Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

2 Minuten

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetes-Versorgung | Foto: Orapun – stock.adobe.com
Foto: Orapun – stock.adobe.com
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener eine leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eine neue Metaanalyse zeigt deutliche Versorgungsunterschiede mit möglichen Folgen für den Therapieerfolg und die Lebenserwartung.

Eine neue systematische Übersichtsarbeit zeigt deutliche Unterschiede in der medizinischen Versorgung von Menschen mit Diabetes – abhängig davon, ob zusätzlich eine psychische Erkrankung vorliegt. Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg hat dafür Daten von mehr als 5,5 Millionen Patientinnen und Patienten ausgewertet. Grundlage waren 49 Studien, von denen rund 840.000 Personen zusätzlich eine psychische Erkrankung wie Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen oder Suchterkrankungen aufwiesen.

Erstmals wurde damit ein quantitativer Vergleich von Qualitätsindikatoren der Diabetes-Versorgung zwischen Menschen mit und ohne psychische Begleiterkrankungen vorgelegt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“ veröffentlicht. Erstautor der Studie ist Prof. Dr. med. Elias Wagner, Sektionsleiter für Evidenzbasierte Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg.

Deutlich geringere Wahrscheinlichkeit für empfohlene Kontrollen

Zentrales Ergebnis: Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener empfohlene Kontrolluntersuchungen. Die Wahrscheinlichkeit für eine leitliniengerechte Überwachung lag fast 20 Prozent niedriger als bei Menschen ohne psychische Erkrankung.

Betroffen waren grundlegende Elemente des Diabetes‑Monitorings:

  • Bestimmung des HbA1c (Blutzuckerlangzeitwert)
  • augenärztliche Untersuchungen zur Früherkennung von Netzhautschäden
  • Kontrollen von Fettstoffwechsel und Nierenfunktion
  • Fußuntersuchungen zur Erkennung von Nervenschädigungen

Die Defizite zeigten sich über verschiedene psychische Erkrankungen hinweg.

Ungleichheiten auch bei der medikamentösen Therapie

Auch in der Behandlung fanden sich Unterschiede. Menschen mit psychischen Erkrankungen erhielten häufiger Insulin, hatten aber seltener Zugang zu modernen GLP‑1‑Rezeptoragonisten, die bei Typ‑2‑Diabetes Blutzucker und Herz‑Kreislauf‑Risiko senken können.

„Unsere Ergebnisse zeigen anhaltende Lücken in der Diabetes-Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen auf. Deswegen sind gezielte Maßnahmen zur Beseitigung dieser Ungleichheiten erforderlich“, sagt Studienleiter Elias Wagner. Nötig sei auch, strukturelle und organisatorische Hürden zu adressieren.

Strukturelle Hindernisse im Fokus

Wie Verbesserungen konkret aussehen können, müsse weiter untersucht werden. Prof. Dr. Alkomiet Hasan, Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie und Psychotherapie, betont: „Strukturelle Barrieren im Gesundheitssystem sollten abgebaut und somatische und psychische Versorgung stärker verzahnt werden.“ Die analysierten Daten stammten aus den USA, Europa, Asien und Australien, überwiegend aus den USA.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Versorgungsunterschiede international auftreten und weitere Forschung erforderlich ist, um wirksame systemische Ansätze zu entwickeln.


von Redaktion Diabetes-Anker

Avatar von diabetes-anker

mit Materialien der Universität Augsburg

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neun Tage, vier Länder, ein Ziel: Mit Diabetes über die Alpen
Die Dialetics xAlps zeigen, dass Diabetes kein Hindernis für große Träume sein muss. Unsere Community-Autorin Conny war in diesem Sommer bei der Tour über die Alpen mit dabei und berichtet hier von ihren Erwartungen, ihrer Verbreitung und ihren Erlebnissen.
Neun Tage, vier Länder, ein Ziel: Mit Diabetes über die Alpen | Foto: Mike Fuchs

6 Minuten

Community-Beitrag
3.700 Stufen mit Typ-1-Diabetes: Unser Selbstversuch auf der Europatreppe 4000
Wie verhält sich der Blutzucker bei mehreren Stunden intensiver Belastung? Was passiert mit einem AID-System beim Treppensteigen über mehr als 700 Höhenmeter? Und kann man die Europatreppe 4000, eine der anspruchsvollsten Treppenanlagen Europas, auch mit Typ-1-Diabetes sicher bewältigen? Sandy berichtet von seinem Selbstversuch.
3.700 Stufen mit Typ-1-Diabetes: Unser Selbstversuch auf der Europatreppe 4000 | Foto: Sandys Diabetes-Loop

3 Minuten

Community-Beitrag
Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%