Kolumne | Zum guten Schluss: Viel Lärm – wirklich um nichts?

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag | Illustrationen: Christian Mentzel
Kolumne | Zum guten Schluss: Viel Lärm – wirklich um nichts?

Alex Adabei berichtet in der Kolumne Zum guten Schluss, dass sie nach einem Arbeitsplatzwechsel nun mit zwei unterschätzten Gesundheitsrisiken konfrontiert ist: Verkehrslärm und Luftschadstoffe.

Vor kurzem bin ich innerhalb unseres Firmengebäudes umgezogen – vom Hinterhof in ein Büro, das direkt an der Straße liegt. Vorteil: der Blick ins Grüne und auf all die ganz unterschiedlichen Menschen, die Tag für Tag vorbeigehen. Nachteil: der Straßenlärm, in diesen Tagen ergänzt um den lieblichen Klang eines Presslufthammers, weil ganz in der Nähe eine Baustelle eingerichtet worden ist. Der Krach ist enorm, und die Stoßwellen verteilen sich derart, dass in unserem Büro die Deckenlampen vibrieren.

Unterschätzte Risiken: Verkehrslärm und Luftschadstoffe

Für meine Gesundheit war der Bürowechsel ein schlechter Tausch, wenn ich mich recht an eines der Themen des großen Diabetes Kongress 2015 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin erinnere. Dort hieß es nämlich: “Verkehrslärm wurde kürzlich als zweitgefährlichste umweltbedingte Gesundheitsbedrohung nach Luftschadstoffen eingestuft.” Merken Sie was? Luftschadstoffe gibt es doch an der viel befahrenen Straße bestimmt auch mehr als im Hinterhof!

Alles sehr interessant, und es gibt auch eine Verbindung zum Diabetes: “In einer dänischen Studie an 57.000 Erwachsenen zeigte sich bei einem Anstieg des Verkehrslärms um 10 Dezibel ein 8 bis 11 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes.” Warum ist das so?

Auch das wurde untersucht – und die Forscher haben herausgefunden, dass unter anderem ein gestörter Tiefschlaf die Regulation des Zuckerstoffwechsels beeinträchtigt. “Demnach könnten insbesondere Schlafstörungen und Stressreaktionen den Zusammenhang zwischen Lärm und der Entstehung beziehungsweise Verschlechterung von Diabetes erklären”, hieß es beim Kongress.

Grundsatzfrage: Was ist uns wichtiger?

Die meisten von uns möchten jederzeit mobil sein und z. B. auch die große Auswahl beim Einkauf nicht missen. Aber wie man sieht, zahlen wir dafür auch einen Preis. Paradox: Um dem Lärm zu entkommen, flüchten wir im Urlaub in ruhigere Gegenden und exportieren dadurch meistens den Lärm in die Stille. Weniger Verkehr wäre schön, aber wir müssten umdenken, uns umstellen und auch Nachteile in Kauf nehmen. Was ist uns wichtiger?

Der Presslufthammer hat nun Pause – übrig bleibt der Straßenlärm mit ungefähr 80 Dezibel, gedämpft durch die Fenster. Jetzt mal kurz lüften? Vielleicht, wenn die Rush Hour vorbei ist.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Alex Adabei

Alex Adabei war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Frau mit vielen Bekannten und Verwandten mit Typ-2-Diabetes, die von ihren Typ-F-Erfahrungen berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (7) Seite 88

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Hauterkrankungen bei Diabetes: Welche Formen und Symptome häufig auftreten
Diabetes kann mit verschiedenen Hautproblemen einhergehen. Das reicht von Irritationen über autoimmun ausgelöste Erkrankungen bis zu Infektionen. Normnahe Blutzuckerwerte sind auch hier oft der beste Schutz. Welche Hauterkrankungen können auftreten, was unterstützt die Pflege und wann ist ärztliche Abklärung wichtig?

10 Minuten

Diabetes-Anker-Podcast: Wie können KI und Chatbots die Diabetes-Therapie unterstützen, Herr Prof. Ehrmann?
Wo wird künstliche Intelligenz in der Diabetes-Therapie heute schon eingesetzt, und was bleibt Zukunftsmusik? Im Diabetes-Anker-Podcast spricht Prof. Dr. Dominic Ehrmann über KI in AID-Systemen, Chatbots für Therapie-Fragen und weitere Einsatzgebiete. Zudem geht es um den Druck durch Zielwerte.
Porträt von Prof. Ehrmann in blauem Sakko und dunklem Hemd vor hellblauem Hintergrund. Rechts oben das Logo des Diabetes-Anker-Podcasts.

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 1 Tag, 15 Stunden

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 1 Tag

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • florahdo postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