Kolumne | Zum guten Schluss: Nur noch praktisch denken?

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Kolumne | Zum guten Schluss: Nur noch praktisch denken?

Die Corona-Pandemie hat einen Großteil des Soziallebens ins Virtuelle verlagert – was ja auch praktische Seiten hat. Doch echte Treffen haben ihren eigenen Wert, findet Kolumnistin Alex Adabei.

Vielleicht haben auch Sie in den letzten Monaten Erfahrungen mit Videokonferenzen und Bild­telefonie gesammelt – im Beruf oder, um mit Familie und Freunden besser Kontakt halten zu können. Oder auch, um sich von Ihrem Diabetesteam beraten oder sogar schulen zu lassen. Ohne Frage ist das sehr praktisch und in Zeiten von #wirbleibenzuhause war/ist es oft auch die einzige Möglichkeit, sich zu sehen.

Praktisches Denken darf nicht alles dominieren

Einiges davon wird uns sicher erhalten bleiben, und von den Kinderdiabetesteams ist zu hören, dass viele Familien, die zum Teil eine lange Anfahrt haben, weiterhin Termine per Video haben möchten. Auch für Menschen, für die es aus anderen Gründen nicht einfach ist, in die Praxis zu kommen, ist ein Videotermin praktisch und zeitsparend. Alles lässt sich aber aus der Ferne nicht erledigen: Eine Blutabnahme ist nur vor Ort möglich, und auch Spritzstellen lassen sich viel besser beurteilen, wenn man körperlich nahe beieinander ist.

Was für mich noch hinzukommt: Es ist wichtig, praktisch zu denken, gerade jetzt. Aber diese Art zu denken darf nicht alles dominieren, gerade dann nicht, wenn auch wieder mehr Nähe möglich ist. Praktisch wäre es schließlich auch, wenn jeder tagaus, tagein in einem Overall herumlaufen würde.

Nun, ein solches Konzept hat sich bis jetzt nicht durchgesetzt, den meisten Menschen ist daran gelegen, sich nach eigenen Vorlieben zu kleiden. Oder es könnte doch auch einen Speiseplan geben, der für alle verbindlich ist. Nie wieder müsste sich jemand Gedanken über die nächste Mahlzeit machen – wie praktisch!

Lebensfreude und Lebensqualität nicht vergessen

Praktisch bedeutet aber nun mal leider oft auch, dass etwas Schönes wegfällt, weil es „keinen Wert“ hat. Aber ist das wirklich so? Hat es nicht auch einen Wert (wahrscheinlich sogar einen der praktischen Art), wenn Teilnehmende während einer Schulungsstunde einfach mal so reinfragen können, ohne sich vorher per virtuellem Handzeichen zu melden? Hat es nicht auch einen Wert, spontan einen Witz machen zu können oder nach der Schulung noch für einen Schwatz zusammenzustehen?

Doch, das hat einen Wert, und zwar einen großen. Lebensfreude und Lebensqualität sind hier die richtigen und wichtigen Stichworte, die auch allzu praktisch denkende Menschen nicht vergessen sollten.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Alex Adabei

Alex Adabei war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Frau mit vielen Bekannten und Verwandten mit Typ-2-Diabetes, die von ihren Typ-F-Erfahrungen berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (8) Seite 84

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    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