schade war. Wissbegierig sog sie alles auf und war nach wenigen Wochen schon eine begabte und von allen Patienten geliebte Kollegin. Sie hat keinen Sportwagen vor der Haustür, sondern kommt täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Ebenso hat sie kein Auslandssemester in den USA wie Herr Kollege Rübenstahl absolviert, sondern komplett im Ausland studiert: Die Kollegin kam aus Rumänien und lebt erst seit einem Jahr in Deutschland.
von Dr. Hans Langer

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (11) Seite 90
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