Kurz weggerutscht – Protokoll eines Radunfalls

3 Minuten

Kurz weggerutscht – Protokoll eines Radunfalls

28. November 2012, der Unfallmorgen: Ich hebe meinen Kopf vom Asphalt. Vorsicht! Schon dieser Millimeter löst Brechreiz aus. Ich liege auf dem Radweg – im Dreck, in klammen Klamotten. Nur ein kurzer Moment, in dem ich auf nassem Laub mit dem Hinterrad wegrutschte – dabei verlor ich das Gleichgewicht. Ich flog über den Lenker und knallte auf den Boden.Dem Krachen und Knacken im linken Bein folgte ein heißer, stechender Schmerz im Knie.

Ein neugieriger Halbkreis hat sich formiert, Passanten starren auf mich herab, fragen:

Wissen Sie, dass ich Diabetes habe? Nein!

"Sagen Sie dem Rettungsdienst unbedingt, dass ich Diabetes habe und eine Insulinpumpe trage", flüstere ich. "Das ist sehr wichtig!" Minuten später hält ein Rettungswagen, behutsam hebt man mich auf die Trage. "Ich habe Diabetes, hat man Ihnen das ausgerichtet?"

Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses: Meine Diabetes-Angaben wiederhole ich noch 5-mal, bei jeder Schwester und jedem Pfleger, die meinen Weg kreuzen. Schmerzmittel dämpfen meine Wahrnehmung. Die Stunden ziehen sich hin, bis ein Unfallchirurg endlich mein Röntgenbild ins Licht hält und die Stirn runzelt. Ob er weiß, dass ich Diabetes habe?

Schlimmste Knieverletzung

Der Knochen-Doc tippt die Info "Typ-1-Diabetes" in den Rechner und offenbart mir, was ich habe: eine Trümmerfraktur des Schienbeinkopfes

Die nächsten beiden Wochen dämmere ich unter starker Schmerzmittelgabe – darunter auch Morphine – vor mich hin, darf außer auf die Toilette nicht aus dem Krankenbett. Meine Diabetes-Einstellung bleibt mir überlassen. Ich messe meinen Blutzucker und wechsele bei Bedarf den Pumpenkatheter. Nach meinem Blutzuckerwert fragt man mich in 14 Tagen exakt zweimal: am Operationstag – vor und nach der OP. Eine Woche muss ich eine Gipsschiene tragen, bis die ausgeprägte Schwellung meines Knies abklingt und man mich operieren kann.

Vierstündige OP – Pumpe bleibt dran

Der Eingriff ist am 5. Dezember um 8 Uhr morgens. Die Operation dauert etwa 4 Stunden. Neben einer rund 20 Zentimeter langen Winkelplatte und 8 Schrauben, die als Material eingebaut werden, nehmen die Chirurgen eine

Im Vorfeld hatte ich den Ärzten bei jeder Visite gesagt, dass sie meine Insulinpumpe bei der Operation unbedingt dranlassen sollen, um Blutzuckerentgleisungen zu vermeiden. Für die OP lege ich den Katheter seitlich am Oberkörper an, damit die Chirurgen alles steril halten können. Morgens starte ich mit einem Wert von 180 mg/dl (10 mmol/l), den ich nicht nach unten korrigiere. Als ich wach werde, ist mein Blutzucker noch auf diesem Level. Meine Wundheilung verläuft gut, eine Woche später verlasse ich das Krankenhaus.

Zeit der Entschleunigung…

Es beginnt die Zeit der unfreiwilligen Entschleunigung – oder besser: der Immobilität. Ich trage eine Orthese, die mein operiertes Bein stabilisiert. 8 Wochen darf ich es gar nicht bzw. kaum belasten. Anfangs kann ich vor Schmerz kaum sitzen oder schlafen, weder allein duschen noch Treppen steigen. Später, als ich wieder vor die Tür gehe, schleppe ich mich mit Gehstützen vorwärts. Selbst Rolltreppen sind mir zu schnell, alte Leute überholen mich mit dem Rollator. Kann ich jemals wieder normal laufen? Zweifel.

Im Nachgang lässt sich sagen, dass die Chirurgen im Krankenhaus einen richtig guten Job gemacht haben: Mein OP-Ergebnis ist erste Liga. Eine einzige Katastrophe war allerdings die ambulante Nachbehandlung, die ich mit "Ärztehopping" von einer orthopädischen Praxis zur nächsten verbrachte:

…und Ärztehopping!

Das reichte, ich hatte die Nase voll von Ärzten! Und setzte auf das, was mir schon vor dem Unfall geholfen hatte: eine ganzheitliche Behandlung – mit

Nach über 4 Monaten des Kämpfens und Wartens dann die Bewilligung für die Reha-Klinik Hohenelse in Brandenburg, die sich auf Orthopädie und Diabetes spezialisiert hat.

Diesem stationären Aufenthalt folgt gerade eine 6-monatige intensivierte Reha-Nachsorge (IRENA) in einem Berliner Gesundheitszentrum. Ich habe keine Schmerzen mehr, mein Gangbild ist fast normal, und es geht Schritt für Schritt weiter vorwärts. "Bei dem ganzen Material, das Sie im Bein haben, bewegen Sie sich erstaunlich gut!" staunte der Arzt.

Platte und Schrauben müssen sicher irgendwann wieder raus. Aber dafür ist jetzt auch noch Zeit …

Fragen Sie nach dem OP-Verlauf!

Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz, Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0,
Fax: (0 61 31) 9 60 70 90, E-Mail:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL-Cholesterin-Senkung

Bereits eine kurze, strikt durchgeführte Haferkur mit Kalorienreduzierung kann den Fettstoffwechsel über mehrere Wochen positiv beeinflussen. Darauf weist eine Studie der Universität Bonn hin, die den Effekt einer intensiven Haferzufuhr über zwei Tage auf den LDL‑Cholesterin-Spiegel bei Menschen mit metabolischem Syndrom untersuchte.
Zwei Tage intensive Haferkur reichen aus: Studie zeigt deutliche LDL‑Cholesterin-Senkung | Foto: sonyakamoz – stock.adobe.com

3 Minuten

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 6 Tagen, 23 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände