- Behandlung
Lieferengpässe: Wie reagiert die Apotheke darauf?
4 Minuten
Derzeit sind auch Patienten mit Typ-2-Diabetes von Lieferengpässen bei ihrer Medikation betroffen: So sind zeitweise einige Arzneimittel mit den Wirkstoffen Metformin und Sitagliptin nicht lieferbar. Was genau passiert in einer Apotheke in einer solchen Situation? Was kann die Apotheke leisten, um ihren Kunden eine sichere Therapie zu ermöglichen? Diese Prozesse zu verstehen, wird Ihnen bei der Entscheidung helfen, wenn Sie einmal in eine solche Situation kommen.
Erika M., 70 Jahre alt, hat seit vielen Jahren Typ-2-Diabetes. Sie kommt stets in ihre Stamm-Apotheke, um ihr Rezept einzulösen über Metformin 1000 mg, 120 Stück, N2 sowie Januvia 100 mg, 98 Stück, N3. Laut Computeranzeige in der Apotheke erhält Frau M. ihr Metformin immer von demselben Hersteller in einer roten Packung. Der Hersteller wird dabei von ihrer Krankenkasse bestimmt, die mit diesem einen Liefervertrag geschlossen hat und dafür einen Herstellerrabatt erhält (Rabattvertrag).
Auch heute erwartet Erika M. ihr gewohntes Arzneimittel. Aufgrund eines Lieferengpasses, der derzeit einige Hersteller metforminhaltiger Arzneimittel betrifft, kann sie ihre erwartete rote Packung aber dieses Mal nicht bekommen. Auch Januvia 100 mg Filmtabletten, 98 Stück, N3, die den Wirkstoff Sitagliptin enthalten, seien momentan nicht verfügbar, sagt ihr die Apothekerin.
Die Apothekerin versucht nun, das passende Medikament über verschiedene Zwischenlager (Großhändler) oder über den Hersteller direkt zu erwerben. Hierbei kann die Apothekerin dank einer digitalen Vernetzung binnen Minuten sämtliche Lagerbestände in allen Häusern der Großhändler in ganz Deutschland abfragen. Die ausgeklügelte Logistik der Großhändler untereinander tauscht über Nacht die Packungen so aus, dass eine z. B. nur in Bayern vorrätige letzte Packung schon am folgenden Tag in die Apotheke in Westfalen geliefert werden kann.
Rote Packung ist nicht verfügbar …
Leider ist aber in ganz Deutschland keine passende Packung mehr erhältlich. Von ihrer Apothekerin wird Frau M. nun über mögliche Alternativen informiert. Die Apothekerin erklärt ihr, dass der Packungswechsel sicher ärgerlich sei, es aber umso wichtiger sei, dass sie ihre Medikamente ohne Unterbrechung einnehmen könne. Komme es zu einem Abbruch der Therapie, so müsse unter Umständen z. B. Metformin wieder neu aufdosiert werden, also mit niedrigen Dosierungen begonnen und dann langsam gesteigert werden. Zudem würden als Folge der Nichteinnahme die Blutzuckerspiegel natürlich wieder steigen. Dies alles soll unbedingt vermieden werden.
Für Erika M. handelt es sich bei Metformin in der roten Packung um „das Originalprodukt“. Aus pharmazeutischer Sicht ist dies nur eines der Nachahmerprodukte, in dem Fall vom „roten“ Unternehmen. Neben diesem existieren viele weitere Anbieter metforminhaltiger Arzneimittel. Frau M. befürchtet Unterschiede in der Qualität zwischen den verschiedenen Herstellern, aber dafür gibt es objektiv keine nachprüfbaren Anhaltspunkte. Dass ein Wechsel der Packung zur Verunsicherung führt, ist hingegen nachvollziehbar.
Die Apothekerin schlägt also vor, dass Erika M. ihr Metformin von einem anderen Unternehmen erhält. Hierzu ist die Apotheke bei Lieferengpässen ermächtigt. Die Apothekerin muss die Lieferprobleme auf dem Rezept dokumentieren und darf dann das Präparat eines anderen Herstellers abgeben. Die Versorgung der Patienten hat schließlich Vorrang vor finanziellen Interessen der Krankenkassen.
Die Patientenseite
Erika M. ist allerdings skeptisch. Packungsfarbe und Tablettenform bringen sie durcheinander, denn sie nimmt noch sieben weitere Medikamente ein, bei denen es zuletzt auch schon Wechsel gab. Sie möchte daher unbedingt das Medikament desselben Unternehmens wie zuvor erhalten und bittet die Apothekerin, dies irgendwie zu ermöglichen. Die Apothekerin prüft nun, ob sie die Patientin statt mit einer Packung mit 120 Tabletten mit vier Packungen mit jeweils 30 Tabletten des „roten“ Unternehmens versorgen kann.
