- Behandlung
Müssen auch Fett und Eiweiß berechnet werden?
3 Minuten
Um zu berechnen, wie viel Insulin nötig ist, um eine Mahlzeit abzudecken, muss man wissen, wie viele Kohlenhydrate sie enthält. Aber was ist mit Mahlzeiten, die unverhältnismäßig viel Eiweiß und/oder Fett enthalten? Für diese Fälle lohnt es sich, über die Fett-Protein-Einheit Bescheid zu wissen.
Kohlenhydrate lassen den Blutzucker ansteigen. Wer Insulin nutzt, um seinen Diabetes zu behandeln, rechnet in der Regel aufgrund des Kohlenhydratanteils seiner Mahlzeit aus, welche Insulinmenge nötig ist. Die gleiche Menge an Kohlenhydraten kann jedoch den Blutzucker schneller oder langsamer ansteigen lassen – und zwar abhängig davon, wie die Mahlzeit zusammengesetzt ist:
Enthält die Mahlzeit viele Ballaststoffe, steigt der Blutzucker langsam an. Weniger bekannt ist, dass der Anstieg des Blutzuckers auch verlangsamt ist, wenn fett- und eiweißreiche Lebensmittel gegessen werden.
Fett
Durch Fett verzögert sich die Magenentleerung und die Kohlenhydrate werden verspätet ins Blut aufgenommen. Kohlenhydrate, die zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit verzehrt werden, lassen den Blutzucker also langsamer ansteigen als die gleiche Menge Kohlenhydrate, die ohne Fett aufgenommen wird. Ein Beispiel dafür ist das fettreiche Sahneeis, dass den Blutzucker langsamer ansteigen lässt ein Wassereis mit dem selben Glukosegehalt.
Hinzu kommt, dass aus Fetten Glukose produziert wird, wenn nicht genug Insulin zur Verfügung steht, um Glukose ins Blut aufzunehmen. Die Folge dieser zwei Mechanismen: Nach einer fettreichen Mahlzeit am Abend – zum Beispiel einer Pizza – steigt der Blutzucker in der Nacht an.
Eiweiß
Werden Eiweiße und Fette zusammen mit ausreichend Kohlenhydraten gegessen, muss der Eiweißanteil bei der Berechnung der Insulindosis nicht beachtet werden. Wird jedoch sehr viel Eiweiß gegessen – zum Beispiel während eines Grillabends mehrere Würstchen oder Steaks – steigt der Blutzucker bis zu mehrere Stunden nach der Mahlzeit an – Grund hierfür ist ebenfalls eine verzögerte Magenentleerung. Auch wird die große Eiweißmenge verzögert in Glukose umgewandelt und ins Blut abgegeben. Die Folge: ein verzögerter Anstieg von Blutglukose über mehrere Stunden.
Was tun bei eiweiß- und fettreichen Mahlzeiten?
Für Mahlzeiten mit hohem Fett- und Eiweißanteil gilt, dass die aufgrund von Kohlenhydraten berechnete Insulinmenge möglicherweise nicht ausreichend ist und es zu einem verzögerten Blutzuckeranstieg kommt. Zusätzliches Insulin ist dann notwendig.
Zunehmend wird deshalb neben der Kohlenhydrateinheit (KE) eine zusätzliche Berechnungseinheit verwendet: die Fett-Protein-Einheit (FPE). Eine FPE steht für 100 Kilokalorien (kcal) in Form von Fett und Eiweiß.
100 kcal aus Fett und Eiweiß = 1 FPE
Wie wird umgerechnet?
Mit Hilfe von Kalorientabellen kann für die jeweiligen Lebensmittel der Fett-, Eiweiß-, und Kaloriengehalt berechnet werden, bei Fertigprodukten kann man diese Angaben der Packungsaufschrift entnehmen.
Die Umrechnung der FPE in die zu spritzende Insulinmenge erfolgt mit einem Faktor, der dem KE-Faktor gleichzusetzen ist – das heißt, die berechnete FPE wird mit dem gültigen KE-Faktor multipliziert und damit die zusätzliche Insulinmenge berechnet.
Dieses Insulin kann ca. ein bis zwei Stunden nach der Mahlzeit zusätzlich gegeben werden, bei der Spritzentherapie durch eine zusätzliche Injektion, bei der Pumpentherapie z. B. durch einen verlängerten Bolus. Wie im Einzelnen berechnet und wann das Insulin gegeben wird, ist individuell unterschiedlich und muss zusammen mit der Ernährungsberaterin und dem Arzt festgelegt werden.
Nährwertangaben je 100 g Pizza (im Durchschnitt):
- Brennwert: 234 kcal (982 Kilojoule)
- Eiweiß: 10 g
- Kohlenhydrate: 24,5 g
- Fett: 10,7 g
1 g Kohlenhydrate = 4 kcal; 1g Eiweiß = 4 kcal; 1 g Fett = 9 kcal
Nährwerte einer Pizza von 350 g:
- Brennwert: 819 kcal
- Eiweiß: 35 g
- Kohlenhydrate: 85,75 g (also 8,5 KE, was 343 kcal entspricht)
- Fett: 37,45 g
Berechnung der FPE:
Gesamtkalorien – Kalorien aus den Kohlenhydraten = Kalorien aus Eiweiß und Fett
819 kcal – 343 kcal = 476 kcal
Die 476 kcal aus Eiweiß und Fett entsprechen 4,5 FPE
Muss der FPE-Anteil jetzt immer berechnet werden?
Nein, eine so differenzierte Berechnung des FPE-Anteils ist sicherlich nicht täglich notwendig, da bei einer ausgewogenen Ernährung Fette und Eiweiße in der Insulinberechnung zu vernachlässigen sind. Kommt es aber zu unerklärlichen Blutzuckeranstiegen nach den Mahlzeiten, sollte an die mögliche Beeinflussung des Blutzuckers durch Fette und Proteine gedacht werden.
- Grillabend mit viel Fleisch
- Besuch im (Fast Food-) Restaurant
- Abendessen bei (Klein-) Kindern (z. B. Würstchen …)
- (vorübergehende) einseitige Ernährungsweise
- Energiereiche Gerichte (Lasagne, Pizza, Leberkäse, Ofenkäse …)
Warum die FPE-Berechnung manchmal sinnvoll sein kann, erklärt Diabetologe Dr. Lippmann-Grob (Bad Mergentheim) im Interview. Er gibt viele praktische Tipps und verrät zwei Varianten für die Berechnung der Fett-Protein-Einheit.
Wie Insulinpumpenträger geschickt mit größeren Mengen an Eiweiß und Fett umgehen können, schildert Alisa Hilpert, tätig in der Ernährungsberatung am Diabetes Zentrum Mergentheim.
Eiweißreiche Diäten liegen im Trend, Kohlenhydrate gelten vielen als ungünstig und sie ernähren sich „low carb“, nehmen also nur wenige Kohlenhydrate zu sich. Aber sind Kohlenhydrate wirklich so schlecht? Dieser Frage geht Carolin Sandt von der Blood Sugar Lounge nach.
von Redaktion Diabetes-Eltern-Journal
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Monat
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
