Herz-Experten empfehlen: Acht Maßnahmen zum Schutz vor Herzinfarkt und plötzlichem Herztod

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Herz-Experten empfehlen: Acht Maßnahmen zum Schutz vor Herzinfarkt und plötzlichem Herztod | Foto: Krakenimages.com – stock.adobe.com
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Herz-Experten empfehlen: Acht Maßnahmen zum Schutz vor Herzinfarkt und plötzlichem Herztod

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) betrifft Millionen Menschen in Deutschland und ist Hauptursache für Herzinfarkt und plötzlichem Herztod. Kardiologen der Deutschen Herzstiftung nennen acht konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung und zum Schutz vor tödlichen Ereignissen – von Blutdruck-Kontrolle bis Sport.

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist nicht nur Grundlage für Herzinfarkte, sondern auch Hauptursache von tödlichen Ereignissen, die mit der Herzgesundheit zusammenhängen. In Deutschland sind 4,7 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Untersuchungen zeigen, dass bei 75 bis 80 Prozent der plötzlich Verstorbenen eine KHK vorlag. Selbst bei unter 35-Jährigen wurde in einer US-Studie bei 23 Prozent der Fälle von plötzlichem Herztod eine KHK festgestellt.

Das Tückische an der KHK: Sie entwickelt sich oft jahrelang unbemerkt. Ablagerungen aus Kalzium, Entzündungszellen, Bindegewebe und Cholesterin bilden entzündliche Veränderungen an den Wänden der Herzkranzgefäße, die als atherosklerotische Plaques bezeichnet werden. Beschwerden treten erst auf, wenn die Arterien-Verengung eine kritische Schwelle von 70 bis 80 Prozent erreicht hat und der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Herzinfarkt durch Aufbrechen einer Plaque

Der klassische Herzinfarkt wird durch einen kompletten oder teilweisen Verschluss der Koronar-Arterie durch ein Blutgerinnsel hervorgerufen. Dieses kann entstehen, wenn eine Plaque aufreißt. Fachleute sprechen dann von einer Plaque-Ruptur. „Die große Mehrzahl aller Herzinfarkte entsteht durch eine Plaque-Ruptur an vorher mindergradigen Verengungen”, berichtet der Kardiologe und Reha-Spezialist Prof. Dr. Bernhard Schwaab, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

„Dies kann auch der Grund dafür sein, dass bei manchen Patienten mit KHK oder nach einem Herzinfarkt der plötzliche Herztod das erste Zeichen einer Herzerkrankung ist, bei der vorab keine Symptome bemerkt wurden”, betont der Herzstiftungs-Vorstand und Chefarzt der Curschmann Klinik am Timmendorfer Strand anlässlich der bundesweiten Herzwochen vom 1. bis zum 30. November unter dem Motto „Gesunde Gefäße – gesundes Herz. Den Herzinfarkt vermeiden”.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen als Basis

„Eine wichtige Basismaßnahme für alle Menschen, um ihre individuellen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren frühzeitig zu erfassen, ist der regelmäßigen Gesundheits-Check-up bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Dieser kann ab 18 Jahren einmalig und ab 35 Jahren dann alle drei Jahre erfolgen”, unterstreicht Professor Schwaab. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Untersuchungen, die von Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten durchgeführt werden.

Ergänzende Untersuchungen wie EKG in Ruhe und unter Belastung sowie Ultraschalluntersuchungen des Herzens erweitern das Spektrum. Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern oder der Becken- und Beingefäße können frühzeitig Gefäßverkalkungen erkennen, die noch keine Symptome verursachen.

Die acht wichtigsten Maßnahmen für ein gesundes Herz

Diese Präventionsmaßnahmen empfehlen Kardiologen, um Erkrankungen des Herzens und der Gefäße vorzubeugen:

1. Blutdruck kontrollieren und behandeln

Bluthochdruck ist der häufigste beeinflussbare Risikofaktor für Herzkrankheiten wie KHK, Herzschwäche oder Vorhofflimmern. Da er anfangs typischerweise keine Beschwerden verursacht, sollte der Blutdruck regelmäßig gemessen und ein Bluthochdruck effektiv eingestellt werden.

