Zu viel Diabetes – geht das?

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Community-Beitrag
Zu viel Diabetes – geht das?

Schon kurz nach meiner Diagnose im Oktober 2018 war für mich klar, dass ich mich beruflich in der Diabeteswelt sehe. Während meines Studiums der Betriebswirtschaftslehre war ich immer auf der Suche, nach „meiner Branche”. Eine Industrie, die mir Spaß macht und ein Bereich, in dem ich mich nicht nur entfalten, sondern auch weiterentwickeln und etwas bewegen kann. Während meine Studienkollegen ihre Interessen in der Automobil- oder Sportbranche fanden, stand ich ratlos vor der Auswahl von Praktikumsstellen.

Wie ihr vielleicht in meinen vergangenen Artikeln gelesen habt, war ich 2019 dann für ein Auslandspraktikum in Südkorea und konnte dort erste Einblicke in das südkoreanische Gesundheitswesen und deren Gesundheitspolitik erlangen. Kurz nach meiner Rückkehr bekam ich die Möglichkeit, bei einem Pharmaunternehmen ein weiteres Praktikum zu absolvieren, und im Anschluss auch meine Bachelorarbeit im Bereich des Diabetes-Marketings zu verfassen. Dort wurde mir schnell klar, dass ich meine Erkrankung auch beruflich dafür nutzen möchte, um etwas positives zu bewirken. 

Gemeinsam können wir von meinem Diabetes lernen

Mit meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Leben mit Diabetes und die Verbindung mit anderen Betroffenen innerhalb der Community, konnte ich wertvollen Input und Feedback zu (beispielsweise) Printmaterialien oder Kampagnenideen geben. Gemeinsam in einem tollen Team entwickelten wir Aufklärungsmaterialien und sorgten für eine authentische Kommunikation. Die Rückmeldung meiner Kolleg*innen bestätigte mir, dass nicht nur ich in der Praktikumszeit einiges neu dazugelernt habe und beide Seiten von „meinem Diabetes“ nachhaltig profitiert haben. 

Nathalie als Sprecherin auf einem Symposium beim ISPAD Kongress 2023. (Quelle: Nathalie Bauer)

Und wer kennt die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes am besten? Da wir 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche mit der Krankheit leben (müssen) und regelmäßig vor neue Herausforderungen gestellt werden, weiß wohl niemand so gut wie wir, welche (Produkt-)Verbesserungen und (Weiter-)Entwicklungen unseren Alltag vereinfachen könnten. In den letzten zwei Semestern meines Studiums hatte ich mehrfach die Möglichkeit, an (theoretischen) Produktentwicklungen mitzuarbeiten und so bestehende Diabetes-Produkte und -Dienstleistungen zu hinterfragen, neu zu denken und zu optimieren. Die Vorstellung, dass eine neue Technologie oder ein verbessertes Produkt meinen Alltag – und den vieler anderer – erleichtern könnte, treibt mich an. Diese intrinsische Motivation ist eine Kraft, die einerseits in der Branche von unschätzbarem Wert ist, aber auch mir persönlich jeden Morgen einen Grund gibt, zur Arbeit zu gehen.

Über Landesgrenzen hinweg miteinander verbunden

Nicht zuletzt habe ich durch die Arbeit in der Diabeteswelt viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, und dies über Ländergrenzen hinweg. Von den Niederlanden, über Island, den Vereinigten Staaten von Amerika bis nach Indonesien – egal, wie weit wir räumlich voneinander entfernt sind, die (Online-)Community hat einen besonderen Zusammenhalt und ist füreinander da. Nicht nur für das Management meines eigenen Diabetes hat mir der Austausch mit anderen sehr weitergeholfen. Er hat mir auch meinen Horizont erweitert und gezeigt, mit welchen Problemen Menschen in anderen Ländern leben – Stichwort: Zugang zu Insulin. Für mich war früh klar, dass ich neben meinem privaten Engagement als Diabetes-Advocate (mit Advocate werden im Englischen Personen bezeichnet, die sich für ein bestimmtes Thema engagieren und als Fürsprecher auftreten) auch beruflich für diese Themen einstehen möchte.

Keine Pause vom Diabetes – eine emotionale Herausforderung

Ein Nachteil, der oft unterschätzt wird, ist die damit einhergehende emotionale Belastung, die durch die ständige Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheit entsteht. Es ist manchmal schwierig, eine klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben zu ziehen, wenn beide Bereiche so eng miteinander verknüpft sind. Die tägliche Konfrontation mit der Krankheit auch im Beruf kann dazu führen, dass man nie wirklich eine „Pause“ von dem Diabetes bekommt. Vor allem, wenn man sich intensiver mit kritischen Themen, wie dem Zugang zu notwendigen Medikamenten oder Diabetes-Technologien auseinandersetzt. 

Durch meine (berufliche) Zusammenarbeit mit Diabetes-Advocates aus der ganzen Welt, werde ich täglich mit diesen Ungerechtigkeiten konfrontiert. Während wir uns darüber aufregen, dass die neuste Sensortechnik nicht perfekt funktioniert, gibt es so viele Menschen mit Diabetes, die nicht einmal die Möglichkeit haben, einen Sensor zu tragen. Und auch die Stigmatisierung begegnet mir nun nicht nur im privaten Umfeld. Es schmerzt zu hören, wie Kinder und Jugendliche von Bildung und Freizeitaktivitäten ausgeschlossen werden, nur aufgrund ihres Diabetes. Während ich mich auch beruflich für Veränderungen in diesem Bereich einsetzen möchte, belasten mich diese Themen weit nach Feierabend. Umso wichtiger ist es, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen und sich von der Thematik auch einmal bewusst zu „distanzieren”. Das klingt leichter, als getan, ist aber überaus wichtig, um eine gesunde Balance zu halten. 

Grenzen setzen und Selbstfürsorge – die Balance muss stimmen

Das Leben mit (Typ-1-)Diabetes und die Arbeit in der Diabetesbranche bieten eine einzigartige, tiefgehende Perspektive, die sowohl bereichernd als auch herausfordernd sein kann. Die Vorteile sind zahlreich: Die persönliche Erfahrung ermöglicht eine authentische Kommunikation, tiefe Empathie und eine starke Motivation praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Zudem bietet sich die Chance, bedeutungsvolle Kontakte zu knüpfen und insgesamt die berufliche Erfüllung auf eine Weise zu erleben, die über das Übliche hinausgehen kann. Doch diese enge Verbindung von Beruf und Krankheit bringt auch Nachteile mit sich. Die ständige Konfrontation mit der eigenen Erkrankung kann emotional belastend sein und auch der Druck, den man sich selbst macht (um alles „perfekt“ zu machen), kann zu zusätzlichem Stress führen.

Es ist nicht immer einfach darauf zu achten, dass berufliche und private Grenzen nicht verwischen. Dieser Balanceakt erfordert bewusstes Setzen von Grenzen und Selbstfürsorge. Während ich die Vorteile in den vergangenen Jahren sehr genossen habe, wurden mit der Zeit auch die Nachteile deutlich. Jetzt ist es wichtig, dass ich noch besser im Balancieren werde. Und dann, habe ich meine eigene „Superpower“ fast perfektioniert und freue mich, was die (berufliche) Zukunft noch so bringen wird. 

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  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 1 Stunde

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

  • renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?

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