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Das Diabetes-COVID-19-Register aus Österreich
4 Minuten
Ich habe einen Termin in der Stoffwechselambulanz zur Routinekontrolle meines Blutzuckers. Beim Eingang in die Klinik setze ich meine FFP2-Maske auf und fülle ein Formular aus, in dem ich meine Gesundheitsdaten angebe. Mit dem Aufzug fahre ich in die erste Etage. Vor dem Eingang warte ich vor zwei anderen Diabetikern, die ebenfalls auf ihre Stoffwechselkontrolle warten.

Da tritt eine sportliche Frau mittleren Alters und halblangen, schwarzen Haaren mit weißem Kittel auf den Gang. Ich erkenne sie sofort von früheren Therapiegesprächen. Es ist die Diabetes-Expertin Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser. Seit 2020 ist sie die neue Präsidentin der ÖDG, der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, und seit 2012 stellvertretende Leiterin der Inneren Medizin I der Klinik Innsbruck. Ich frage, ob sie Zeit für ein Gespräch hat. Leider nein, denn sie muss weiter zu einer anderen Besprechung. Ich bin etwas enttäuscht, denn ich hatte einige Fragen vorbereitet. Denn Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser arbeitet auch am österreichischen Diabetes-COVID-19-Register mit.
Ich gehe als Nächstes zur Blutabnahme, wo mein HbA1c und andere Blutwerte wie das Cholesterin bestimmt werden. Nach drei Stunden komme ich wieder zu meiner Befundbesprechung in die Klinik. Ich werde aufgerufen und gehe zum Besprechungszimmer. Was für eine Überraschung: Da sitzt die Diabetes-Expertin vor mir und erwartet mich. Ich freue mich, denn jetzt kann ich mit meinen Fragen zum Diabetes-Covid-19-Register starten. Vorab schon einmal dafür ein riesiges Dankeschön!
Was ist ein medizinisches Register?
Mir war unklar, was ein medizinisches Register ist. Ich habe im Internet nachrecherchiert und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland, vfa, beschreibt ein medizinisches Register wie folgt: „Ein medizinisches Register ist eine systematische, anonymisierte bzw. pseudonymisierte Daten-Sammlung für eine bestimmte Erkrankung. Im Rahmen von Registern werden Daten und Informationen zu Krankheitsverläufen, zur Therapie und/oder zur Diagnose aus dem Behandlungsalltag untersucht und zusammengestellt. Ziel ist die Möglichkeit der statistischen Auswertung.“ (https://www.vfa.de/de/wirtschaft-politik/abcgesundheitspolitik/register-schnell-erklaert.html)
Aber wozu braucht es ein Diabetes-COVID-19-Register?
Diese Frage beantwortete mir Frau Professor Kaser: „Das österreichische Diabetes-COVID-19-Register untersucht bei DiabetikerInnen, die aufgrund von COVID-19 einen stationären Aufenthalt in der Klinik haben, die Auswirkungen des COVID-19-Virus auf ihren Diabetes. An der Studie nehmen neun große Krankenhäuser und Universitätskliniken in sechs Bundesländern aus Österreich teil.“
Und gibt es bereits Ergebnisse?
„Aufgrund der Heterogenität von Diabetes-Erkrankungen ist es mit der aktuellen Datenlage allerdings sehr schwierig zu sagen, welche Patientin und welcher Patient ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf hat … Wir wissen, dass Menschen mit Diabetes generell ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf bei Infektionskrankheiten aufweisen. Was den aktuellen Fall der SARS-CoV-2-Infektion betrifft, fehlen aber noch viele wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem ist die Fragestellung, welche Folgeerkrankungen des Diabetes in welchem Ausmaß Einfluss auf das Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen haben, noch nicht ausreichend untersucht.“ (https://www.medmedia.at/diabetes-forum/das-oesterreichische-diabetes-covid-19-register/)

Frau Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser meinte in unserem Gespräch: „Besonders gefährdet sind all jene Diabetiker, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Niere oder der Lunge bereits vorbelastet sind.“ Im COVID-19-Register gibt es Hinweise darauf, dass auch das Geschlecht des Diabetikers, das Lebensalter des Diabetikers oder sein Diabetestyp eine entscheidende Rolle spielen (vergleiche Diabetes-COVID-19-Register).
Gehören Diabetiker zur Risikogruppe für COVID-19 oder nicht?
Genauso heterogen oder verschieden sich ein Diabetes entwickeln kann, genauso spaltet sich momentan auch die öffentliche Meinung zum Thema Diabetes und COVID-19. Die differente Bewertung des Diabetes verunsichert durch den Einfluss diverser Medien wie Presse, Fernsehen oder Internet.
In der österreichischen Kronenzeitung wird beispielsweise betont, dass Diabetiker zu einer besonders gefährdeten Gruppe gehören:
„Menschen mit Zuckerkrankheit müssen Priorität haben. Die Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums bestätigen klar die Notwendigkeit einer raschen Verfügbarkeit der COVID-19-Impfung für diese Patientengruppe, da bei ihnen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe der Erkrankung zu rechnen ist.“ (https://www.krone.at/2316452)
Meine Hausärztin schaute sich letztlich mein HbA1c von 6,8% an und meinte, dass ich mit meinem HbA1c nicht zur Risikogruppe gehöre. Und sie hat nach der Gesetzeslage in Österreich Recht. Nur jene Risikogruppen werden zeitiger geimpft (und damit vor COVID-19 geschützt), die einen Diabetes mellitus mit folgenden Risiko-Merkmalen haben:
a) Typ-1-Diabetes mit regelmäßig erhöhtem HbA1c > 7,5%,
b) Typ-2-Diabetes mit regelmäßig erhöhtem HbA1c > 8,5%,
c) Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mit Endorganschäden.
(Bundesgesetzblatt der Republik Österreich vom 7. Mai 2020 zur COVID-19-Risikogruppe-Verordnung bei DiabetikerInnen, https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/II/2020/203)
Wie geht es euch im Lockdown?
Die COVID-19-Pandemie mit ihren umfangreichen Beschränkungen spaltet aktuell die Gesellschaft auch im Gesundheitsbereich. Da geht es um Testungen, Impfungen und Vorsorge. Auch den Bereich des Diabetes betrifft das. Das zeigt mir die Meinung der Presse und meiner Hausärztin. Und genau deshalb sollten wir gemeinsam und jeder selbst besonders gut auf seinen Diabetes achten. Die Vernetzung in der Blood Sugar Lounge ist ein guter Schritt auf diesem Weg. Was sind eure Erfahrungen mit dem Diabetes und der COVID-19 Pandemie?
Die psychische Belastung durch die Coronapandemie: ein Thema für die Forschung – Kathy hat sich mit der psychischen Belastung durch die Pandemie beschäftigt!
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anseaticids postete ein Update vor 2 Tagen, 18 Stunden
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 5 Tagen, 16 Stunden
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
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othenbuehler postete ein Update vor 6 Tagen, 8 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
Mehr Infos im Flyer 👇




