- Behandlung
Die Bauchspeicheldrüse
5 Minuten

Die Bauchspeicheldrüse wiegt kaum 100 Gramm. Sie produziert am Tag 1,5 Liter Verdauungssäfte – sowie Hormone wie das Insulin, die sie direkt ins Blut abgibt. Hier wird ihre Rolle beim Diabetes klar.
Das Fallbeispiel
Die 74-jährige Frau M. kommt in Begleitung ihres Sohnes in die Hausarztpraxis von Dr. Peter H., wegen einer seit Wochen zunehmenden Appetitlosigkeit und Schwäche.
Zusätzlich hatte sie etwas Bauchschmerzen und Blähungen, gelegentlich auch etwas Brechreiz. Alkohol trinke Frau M. nie, Gallensteine waren ihr bisher auch nicht bekannt. Wegen Rückenschmerzen hatte sie allerdings vor einigen Wochen ein Schmerzmittel (ein nichtsteroidales Antirheumatikum) vom Hausarzt erhalten.
Labor und Urinuntersuchungen sowie ein Ultraschall des Bauches ergaben schließlich die Diagnose einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), die, nachdem durch Zusatzuntersuchungen und den Ultraschall ein Tumor ausgeschlossen werden konnte, auf das vor Wochen verordnete Schmerzmittel zurückgeführt wurde.
Nach Weglassen dieses Medikamentes ging es ihr tatsächlich bereits nach wenigen Tagen besser – die danach durchgeführten Blutuntersuchungen erbrachten auch wieder Werte im Normbereich.
Größe und Lage der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse des Menschen ist ein 14 bis 18 cm langes, andeutungsweise keilförmiges Organ, das in unregelmäßige Läppchen (Drüsen) unterteilt ist und 80 bis 100 g wiegt. Sie liegt von vorne betrachtet vor der Wirbelsäule zwischen dem Magen und den großen Bauchgefäßen (Hauptschlagader, untere Hohlvene) quer im Körper in Höhe der Lendenwirbel (Bauchspeicheldrüsenkopf rechts, -körper und -schwanz links).
Die Bauchspeicheldrüse produziert eine Art Verdauungssaft (anders als Speichel). Diese Funktion der Bauchspeicheldrüse heißt exokrine Funktion: Es wird etwas ausgeschieden, das der Verdauung im Darm dient. Der Verdauungssaft gelangt über den Pankreasgang, manchmal gemeinsam mit dem Ausführungsgang von Gallenblase und Leber, in den Zwölffingerdarm.
Produktion von 30 verschiedenen Verdauungs-Enzymen
Pro Tag werden etwa 1,5 l Verdauungssaft in der Bauchspeicheldrüse produziert; darin enthalten sind spezielle Eiweiße (Enzyme), die helfen, Teile der Nahrung aufzuspalten (wie Eiweiße, Kohlenhydrate oder Fette) – insgesamt etwa 30 verschiedene Verdauungs-Enzyme. Diese Enzyme werden zwar in der Bauchspeicheldrüse produziert, sie sind aber zunächst nicht aktiv. Aktiv werden sie erst, wenn sie den Zwölffingerdarm erreicht haben. Dort werden sie aktiviert und beginnen mit ihrer Aufgabe: der Verdauung.
Wären die Enzyme schon in der Bauchspeicheldrüse aktiv, würde sich die Bauchspeicheldrüse quasi selbst verdauen! Dies kann aber tatsächlich passieren, wenn sich z. B. die Bauchspeicheldrüse entzündet (Pankreatitis) oder sich der Bauchspeicheldrüsensaft (Pankreassaft) im Bauchspeicheldrüsengang (Pankreasgang) aufstaut. Es kommt dann zum Untergang von Gewebe!
Diese Aufgabe der Bauchspeicheldrüse hat nichts mit der uns jetzt mehr interessierenden endokrinen Funktion zu tun:
Hormone werden produziert
der Produktion von Hormonen, die direkt ins Blut abgegeben werden. Die wichtigsten Hormone im Zusammenhang mit der Blutzuckerregulierung bzw. für die Diabetes-Erkrankung sind das Insulin und sein Gegenspieler Glukagon. Diese Hormone werden in einer Art Zellhaufen (Inseln) hergestellt – in den Langerhans-Inseln, die verstreut sind über die ganze Bauchspeicheldrüse. Im Kopfbereich gibt es weniger, im Körper- und Schwanzbereich mehr Inseln; sie machen 5 Prozent der Gesamtmasse der Drüse aus.
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
Wenn man von einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse spricht, meint man meist eine Erkrankung der Drüse als Verdauungssaftproduzent – z. B. in Form einer Pankreatitis, aber auch Zysten können sich bilden und Druckerscheinungen auslösen, ebenso das gefürchtete Pankreas-Karzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs), das oft zu spät entdeckt wird – dazu aber später mehr.
Beim Diabetes ist die endokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse betroffen. Die Funktion der Betazellen (Insulinproduktion) und der Alphazellen (Glukagonproduktion) ist beeinträchtigt. Beim Typ-1-Diabetes sind die Betazellen weitgehend durch die eigenen Immunabwehrzellen zerstört worden – aufgrund einer Fehlsteuerung des eigenen Immunsystems; eine Insulintherapie ist von Anfang an nötig.
Beim Typ-2-Diabetes sind zum Zeitpunkt der Diagnose des Diabetes auch schon etwa 50 bis 60 Prozent der Betazellen zerstört, durch Substanzen aus dem Bauchfett und durch Triglyzeride (besonders nach fettreichen Mahlzeiten) mit verursacht! Das vermindert die Insulinproduktion zu den Mahlzeiten, wodurch hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen auftreten, und auch über Nacht, so dass die Nüchtern-Blutzuckerwerte hoch sind.
Gleichzeitig bedingt dies eine Mehrproduktion von Glukagon aus den Alphazellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse; dies führt zu noch höheren Blutzuckerwerten nach dem Essen und besonders morgens nüchtern.
Bei der Durchblutung der Langerhans-Inseln kommt der Zucker direkt an den Alpha- und Betazellen vorbei – diese registrieren entweder einen Anstieg oder Abfall des Zuckers und steuern so ihre eigene Hormonproduktion.Bei Typ-2-Diabetikern führt das zunehmende Gewicht (Fett) zu einer schlechteren Zuckeraufnahme in die Zellen des Körpers (Insulinresistenz). Die Betazellen versuchen, dies zu kompensieren, indem sie mehr Insulin produzieren – irgendwann reicht das nicht mehr aus: Dies führt zur zusätzlichen Blutzuckerentgleisung nach oben!
Auch zu wenige Fette und Eiweiße durch Insulinmangel oder -resistenz
Diabetes bedeutet nicht nur eine Störung des Zuckerstoffwechsels, auch Fette und Eiweiße werden bei Insulinmangel oder Insulinresistenz nicht mehr ausreichend in die Zellen aufgenommen. Nach der Aufnahme des Zuckers aus dem Darm ermöglicht Insulin den Eintritt des Zuckers in die Körperzellen (Muskel, Leber, Fett etc.). Die Produktion von Insulin erfolgt weitgehend unabhängig von der Produktion der Verdauungsenzyme.
Durch eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse können auch die Langerhans-Inseln und somit die Betazellen in Mitleidenschaft gezogen werden – es kommt zum pankreopriven Diabetes. Wer eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse hat, bekommt in 30 bis 70 Prozent auch einen Diabetes – also nicht selten! Der Verlust von Bauchspeicheldrüsengewebe für die Verdauungsfunktion (exokriner Anteil) und der Verlust von Betazellen (endokrine Funktion) laufen nicht parallel. Trotz chronischer Entzündung haben etwa 20 Prozent der Patienten nach 10 Jahren noch keinen Diabetes!
