- Behandlung
Hohes Cholesterin und seine Folgen
5 Minuten
Cholesterin ist keine per se schlechte, sondern eine lebenswichtige, fettähnliche Substanz. Das meiste Cholesterin, das wir benötigen, stellt unser Körper selbst her, der Rest wird über die Nahrung aufgenommen. Warum aber gilt Cholesterin vielen als gefährlich? Und wie können zu hohe Werte gesenkt werden?
In der Klinik verlegte man ihn nach der Anfangsuntersuchung und nach Vorliegen der Laborbefunde auf die internistische Intensivstation. Diagnose: frischer Herzinfarkt! Die Blutuntersuchungen bestätigten eine massive Erhöhung der Neutralfette (Triglyzeride), aber auch des LDL-Cholesterins. In der Koronarangiographie (Herzkatheter-Untersuchung) fand man sowohl einen Gefäßverschluss als auch viele Verkalkungen (Plaques).
Johannes K. ging es glücklicherweise nach einer Woche wieder gut. Eine strenge medikamentöse Einstellung insbesondere auch der Blutfette wurde für die Reha/AHB vorgesehen!
Die Auswertung eines großen amerikanischen Registers hat gezeigt: Nur bei etwa 30 Prozent aller Patienten mit einem Risiko für ernste Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ein fettsenkendes Medikament (Statin, CSE-Hemmer) einnahmen, lagen die Cholesterinwerte im Zielbereich (nach den Leitlinien der Fachgesellschaften) – jeder fünfte Risikopatient erhielt keinen Fettsenker.
In vielen neueren Studien hat sich gezeigt, dass selbst nach einem Schlaganfall oder einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns (TIA) durch ein weiteres Senken der schon niedrigen Blutfettwerte auf einen LDL-Cholesterin-Wert unter 70 mg/dl selbst bei bisher schon guter Einstellung (LDL-Cholesterin 90 – 110 mg/dl) eine weitere Risiko-Reduktion um etwa 22 Prozent möglich ist! Motto: „Je niedriger, desto besser!“
- HDL: High Density Lipoprotein >> hohe Dichte der Fettpartikel
- LDL: Low Density Lipoprotein >> geringe Dichte der Fettpartikel
- VLDL: Very Low Densitiy Lipoprotein >> sehr geringe Dichte der Fettpartikel
- CSE-Hemmer: Cholesterinsynthese-Hemmer (Statine)
- PCSK9-Hemmer: „Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin 9“-Hemmer
Fettstoffwechselstörungen, insbesondere zu viel LDL-Cholesterin, sind einer der wesentlichen Risikofaktoren für Gefäßverkalkungen und damit für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch für Durchblutungsstörungen der Beine und anderer Gefäße. Fettstoffwechselstörungen sind nach wie vor eine der Hauptursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für mehr als 360 000 Todesfälle in Deutschland verantwortlich.
Cholesterin-Normalwerte
Der Cholesterinspiegel eines Menschen liegt normalerweise unter 200 mg/dl (5,2 mmol/l). Das HDL-Cholesterin sollte über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) liegen. Das LDL-Cholesterin sollte bei Menschen mit Typ-1-Diabetes unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l), bei Typ-2-Diabetikern nach heutigen Erkenntnissen idealerweise sogar unter 70 mg/dl (1,8 mmol/l), die Triglyzeride unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l).
Da Fette nicht wasserlöslich sind, muss auch Cholesterin, damit es im Blut transportiert werden kann, an wasserlösliche Eiweiße (Proteine) gekoppelt werden. Diese Lipoproteine werden dann im Labor entsprechend ihrer unterschiedlichen Dichte in VLDL-, LDL- und HDL-Lipoproteine unterteilt. Die VLDL-Partikel sind eine Vorstufe des LDL; das LDL-Cholesterin wird aufgrund seines großen Fettgehaltes auch als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet, das HDL-Cholesterin dagegen wegen seines geringeren Anteils an Fett als „gutes“ Cholesterin.
- Diabetes mellitus Typ 2
- auch bei Typ-1-Diabetes (bei dauerhaft zu hohen Glukosewerten/entgleistem Diabetes)
- starkem Übergewicht (krankhaftes Übergewicht, Adipositas)
- einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
- bestimmten Lebererkrankungen
- vererbten Fettstoffwechselstörungen (familiäre Hypercholesterinämie)
Sehr niedrige Cholesterinwerte findet man dagegen bei:
- einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
- einer Mangelernährung
- schweren Leberschäden
Die für das Entstehen der Arteriosklerose so entscheidenden Fette sind hauptsächlich LDL-Cholesterine, die in den Gefäßwänden quasi abgelagert werden. Über Jahre werden diese Ablagerungen immer größer und bilden schließlich die arteriosklerotischen Plaques, oft Ausgangspunkt eines Herzinfarkts, Schlaganfalls oder von Durchblutungsstörungen der Beine.
Um das Risiko für eine schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankung zu ermitteln, werden verschiedene SCOREs (Systematic Coronary Risk Estimation) verwendet. Danach richtet sich auch, wie intensiv die Blutfette gesenkt werden sollten. Zusätzlich verwendet man heute auch moderne bildgebende Verfahren wie das Coronar-CT (Computertomogramm der Herzkranzarterien) und die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Halsschlagadern und der Becken-Bein-Gefäße, durch die Verkalkungen der Gefäße (als Vorläufer von Stenosen) und Engstellen mit der Gefahr eines Verschlusses oder einer Embolie rechtzeitig festgestellt werden können.
