- Behandlung
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen
5 Minuten

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Ende Januar, Zeit für den t1day! Wieder waren mehrere Hundert Menschen mit vor allem Typ-1-Diabetes und auch Familien mit Kindern mit Diabetes am 25. Januar nach Berlin ins H2-Hotel in der Nähe des Alexanderplatzes gekommen.
Überall sah man lachende Gesichter, erwartungsvolle Gesichter. Menschen fielen sich in die Arme. Man merkte: Der t1day ist für viele offensichtlich so etwas wie ein Familientreffen aller Altersgruppen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bastian Niemeier und Shirin Valentine, die beide seit vielen Jahren mit Typ-1-Diabetes leben.
Der dt-report liefert Zahlen, Daten, Fakten zur Technologie
Auch wenn die Diabetes-Technologie hier immer einen großen Teil der Vorträge und t1camps einnimmt, hatten auch viele andere Themen Eingang ins Programm gefunden. Zum Start präsentierte Privatdozent Dr. Dominic Ehrmann vom Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) die ganz aktuellen Ergebnisse des dt-reports, und zwar die der Befragung der Menschen mit Diabetes und Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. „Es ist wirklich eine wichtige Datenbasis“, betonte er.
Was sich aus den Antworten ergibt: „Wir können jetzt schon davon reden, dass AID der Standard in der Behandlung des Typ-1-Diabetes wird.“ AID steht für automatisierte Insulin-Dosierung. Blickt man auf die Belastungen durch den Diabetes, zeigt sich Positives: „Da sehen wir einen wahnsinnigen Effekt durch Diabetes-Technologie.“
Was sich aber auch zeigt bezüglich der AID-Systeme bei den Ergebnissen im Vergleich zwischen den Antworten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Die Österreicher und Schweizer haben weniger Probleme, ein AID-System genehmigt zu bekommen.“ Auch über das Panel dialink, an dem jeder, der mit Diabetes zu tun hat, teilnehmen kann, werden viele Informationen gewonnen, die auch für politische Forderungen genutzt werden können.
Haut-Probleme durch Sensoren und Verzögerung der Manifestation des Diabetes
Viel tut sich in der Diabetes-Technologie, wie Sarah Biester vom Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover berichtete. Wichtig war ihr dabei: „Die Diabetes-Behandlung von Menschen ist so unterschiedlich wie die Menschen.“ Ein ganz wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Diabetes-Technologie sind Haut-Probleme durch die aufgeklebten Hilfsmittel. „Das ist das Thema Nummer 1!“ Im Publikum meldeten sich extrem viele als davon Betroffene.
Diese Probleme sollte man nicht für sich behalten, sondern die Hersteller informieren, damit sich etwas ändert. Sarah Biesters dringliche Aufforderung: „Melden Sie das, melden Sie das, melden Sie das!!!“ In Ihrem Vortrag ging es auch um das gerade in Europa zugelassene Medikament Teplizumab, mit dem sich die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes bei dafür gefährdeten Menschen verzögern lässt. Ein wichtiger Aspekt dabei: Das vollständige Entgleisen des Stoffwechsels bei Manifestation des Diabetes ist besser zu verhindern.
Mit dem Medikament Teplizumab lässt sich das Ausbrechen von Typ-1-Diabetes hinauszögern. | Fotos: K. Kraatz / MedTriX
Warnung: Diabetologische Versorgung in Gefahr
Sorgen machen muss einem die Entwicklung der diabetologischen Versorgung. Dr. Antje Weichard, niedergelassene Diabetologin aus Magdeburg und Haldensleben und aktiv im Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND) und in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erläuterte, dass zwar die Versorgung immer mehr im ambulanten Bereich erfolgt, aber die entsprechende Finanzierung dem nicht gefolgt ist. Und einen Facharzt für Diabetologie gibt es bis heute nicht.
Hinzu kommt: „Die Diabetes-Expertise im Krankenhaus schwindet.“ Und durch die Vielfalt der Disease-Management-Programme für Menschen mit Diabetes kommt es zu einem „Flickenteppich“ und einer Ungleichheit der Versorgung in Deutschland.

Psychologische Aspekte: Lebensqualität als oberste Prämisse
„Ich habe das Glück, ein großartiges Leben zu führen!“ Aber auch: „Das Leben mit Diabetes ist hart.“ Beides stellte Stephanie Haack, Diabetes-Anker-Projektmanagerin und diabetesDE-Vorstandsmitglied im nächsten Vortrag fest. Nicht vergessen darf man nämlich bei aller rein medizinischen Behandlung nicht die psychischen Aspekte.
„Dieses Immer-Müssen, das kostet viel Energie“, machte Professor Dr. Bernhard Kulzer vom FIDAM deutlich. Das kann zu Depressionen mit weitreichenden Folgen führen. Auf der anderen Seite lässt der Diabetes manchen wachsen. Stephanie Haack fasste zusammen: „Für mich ist die oberste Prämisse Lebensqualität!“
t1-camps mit großer Vielfalt und spannende Zukunftsaussichten
Auch in den t1-camps ging es lebhaft zu. Themen waren spezielle Fragen, die nur Frauen betreffen, die Erleichterung des Lebens durch Diabetes-Technologie, Stigmatisierung, rechtliche Probleme. Das Thema Haut wurde explizit nochmal aufgegriffen.
Und was ist in näherer Zukunft zu erwarten? Es gab Berichte über neue Glukosesensoren in Kombination mit Keton-Messung, Fully-Closed-Loop-Systeme, Medikamente als Ergänzung zur Insulin-Therapie bei Typ-1-Diabetes, Möglichkeiten in Prävention und Therapie durch künstliche Intelligenz und einiges mehr.
Gut besuchte Ausstellung mit Industrie und Verbänden
Eine große Ausstellung der Diabetes-Hilfsmittel-Anbieter und verschiedener Verbände und Initiativen für Menschen mit Diabetes begleitete den Tag. Sie zog die Menschen stark an, mitunter war es schwierig, durchzukommen. Auch der Diabetes-Anker war mit einem Stand vertreten.
Dank an die Organisatoren und Ausblick auf den nächsten t1day
Einen großen Dank an Professor Dr. Lutz Heinemann und Gabriele Faber-Heinemann für das Ermöglichen und Organisieren des t1day, natürlich mit einem großen Team im Hintergrund, hatte Shirin Valentine bereits in der Begrüßung ausgesprochen: „Es ist Wahnsinn, was ihr seit vielen Jahren für uns macht!“ Beim Verabschieden richtete sie den Dank ans Publikum: „Danke, dass ihr alle hier seid – wir teilen alle ein Schicksal!“
Bastian Niemeier ergänzte: „Seid stolz auf euch – ihr wart heute hier!“ Mit dem Blick voraus beendete Shirin Valentine den Tag: „Wir sehen uns in einem Jahr wieder – wenn ihr wollt!“ Termin für den nächsten t1day ist der 31. Januar 2027, wie immer in Berlin.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Leben mit Diabetes

< 1 minute
- Leben mit Diabetes
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 2 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen, 1 Tag
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]

















