- Behandlung
Gegen Corona-Verunsicherungen helfen Informationen am besten
3 Minuten
Die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff. COVID-19 ist die offizielle Bezeichnung für die Krankheit, die das aktuelle Coronavirus auslöst. Über diese Erkrankung, die Anzahl Infizierter und die gesundheitlichen und finanziellen Folgen berichten die Medien rund um die Uhr. Wir werden geradezu überschüttet mit Informationen, die einerseits aufklären sollen, aber die leider oft auch verunsichern.
Die Arbeit als Journalist setzt immer auch eine gehörige Portion Verantwortung voraus. Der von manchen Journalisten gepflegte Grundsatz „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ gilt hier ganz und gar nicht. Zwar erregen schlechte Nachrichten meist eine höhere Aufmerksamkeit als gute Nachrichten, aber sie belasten auch – vor allem dann, wenn Lesende selbst betroffen sind.
Daher hat die Diabetes-Journal-Redaktion über die schnell verfügbaren Onlinemedien kleine Videos gesendet, um durch solide Informationen die Angst von Menschen mit Diabetes zu nehmen. Hier fassen wir die Fragen aus Ihren Reihen kurz zusammen und antworten auf Ihre wichtigen Fragen zu COVID-19, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
Sind alle Menschen mit Diabetes Risikopatienten?
Für die meisten Betroffenen lautet die Antwort: nein. Aber es gibt Menschen mit Diabetes, für die die Antwort anders ausfallen kann. Nach Ansicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft sind Menschen mit Diabetes, genauso wie Menschen ohne Diabetes, nur dann stärker gefährdet, wenn sie schwere Begleiterkrankungen haben.
Mail mit Ihren Fragen in die Redaktion …
Sie haben dringende Fragen zur Situation rund um Diabetes und Coronavirus? Prof. Thomas Haak, Günter Nuber und das Team des Diabetes-Journals sammeln und antworten. Bitte Mail an: nuber@kirchheim-verlag.de
Das erklärt auch, warum gerade ältere Menschen häufiger an COVID-19 schwerer erkranken als junge und gesunde Menschen. Wenn man dies aber berücksichtigt und gerade solche Betroffenen mit Begleiterkrankungen besonders gut abschirmt und Infektionen verhindert, dann sollte sich dieses Risiko beherrschen lassen.
Oft liest man auch, dass Menschen mit Diabetes und hohen HbA1c-Werten und starken Blutzuckerschwankungen gefährdeter sind als solche mit „guten Werten“. Dies ist sicherlich richtig und gilt für viele Erkrankungen.
Aber was heißt „gute Einstellung“?
Unter einer guten Einstellung versteht man, wenn die individuell festgelegten HbA1c-Zielwerte erreicht werden. Dies gilt in den meisten Fällen für einen Wert zwischen 6,5 und 7,5 %. Bei manchen Patienten kann aufgrund individueller Umstände auch ein etwas höherer HbA1c-Wert als zielgerecht bezeichnet werden. Viele Menschen messen auch regelmäßig ihren Blutzucker oder verfügen über einen Glukosesensor.
Wenn mehr als 70 Prozent aller gemessenen Werte zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 und 10,0 mmol/l) liegen, ist von einer guten Behandlung des Diabetes auszugehen. Schwere Unterzuckerungen sollten auch nicht regelmäßig auftreten. Sollten über einen längeren Zeitraum schlechtere Werte gemessen werden, soll man natürlich mit dem Diabetologen besprechen, wie diese zu verbessern sind.
Sind meine Blutdruckmedikamente im Fall einer Infektion gefährlich?
Vor Kurzem kam die Debatte auf: Haben bestimmte Blutdruckmedikamente, wie die ACE-Hemmer (der Medikamentenname endet auf -pril) oder Sartane (der Medikamentenname endet auf -sartan) im Fall einer Coronavirus-Infektion negative Effekte? Hierzu gibt es keine wissenschaftlich begründete Empfehlung. Die Experten diskutieren einerseits, dass diese Medikamente den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung negativ beeinflussen könnten. Andere sagen, dass diese Medikamente im Fall einer Infektion sogar von Vorteil sind.
Daher warnt Prof. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft, eindringlich davor, Medikamente einfach abzusetzen oder gegen andere Medikamente zu tauschen. Dies könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen und somit eine größere Gefahr darstellen als eine Coronavirus-Infektion.
Probleme mit anderen Medikamenten?
Menschen mit Diabetes sollten allerdings andere Medikamente im Auge behalten: Im Fall einer Infektion mit ausgeprägten Symptomen wie Fieber muss bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Medikament Metformin pausiert werden. Dies gilt nicht nur für Erkrankungen wie COVID-19, sondern auch für alle anderen Erkrankungen oder schwere Operationen. Dies wird jedoch häufig vergessen.
Und es gibt ein zweites Medikament, das Menschen mit Typ-2-, selten auch Menschen mit Typ-1-Diabetes einnehmen: nämlich die SGLT-Inhibitoren (Handelsnamen u. a.: Forxiga, Xigduo, Jardiance). Auch diese Medikamente sollten im Fall einer Infektion mit schweren Krankheitssymptomen pausiert werden.
Medikamentenliste erstellen
Daher sollten Betroffene im Zweifelsfall immer Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt nehmen. Für den Fall, dass dieser nicht zur Verfügung steht oder man sogar in ein Krankenhaus kommt, ist es wichtig, eine komplette Medikamentenliste bei sich zu haben, damit der Klinikarzt sich rasch ein Bild von der Medikation machen kann.
Das Fazit
Leere Straßen, Restaurants, geschlossene Kindergärten, Schulen, Fabriken. Überfüllte Krankenhäuser. Lange Zeit keinerlei öffentliches Leben. Rezession: Wir alle durchleben in diesem Frühjahr 2020 eine unwirkliche Zeit und sind oft verunsichert, weil wir eine solche Situation noch nie erlebt haben. Aber auch hier hilft, wenn man sich gut informiert, Ruhe bewahrt und im täglichen Leben weiterhin sehr umsichtig handelt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (5) Seite 10-11
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aktuelles
Insulin- und Inkretin-Injektionen: Wechseln, prüfen, pflegen – so bleiben Spritz-Stellen gesund
4 Minuten
- Ernährung
Eiweiß: Trend-Nährstoff und vielseitiger Sattmacher
4 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
