- Behandlung
Neue Einteilung in Subtypen: Diabetes ist nicht gleich Diabetes
4 Minuten

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass es mehrere Untergruppen (Subtypen) der Stoffwechselerkrankung Diabetes gibt. Je nach Subtyp haben Patienten ein unterschiedlich hohes Risiko für Folgeerkrankungen wie Fettleber und Schädigungen an den Augen, Nerven oder Nieren.
Diabetes ist eine Erkrankung, die sehr unterschiedlich verlaufen kann. Einige Menschen mit Diabetes haben nur wenige Beschwerden, andere bekommen zusätzlich Probleme mit Augen, Leber, Nieren oder Taubheitsgefühle in Füßen und Händen. Die herkömmliche Unterscheidung Typ-1- und Typ-2-Diabetes spiegelt die vielfältigen Auswirkungen und Ursachen eines gestörten Glukosestoffwechsels nicht angemessen wider. Studien aus Skandinavien deuten darauf hin, dass es verschiedene Diabetes-Untergruppen gibt.
Fünf Subtypen des Diabetes
Forschende des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Lund in Schweden haben verschiedene Gruppen identifiziert, die die Aufteilung des Diabetes in fünf Subtypen ermöglichen. Diese Subtypen unterscheiden sich deutlich in ihrem Krankheitsverlauf und den damit einhergehenden Komplikationen.
Mithilfe der in Schweden erprobten Analysemethode werteten Wissenschaftler des DZD die Daten von 1.105 Teilnehmern der Deutschen Diabetes Studie (German Diabetes Study, GDS) aus und konnten so verschiedene Subtypen des Diabetes mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkrankungen wie Fettleber und Schädigungen der Augen, Nerven oder Nieren identifizieren.

