Grenzen: drüber oder drunter?

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag/Christian Mentzel
Grenzen: drüber oder drunter?

Extreme sportliche Leistungen, gefährliche Mutproben, übermäßiger Alkoholkonsum: Insbesondere jüngere Menschen neigen gerne dazu, bis an ihre Grenzen der Belastung zu gehen – häufig auch darüber hinaus. Alex Adabei findet, dass man seine eigenen Grenzen nicht nur kennen, sondern auch respektieren sollte.

An die persönlichen Grenzen gehen: Anscheinend wollen das viele, denkt man z. B. an die vielen Marathonläufer. Ich bin kürzlich unfreiwillig an meine Grenzen gekommen: Ich hatte eine schlimme Lebensmittelvergiftung und musste erkennen, dass ich nicht so schnell wieder auf die Beine kommen konnte wie erhofft. Ganz kraftlos war ich und habe schließlich eingesehen, dass ich meine körperlichen Grenzen akzeptieren muss und es nichts bringt, beweisen zu wollen, dass ich schnell wieder so leistungsfähig bin wie gewohnt.

Viele gehen über ihre eigenen Grenzen hinaus

Oft scheint es mir aber – wenn ich andere beobachte oder z. B. von sportlichen Höchstleistungen lese oder einen Film darüber sehe – ein Spiel zu sein,die eigenen Grenzen auszutesten – eine Art Wette mit sich selbst und auch mit anderen, die einem so viel vielleicht nicht zutrauen.

Ein gewisser Ehrgeiz ist gut, aber so ein Spiel kann sehr schnell ernst werden, etwa bei gefährlichen Mutproben oder auch bei Alkohol. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass manche, die z. B. wegen des Diabetes vielleicht noch ein bisschen sorgfältiger auf sich achten sollten als andere, geradezu zwanghaft beweisen möchten, dass ihre Grenzen sogar noch weiter gesteckt sind als die von Menschen ohne Diabetes.

Einfach nur zu leichtsinnig statt bewundernswert

Übermäßigen Alkoholkonsum würde ich in diese Schublade stecken und auch das Rauchen; beides tut keinem von uns gut, ist aber bei Diabetikern mit noch mehr bekannten Risiken verbunden. Und klar: So lange es gut geht, fühlt man sich unverwundbar. Schaut her, ich habe Diabetes, aber ich kann trotzdem all diese gefährlichen Dinge tun, ohne dass mir etwas passiert. Und ich kann sogar mehr vertragen als ihr, trotz des Diabetes! Ich lasse mich nicht einschränken, von nichts!

Kann sein, dass das ein Phänomen ist, das eher bei Jüngeren auftritt, die nach Bestätigung in ihrem Umfeld suchen, nach Bewunderung. So ganz jung bin ich ja nun nicht mehr, und ich war letztlich froh, dass mein Körper mir Grenzen aufgezeigt hat und dass ich irgendwann auch schlau genug war, sie zu beachten. Über Grenzen hinausgehen zu wollen und es auch zu tun – das ist nicht automatisch bewundernswert, sondern manchmal einfach nur zu leichtsinnig, um es auf Dauer zu betreiben.


von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (8) Seite 82

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Fr1da-Studie: Neue Wege in der Diagnostik des Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes erkennen, lange bevor die ersten Symptome auftreten? Die Studie „Fr1da – früh erkennen, früh gut behandeln“ ermöglicht seit 2015 die Früherkennung von Typ-1-Diabetes mit einem einfachen Bluttest. Über 240 000 Kinder sind bisher dabei. Wir fassen alles Wichtige zusammen.
Fr1da-Studie: Neue Wege in der Diagnostik des Typ-1-Diabetes | Foto: Konstantin Yuganov – stock.adobe.com

5 Minuten

Typ-1-Diabetes: Früher erkennen, später erkranken
Zwischen dem Start der Immunreaktion und der eigentlichen Diagnose liegt oft ein langer Zeitraum – und genau dieser kann heute medizinisch genutzt werden. Wie man einen Typ-1-Diabetes früher erkennen kann, um dadurch Maßnahmen einzuleiten, damit Betroffene später erkranken, erklären Dr. Felix Reschke und Dr. Ann-Kristin Frerking.
Typ-1-Diabetes: Früher erkennen, später erkranken | Foto: aleksandrbs – stock.adobe.com

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • anseaticids postete ein Update vor 1 Woche

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • othenbuehler postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände