Dr. John Eng und Winnetous Gilamonster

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Dr. John Eng und Winnetous Gilamonster

Inkretinbasierte Medikamente sind heute aus der Typ-2-Diabetes-Therapie nicht mehr wegzudenken. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Dr. Viktor Jörgens erzählt die atemberaubende Geschichte eines modernen Wirkstoffs, für den sich zunächst keiner interessierte.

Dr. John Eng aus der Bronx in New York wurde beim Kongress unter großem Beifall der Teilnehmer als Ehrenmitglied der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) vorgestellt. Ich lernte bei dieser Gelegenheit diesen sehr freundlichen und bescheidenen Arzt persönlich kennen.

Schon als Kind verließ Dr. Eng seine Heimat im Süden Chinas und studierte in den USA erst Mathematik und dann Medizin. Er arbeitete in New York im Labor der Physikerin Prof. Rosalyn Yalow, die 1978 den Nobelpreis erhielt. Sie hatte die Methode der Radioimmunassays entwickelt und als Erste Insulin im Blut gemessen. Die Arbeitsgruppe war weltweit führend darin, Eiweiße zu messen und auf ihre Wirkung zu untersuchen.

Krustenechse aus dem Land Winnetous

Dr. Eng las Studien aus den 1980er Jahren, die festgestellt hatten, dass die Gifte einiger Reptilien einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben. Deshalb ließ er sich aus einer Schlangenfarm in Utah getrocknete Proben des Gifts des Gilamonsters schicken.

Dieses Tier – politisch korrekt Gila-Krustenechse und lateinisch Heloderma suspectum genannt – ist ein recht unfreundlich dreinblickendes, bis zu einem halben Meter langes Reptil; der kleine Verwandte der Dinosaurier lebt am liebsten in Wassernähe in der Gegend, in der die Apachen wohnten: am Gila River, der durch Arizona fließt und in den Colorado River mündet. Hätte Karl May das Land der Apachen wirklich gekannt, so wäre in seinen Büchern Winnetou sicher über ein Gilamonster gestolpert.

Das Gilamonster ist sehr giftig, man sollte es mit Handschuhen anfassen. Der Biss kann tödlich sein, die Tiere beißen aber nur im äußersten Notfall. Das Gilamonster verschläft den größten Teil seines Lebens, versteckt unter der Erde als Schutz vor der Hitze, und ernährt sich von Eiern und kleinen Tieren.

Deutscher Diabetologe hatte GLP-1 entdeckt

1992 fand Dr. Eng im Gift dieses Monsters als einen von vielen Eiweißstoffen Exendin-4. Er stellte fest, dass dieser Stoff ähnliche Wirkungen hat wie das Darmhormon GLP-1. GLP-1 war im Jahre 1979 von der Arbeitsgruppe um Prof. Werner Creutzfeldt in Göttingen erstmals beschrieben worden. GLP-1 senkt den Blutzuckerspiegel, wird aber in wenigen Minuten im Blut abgebaut. Im Gegensatz dazu wirkt Exendin-4 viel länger.

Keiner wollte das Patent

Dr. Eng hatte sofort die Idee, dass dieser Stoff sehr gut zur Behandlung des Diabetes einsetzbar wäre: Er senkt den Blutzucker, ohne Unterzuckerungen hervorzurufen. Dr. Eng arbeitete am Veterans Hospital in New York und bat die Verwaltung, ein Patent für Exendin-4 anzumelden. Dies wurde mit dem Argument abgelehnt, dass nur Patente bezahlt würden, die direkt den Kriegsveteranen zugutekämen – wie Rollstühle oder Beinprothesen.

Ein großer Fehler! Dr. Eng musste sich 5 000 Dollar leihen, um am 24. Mai 1993 selbst das Patent für Exendin-4 anzumelden. Dr. Eng erinnert sich heute noch daran, dass zwei Jahre lang immer wieder jeden Monat die hohen Rechnungen von den Patentanwälten eintrudelten, aber dann war er am 13.6.1995 stolzer Eigentümer des Patents.

Aber was sollte er damit anfangen? Er kontaktierte alle Pharmaunternehmen in den USA, die er kannte, keine interessierte sich für dieses neue Diabetesmedikament. Das weltberühmte Diabetesunternehmen Eli Lilly hörte ihn immerhin an, er kam sich dort vor wie ein Bittsteller. Das Unternehmen lehnte die Idee letztlich ab. Welch ein Fehler – später hat Eli Lilly viele Dollars für die Substanz bezahlt.

1996: US-Kongressposter führte zum Erfolg

Recht verzweifelt schickte Dr. Eng 1996 eine Vortragsanmeldung an die Jahrestagung der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft, die als Poster angenommen wurde – der Text war mit der asiatischen Bescheidenheit Dr. Engs geschrieben und nicht auf den ersten Blick verständlich. Nur wenige interessierten sich für sein Poster. Aber Andrew Young, Mitarbeiter eines kleinen Unternehmens für Stoffwechselforschung in San Diego namens Amylin, lud ihn nach San Diego ein.

Das wurde ein voller Erfolg. Dr. Eng hielt einen Vortrag vor allen Mitarbeitern des Unternehmens – sie waren gleich an der Idee interessiert. Dr. Eng erinnert sich gern an die Zusammenarbeit mit diesem jungen und begeisterungsfähigen Team. Anfangs gab es aber große Probleme. Das Geld fehlte. Das Unternehmen schrumpfte von 300 auf 37 Angestellte, die Aktien fielen ins Bodenlose, und das Unternehmen stand kurz vor dem Bankrott.

Dann aber wachte Big Pharma auf. Eli Lilly investierte 325 Millionen Dollar in das Unternehmen Amylin. Schon 2005 kam das von Dr. Eng entdeckte Medikament auf den Markt.

Heute ein Milliardengeschäft

Heute gibt es mehrere Diabetesmedikamente, die auf diesem Prinzip beruhen. Mittel, die wie Exendin-4 wirken, müssen bisher noch gespritzt werden. Sie senken den Blutzuckerspiegel und das Körpergewicht. Das Wirkprinzip lässt sich aber auch mit Medikamenten nutzen, die den Abbau von DPP-4 hemmen; diese Medikamente kann man als Tablette einnehmen.

Mittlerweile machen Medikamente dieser Art einen Millionenumsatz – nur wenige Jahre, nachdem niemand Dr. John Eng 5.000 Dollar für das Patent geben wollte…


von Dr. med. Viktor Jörgens
Geschäftsführer EASD/EFSD 1987 – 2015
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: Dr-Viktor-Joergens@t-online.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (2) Seite 32-33

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  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 2 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • suzana antwortete vor 1 Tag

      Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

  • vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 12 Stunden

    Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀

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