Je nachdem, wie viele Langerhans-Inseln zerstört sind, muss Insulin gespritzt werden. Wenn zusätzlich die Alphazellen betroffen sind (Glukagon; Leber schüttet Zucker aus), dann ist bei der Therapie insbesondere die Unterzuckerung gefährlich, da bei einer Unterzuckerung oft die Gegenregulation durch die Alphazellen fehlt oder abgeschwächt abläuft. Deshalb muss man speziell bei der Therapie mit Sulfonylharnstoffen sehr vorsichtig sein, auch die Insulindosierung ist oft nicht ganz einfach – zusätzlich sind häufig auch Verdauungsprobleme durch den Mangel an Verdauungsenzymen vorhanden, was eine gute Blutzuckereinstellung erschwert.
Ursachen für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
häufig:
- hoher Alkoholkonsum
- Erkrankungen der Gallenwege wie Verschluss des Ausführungsganges z.B. durch einen Stein bzw. Polypen oder auch einen Tumor
selten:
- Infektionskrankheiten wie Leberentzündung (Hepatitis), Scharlach, Mumps
- Operationen an der Bauchspeicheldrüse z.B. nach einem Autounfall oder wegen Krebs
- Medikamente
Die akute Pankreatitis
Bei der akuten Pankreatitis unterscheidet man eine milde Form, bei der die Beschwerden in wenigen Tagen abklingen, von einer akuten schweren Pankreatitis, die potentiell sogar lebensbedrohlich sein kann.
Häufige Beschwerden bei Bauchspeicheldrüsenentzündung sind unklare Bauchschmerzen, Übelkeit und Brechreiz, Fieber. Ein dumpfes Druckgefühl im Oberbauch mit Ausstrahlung über die Flanken in den Rücken, Durchfall und zunehmende Schwäche sowie Müdigkeit können ebenfalls Zeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Es können aber auch lange Zeit jegliche Beschwerden fehlen!
Die Beschwerden kommen zum Teil durch eine Art Selbstverdauung durch die eigenen Verdauungsenzyme zustande, wenn diese über den Bauchspeicheldrüsengang nicht mehr abfließen können und so das eigene Gewebe und die “Umgebung” anfangen zu verdauen!
Untersuchungsmethoden bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
- Labor (Amylase, Lipase, Entzündungsparameter, Tumormarker etc.)
- Ultraschall (Sonographie)
- Computertomogramm (CT) – am häufigsten verwendet
- Kernspin-Tomographie (Magnetresonanztomographie, MRT)
- Magen-/Zwölffingerdarmspiegelung (Gastro-Duodenoskopie)
- Spiegelung von Gallen- und Pankreasgang (ERCP)
Pankreaskrebs (Pankreaskarzinom)
Da der Pankreskrebs oft schon früh Tochtergeschwülste setzt (Metastasen!), muss er möglichst früh entdeckt werden durch Blutuntersuchung, Computer-Tomogramm nach Ultraschall (nüchtern) oder Kernspin-Tomographie. Entsprechende Beschwerden (siehe “Der Fall”) sollten unbedingt ernst genommen und eine weitere Diagnostik nicht auf die lange Bank geschoben werden.
Auch eine Gelbverfärbung der Haut und/oder der Augenhäute, farbloser Stuhl, dunkler Urin und Hautjucken sollten immer Anlass geben, die Region um Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse genauer zu untersuchen. Jährliche Blut- bzw. Ultraschall-Untersuchungen sind sinnvoll, um rechtzeitig derartige Veränderungen zu entdecken – nicht selten liegen nur geringe Beschwerden vor!
Zusammenfassung
Die Bauchspeicheldrüse steht bei Diabetes im Mittelpunkt, sie kann sich z. B. bei Übergewicht und Fettstoffwechselstörung aber auch entzünden (Pankreatitis). Regelmäßige Untersuchungen beim Hausarzt/Diabetologen sind deshalb sinnvoll. Beschwerden im Bauch mit Beeinträchtigung des Wohlbefindens sollten immer Anlass sein, sich die Bauchspeicheldrüse anzusehen!
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (9) Seite 28-31
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
- Aus der Community
4 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
@calvin240
Ich hätte eine Frage zum
Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute- calvin240 antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
Habe ich angenommen, schreibe mir gerne eine Nachricht
Liebe Grüße
123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]