Darüber hinaus sollten Ärzte auch an die vererbte familiäre Hypercholesterinämie denken, die bei Männern vor dem 55. Lebensjahr die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt bzw. plötzlichen Herztod ist. Menschen, die diese Erkrankung von beiden Eltern geerbt haben, entwickeln schon in der Kindheit eine Erkrankung der Herzkranzarterien und können daran versterben!
Ist die Anlage nur von einem Elternteil weitergegeben, steigt im Laufe des Lebens das LDL-Cholesterin langsam immer weiter an! Dies sollte rechtzeitig entdeckt und behandelt werden – deshalb ist auch die Krankengeschichte wichtig (z. B. ein früher Infarkt/Schlaganfall des Vaters/Großvaters oder der Mutter/Großmutter).
Lipoprotein (a)
Das Lipoprotein (a), ein LDL-Lipoprotein, ist ein Marker für ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (normaler Wert: unter 25 mg/dl). Die Höhe des Blutspiegels ist vererbt und lässt sich in der Regel durch Ernährung und Bewegung kaum beeinflussen. Nur mit den neueren PCSK9-Hemmern ist eine Reduktion der Konzentration des Lipoprotein (a) möglich. Wegen der Vererbung ist ein Beachten der Krankengeschichte (Anamnese) der Familie besonders wichtig!
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sind die Spiegel des Lipoprotein (a) nicht per se erhöht, man findet aber häufig bei Patienten mit Typ-1-Diabetes und einer diabetischen Nephropathie erhöhte Blutspiegel des Lipoprotein (a), die möglicherweise für sie ein höheres Risiko darstellen. Durch Tabletten kann das Lipoprotein (a) kaum beeinflusst werden. Neue, demnächst verfügbare Medikamente (Antisense-Oligonukleotide) können das Risiko wohl um bis zu 90 Prozent senken.
Nichtmedikamentöse Basistherapie
Bei Diabetes ist besonders wichtig:
- Optimieren der Blutzuckerwerte,
- regelmäßige körperliche Aktivität,
- Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Änderung der Ernährung (mehr Ballaststoffe, weniger Kalorien),
- Rauch-Stopp,
- keine größeren Mengen Alkohol.
Außerdem gilt: Eine Gewichtsreduktion von etwa 10 Prozent kann zu einer massiven Verbesserung der Fettstoffwechselstörung führen.
- hoher Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren
- niedriger Anteil von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin
- Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl eher günstig
- Alkoholkonsum minimieren, max. 1 – 2 Gläser Bier oder Wein pro Tag
- dazu: regelmäßige Bewegung
Medikamentöse Therapie
Durch CSE-Hemmer (meist Statine, insbesondere bei schon vorhandenen Gefäßschäden) lässt sich das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um etwa ein Drittel senken. Nach den aktuellen Empfehlungen sollte bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die als Hochrisikopatienten gelten, das LDL-Cholesterin auf unter 70 mg/dl, bei Typ-1-Diabetikern auf unter 100 mg/dl gesenkt werden.
Mit der Hemmung der Bildung von Fett in der Leber wird jedoch häufig gleichzeitig die Aufnahme von Fett aus dem Darm gesteigert und umgekehrt. Deshalb werden heutzutage in der Regel zwei Medikamente, nämlich ein Fettsenker (z. B. Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin) und ein Hemmer für die Resorption aus dem Darm (z. B. Ezetimib) eingesetzt. Fibrate sind bei einer isolierten Erhöhung der Neutralfette manchmal sinnvoll, aber die Kombination mit CSE-Hemmern kann problematisch werden.
Im Februar 2020 wurden neue Medikamente zum Senken des LDL-Cholesterins in Deutschland zugelassen: die Präparate Nilemdo (Bempedoinsäure) und Nustendi (Kombination von Bempedoinsäure mit Ezetimib). Die Bempedoinsäure hemmt ein Enzym in der Leber und senkt so die Cholesterin-Bildung. Dadurch können vor allem die manchmal auftretenden und sehr unangenehmen „Muskelschmerzen“ unter Statinen weitgehend verhindert werden. Es kann zusätzlich oder an deren Stelle gegeben werden.
Ein weiteres Medikament, das wohl bald zur Verfügung stehen wird, greift am Enzym PCSK9 in der Leber an (Inclisiran) und senkt die Blutfette wohl dauerhaft um bis zu 50 Prozent; es muss zweimal im Jahr gespritzt werden.
Wichtig zu wissen
Gerade Menschen mit Diabetes sind von schwerwiegenden Komplikationen am Herz-Kreislauf-System überdurchschnittlich betroffen. Wenn Fettstoffwechselstörungen zusätzlich entdeckt werden, sollten diese rasch und konsequent behandelt werden; neuere Medikamente mit weniger Nebenwirkungen stehen dafür zur Verfügung. Nutzen Sie sie!
Autor:
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (11) Seite 38-40
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 2 Tagen, 19 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 3 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 18 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 17 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 23 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 9 Stunden
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jasminj antwortete vor 1 Tag, 8 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 6 Tagen, 22 Stunden
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