Die Deutsche Diabetes Studie, die in acht Studienzentren in Deutschland durchgeführt wird, begleitet Patienten mit einem neu diagnostizierten Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, um die Entwicklung der Erkrankungen über einen langen Zeitraum verfolgen zu können.
Drei Subtypen mit hohem Komplikationsrisiko
Die Studie zeigt, dass ein Großteil der Studienteilnehmer an dem milden adipositasbedingten Diabetes (MOD, 35 Prozent) und dem milden altersbedingten Diabetes (MARD, 29 Prozent) erkrankt sind. Beide Subtypen zeichnen sich durch weniger schwere Krankheitsverläufe aus. Die anderen drei Subtypen haben ein hohes Risiko für Komplikationen. Menschen mit schwerem insulindefizienten Diabetes (SIDD, 3 Prozent) können Netzhautschäden entwickeln und leiden an einem Taubheitsgefühl an Händen und Füßen (diabetische Neuropathie).
Deutsche Diabetes Studie (GDS)
Ziel der Deutschen Diabetes Studie ist es, frühzeitig Marker für unterschiedliche Verlaufsformen des Diabetes zu identifizieren, um so neue Konzepte der Therapie und Vorsorge von Folgeerkrankungen zu entwickeln und gezielt einzusetzen. So können frühzeitig auftretende Warnzeichen für Diabeteskomplikationen entdeckt und zugelassene Therapieverfahren parallel miteinander verglichen werden.
Auch der Einfluss der Gene auf den Verlauf der Erkrankung wird untersucht. Teilnehmer der Deutschen Diabetes Studie erhalten kostenlos die Chance zur Früherkennung diabetischer Folgeerkrankungen. An der Langzeitstudie beteiligen sich acht Institute des DZD in ganz Deutschland.
Patienten mit schwerem insulinresistenten Diabetes (SIRD, 11 Prozent) haben vermutlich ein höheres Risiko für Erkrankungen der Nieren (diabetische Nephropathie) und Leber. Der dritte Subtyp mit häufigen Komplikationen ist der schwere Autoimmundiabetes (SAID, 22 Prozent). Dieser Subtyp entspricht dem klassischen Typ-1-Diabetes.
Subtypen bereits bei Diabetes-Vorstufe
Doch nicht nur bei der Diabetes-Erkrankung gibt es Subtypen. Bereits bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel, die ein Vorstadium des Diabetes (Prädiabetes) aufweisen, lassen sich verschiedene Untergruppen unterscheiden. Das zeigen aktuelle Studien des DZD. Nicht jeder Prädiabetiker hat das gleich hohe Risiko, später auch die Stoffwechselerkrankung zu entwickeln. Bei manchen Menschen mit einem Vorstadium von Diabetes können sich die erhöhten Zuckerwerte von allein wieder normalisieren. Andere erreichen das nur durch eine gezielte Ernährungsumstellung und mehr Bewegung.
„Wir haben aber auch eine Gruppe von Prädiabetikern identifiziert, die auf die üblicherweise empfohlene Lebensstiländerung schlechter anspricht: Betroffene dieser Hochrisikogruppe produzieren zu wenig Insulin, leiden an einer Fettleber mit Insulinresistenz und haben folglich die größte Krankheitslast sowie ein höheres Risiko für Folgeerkrankungen“, erläutert Prof. Andreas Fritsche vom DZD-Partner in Tübingen.
Aber was können diese Hochrisikopersonen tun, um sich vor dem Ausbruch von Diabetes zu schützen? Die Antwort darauf liefert die deutschlandweite Untersuchung Prädiabetes-Lebensstil-Interventions-Studie (PLIS). Daran nahmen 1 160 Personen mit Prädiabetes teil. Die Teilnehmer wurden zu Beginn aufwendig untersucht: MRT-Aufnahmen gaben Auskunft über die Menge und Zusammensetzung ihres Bauch- und Leberfetts, der Kohlenhydratstoffwechsel wurde anhand von Hormonen und Biomolekülen charakterisiert.
Intensive Lebensstilveränderung hilft
Anschließend änderten die Probanden für ein Jahr ihren Lebensstil. Sie bekamen alle die Empfehlung, fünf Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen und mehr Vollkornprodukte sowie weniger Fett zu essen. Eine Hälfte sollte sich zudem drei Stunden pro Woche bewegen und führte acht Gespräche mit Ernährungsberatern, die zweite Hälfte machte beides doppelt so intensiv. Nach Ablauf der Studie wurden erneut die Biodaten gemessen.
Die Ergebnisse zeigen: Eine intensive Lebensstilveränderung kann helfen, den Ausbruch von Typ-2-Diabetes hinauszuzögern oder gar zu verhindern. „Erfreulicherweise greift sie auch bei Hochrisikopersonen, bei denen die mäßige Lebensstiländerung diesen Effekt nicht erreicht hat“, betont Fritsche.
Präzisere Behandlung ermöglichen
Doch wie können Menschen mit Diabetes und Prädiabetes von der Einteilung in die Subtypen künftig profitieren? „Die neuen Subtypen werden dazu beitragen, präzise Präventions- und maßgeschneiderte Behandlungsstrategien für die jeweiligen Hochrisikogruppen zu entwickeln“, betont Prof. Michael Roden, DZD-Vorstand und Leiter der Deutschen Diabetes Studie.
„Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Präzisionsmedizin bei Diabetes und seinen Begleiterkrankungen. Doch so interessant und zukunftsweisend diese Einteilung in Subtypen auch ist – es bedarf noch weiterer Studien in anderen Patientengruppen und zur Beurteilung von Therapieerfolgen.“
Daran arbeitet das DZD
Derzeit werden neue Studien vorbereitet; die ersten Studien starten bereits 2021. Ziel ist es, künftig durch eine präzisere Diagnose zu erkennen, an welchem Subtyp der Untersuchte leidet, und mit der dafür zugeschnittenen Prävention bzw. Therapie Diabetes und Folgeerkrankungen zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Sie sind interessiert, an den Studien teilzunehmen oder mehr dazu zu erfahren? Informationen sowie ein Interessentenregister finden Sie unter www.diabinfo.de.
Schwerpunkt: „Neues aus der Diabetes-Forschung“
- Diabetes-Therapie der Zukunft
- Neue Einteilung in Subtypen: Diabetes ist nicht gleich Diabetes
- Vernetzte Daten für die Diabetes-Forschung
von Prof. Dr. Andreas Fritsche und Univ.-Prof. Dr. Michael Roden
Prof. Dr. Andreas Fritsche ist Internist und Diabetologe. Er hat die W3 Professur „Ernährungsmedizin und Prävention“ an der Universität Tübingen inne und ist stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtzzentrums München an der Universität Tübingen. Am Universitätsklinikum Tübingen leitet er zudem die Abteilung „Prävention und Therapie des Diabetes mellitus“ sowie die Diabetesstation und Diabetesambulanz. Von Mai 2023 bis Mai 2025 war er Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Univ.-Prof. Dr. Michael Roden ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologe und Diabetologe. Er ist tätig als Sprecher des Vorstands und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums (DZD) sowie Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD).
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (12) Seite 20-22
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

2 Minuten
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
olivers postete ein Update vor 7 Stunden, 14 Minuten
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliverzojou96 postete ein Update vor 1 Tag, 8 Stunden
Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂
darktear postete ein Update vor 2 Tagen
Hallo,
hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁LG Sandra
- olivers antwortete vor 7 Stunden, 7 Minuten
Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
Gruß Oliver