2. LDL-Cholesterin bestimmen und erhöhte Werte behandeln

Ein erhöhter LDL-Cholesterinwert ist ein wichtiger Risikofaktor für Atherosklerose mit schweren Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Spezielle Risikotabellen helfen dabei, den individuellen LDL-Zielwert zu bestimmen. LDL-cholesterinsenkende Medikamente können das Plaquewachstum hemmen. Auch der Wert des genetisch bedingten Blutfettes Lipoprotein(a) sollte einmal im Leben gemessen werden.

3. Blutzucker messen und Diabetes behandeln

Der HbA1c-Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zwölf Wochen an und dient zur Diagnose von Diabetes oder seiner Vorstufe. Ein chronisch hoher Blutzucker beschleunigt die Verkalkung und Schädigung von Gefäßen und verschlechtert die Pumpleistung des Herzens. Eine medikamentöse Therapie ist zur Vermeidung von Komplikationen unverzichtbar.

4. Rauchen beenden

Rauchen ist einer der Hauptrisikofaktoren für alle Herz- und Gefäßkrankheiten. Dies gilt auch für Passivrauchen und E-Zigaretten. Den Nikotinkonsum zu beenden ist die wirksamste einzelne Maßnahme für einen gesunden Lebensstil. Anti-Rauch-Programme und vom Arzt verschriebene Medikamente können beim Aufhören helfen.

5. Körpergewicht kontrollieren

Übergewicht und Adipositas sind unabhängige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders problematisch ist Fettgewebe in der Bauchhöhle und auf der Herzoberfläche, das entzündliche Prozesse auslöst. Regelmäßiges Bestimmen des Taillenumfangs oder des Body-Mass-Index hilft, das Risiko frühzeitig zu erkennen.

6. Körperliche Aktivität und Sport

Ausdaueraktivität senkt Blutfette, Blutzucker und Blutdruck, reduziert das Arteriosklerose-Risiko und stärkt die Herzkraft. Optimal sind mindestens fünfmal wöchentlich 30 bis 60 Minuten Ausdaueraktivität. Ergänzend ist moderates Krafttraining wichtig, ebenso Mobilitäts- und Beweglichkeitstraining. Neuere Studien zeigen auch positive Effekte von isometrischem Krafttraining auf den Blutdruck.

7. Gesunde Ernährung

Eine gesunde Ernährung verringert Entzündungsvorgänge, verbessert die Gefäßfunktion und senkt den Blutdruck. Herzspezialisten empfehlen die traditionelle Mittelmeerküche mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Oliven- und Rapsöl, weniger Fleisch, eher Fisch sowie fermentierten Milchprodukten. Der Ersatz von herkömmlichem Salz durch kaliumangereichertes Salz kann den Blutdruck senken. Alkoholkonsum sollte begrenzt und Zucker vermieden werden.

8. Ausreichend schlafen

Ausreichender und entspannender Schlaf ist für die Herzgesundheit wichtig. Wer sich trotz ausreichend Schlaf morgens müde fühlt, sollte eine mögliche Atemstörung im Schlaf abklären lassen.

Schrittweise Veränderungen sind nachhaltiger

Prof. Schwaab rät zu einem behutsamen Vorgehen: „Überlegen Sie, was Sie zuerst angehen möchten und versuchen Sie nicht, alles auf einmal zu ändern. Wenn Sie beispielsweise rauchen und übergewichtig sind und Sie das Rauchen aufgeben wollen, hören Sie zuerst mit dem Rauchen auf und machen Sie nicht zugleich noch eine Diät. Wenn Sie zu viel sitzen, beginnen Sie langsam, sich mehr zu bewegen, und versuchen Sie nicht, gleich einen Halbmarathon zu laufen.” Bereits ein Rauch-Stopp und regelmäßige Bewegung können das KHK-Risiko um 50 Prozent senken.

Grippeschutzimpfung für Herzpatienten besonders wichtig

Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann bereits ein grippaler Infekt schwerwiegende Folgen haben. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher die Grippeimpfung ausdrücklich für Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien zeigen zunehmend, dass Influenza ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist, da die virale Infektion zu Entzündungen in Blutgefäßen führen kann.

Der beste Zeitraum für die Impfung ist Oktober bis November, aber auch später ist eine Impfung noch sinnvoll. Für Personen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO für die Impfsaison 2025/2026 ausschließlich Hochdosis- oder adjuvantierte Impfstoffe. Die Grippeimpfung kann zeitgleich mit einer Covid-19-Impfung erfolgen.


von Gregor Hess

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mit Materialien der Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

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  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 4 Tagen, 15 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

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