Allerdings müsste in dem Fall die Apothekerin eine etwaige Preisdifferenz (vier kleine Packungen sind meistens teurer als eine große) von der Patientin einfordern, was eigentlich nicht vorgesehen ist. Alternativ könnte die Apothekerin auch versuchen, Erika M. die doppelte Anzahl an Metformin-Tabletten in der halben Dosis, also 500 mg, zu bestellen, sodass sie statt einer Tablette à 1.000 mg nun zwei Tabletten à 500 mg Metformin einnehmen müsste.
Dafür muss die Apothekerin aber in der Arztpraxis anrufen, das Rezept ändern lassen und dann auch die doppelte Zuzahlung von Erika M. kassieren und an die Krankenkasse abführen. Zudem würde sich für Erika M. durch die zwei Tabletten statt einer ebenfalls eine vielleicht verwirrende Änderung ihrer Medikation ergeben.
Die Realität ist aber so
Tatsächlich verfährt jede Apotheke aber täglich genau so, allerdings nur dann, wenn gar keine Lösung gefunden werden kann, weil überhaupt nichts Passendes lieferbar ist. In ähnlichen Situationen ist der Wechsel auf einen anderen Hersteller bei gleicher Wirkstärke und Tablettenzahl sicher für alle Beteiligten der eleganteste Weg. In jedem Fall kostet das Vorgehen die Patientin, die Apotheke und ggf. die Praxis viel Zeit und Mühe – Zeit, die sicher besser in eine Besprechung der Medikation investiert werden sollte als in formale Aspekte. Für Erika M. ist der Wechsel in jedem Fall ein Ärgernis.
Und die nächste Überraschung wartet schon bei Januvia: Hier ist im Beispiel für Erika M. derzeit keine einzige Wirkstärke und Packungsgröße verfügbar, auch nicht die Packung mit 98 Tabletten à 100 mg, die sie eigentlich erhalten soll. Die Apothekerin hat aber Xelevia in ihrer Apotheke vorrätig und zwar in der passenden Stärke und Packungsgröße. Nun ist hier nicht, wie z. B. bei Metformin, der Name ähnlich und nur die Packungsfarbe anders, sondern es scheint sich vordergründig um ein gänzlich anderes Medikament zu handeln.
Die Apothekerin beruhigt Erika M. nun und erklärt ihr, dass es sich bei Januvia (von MSD Sharp & Dohme) und Xelevia (von Berlin-Chemie) um das gleiche Originalpräparat mit noch bestehendem Patentschutz handle. Die Zulassung hinsichtlich der Wirkweise von Januvia und Xelevia zur Anwendung bei Typ-2-Diabetes ist identisch. Diese als Parallelarzneimittel bezeichneten Originale sind, sofern es durch die Vorgaben der Krankenkassen nicht auch so schon geschieht, während eines Lieferengpasses austauschbar.
Fazit
Erika M. konnte trotz bestehenden Lieferengpasses von ihrer Apothekerin adäquat mit ihren Medikamenten versorgt werden. Die ausgeklügelte EDV in den Apotheken und die schnelle Logistik der Großhändler unterstützten sie dabei. Erika M. reagiert dennoch verärgert und enttäuscht, ist aber dankbar, dass ihre Apothekerin ihr bei diesem Engpass geholfen hat. Das gewachsene Vertrauen zwischen der Patientin und der Apothekerin hat hier ermöglicht, dass die Therapie nicht gefährdet wurde.
- Lieferengpässe und Verunreinigungen: Reale Risiken und unnötige Sorgen
- Sichere Arzneimittel aus der Apotheke
- Lieferengpässe: Wie reagiert die Apotheke darauf?
Autoren:
| Julia Freckmann Apothekerin, AMTS- Managerin diabetologisch qualifizierte Apothekerin (DDG) Elefanten-Apotheke Steinstraße 14, 48565 Steinfurt |
Dr. Olaf Rose Apotheker, PharmD diabetologisch qualifizierter Apotheker (DDG) Elefanten-Apotheke Steinstraße 14, 48565 Steinfurt |
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (6) Seite 27-29
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Technik
Darauf ist zu achten: Sicher mit dem Insulinpen umgehen
3 Minuten
- Bewegung
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause
2 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
marina26 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 1 Tag, 7 Stunden
Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!
-
wolfgang65 postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 2 Tagen, 3 Stunden
Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!
Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.
Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.
LG Wolfgang
-
laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 2 Tagen, 22 Stunden
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
-
suzana antwortete vor 2 Tagen, 20 Stunden
Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter! -
laila antwortete vor 2 Tagen, 17 Stunden
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊
-
wolfgang65 antwortete vor 2 Tagen, 3 Stunden
Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.
Gruss Wolfgang
-
michatype3 antwortete vor 2 Tagen, 3 Stunden
Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.
-
