Diabetes-Therapie der Zukunft

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Diabetes-Therapie der Zukunft

Wie kann man starkes Übergewicht bekämpfen und so die Entwicklung von Typ-2-Diabetes verhindern? Lassen sich Bauchspeicheldrüsen oder die insulinproduzierenden Betazellen ersetzen? Forschende des Deutsches Zentrums für Diabetesforschung (DZD) arbeiten an neuen Ansätzen für die Therapie und Prävention, um ­in Zukunft Diabetes zu verhindern und besser zu behandeln.

Starkes Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch nicht immer lässt sich mit gesunder Ernährung und mehr Bewegung das Gewicht so stark wie gewünscht reduzieren.

Kombinierte Hormone gegen Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes

Ein Team um Prof. Matthias Tschöp und Dr. Timo Müller aus München sowie Richard DiMarchi (USA) und Brian Finan (Dänemark) arbeiten an einer Serie neuer Wirkstoffe zur Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Ihr neuartiger Ansatz: Sie kombinieren verschiedene Hormone in einem einzigen hochwirksamen Wirkstoff. Diese neuen Wirkstoffe verbessern nicht nur die Blutzuckerwerte, sondern reduzieren auch das Gewicht und Körperfett deutlich stärker als bislang verfügbare Therapien.

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)

  • gegründet 2009
  • gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Länder
  • nationales Zentrum mit mehr als 400 Wissenschaftlern und Klinikern
  • Mehrwert durch translationale, fächerübergreifende Diabetesforschung im Verbund
  • Information der Öffentlichkeit
  • Ausbildung und Förderung von medizinischen und klinischen Wissenschaftlern in der Diabetologie
  • Partner: Deutsches Diabetes-Zentrum, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Helmholtz Zentrum München, Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrums München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, München und Schleswig-Holstein und weitere Projektpartner
  • Weiterführende Informationen: www.dzd-ev.de

Mehrere Hormone in einem Molekül

Die Hormone, die zu zweit beziehungsweise zu dritt kombiniert werden, sind GLP-1 (Glucagon-Like Peptide-1) und GIP (Glucose-Dependent Insulinotropic Polypeptide) und Glukagon. Die natürlichen Hormone GLP-1 und GIP werden im Verdauungstrakt gebildet. Sie bewirken eine vermehrte Ausschüttung von Insulin und senken dadurch den Blutzuckerspiegel. Darüber hinaus zügelt GLP-1 den Appetit. Das Hormon Glukagon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und fördert u. a. den Fettabbau. Durch die Kombination der Hormone können gleichzeitig mehrere Kontrollzentren des Stoffwechsels beeinflusst werden.

Den neuartigen Ansatz wollen die Forschenden auch nutzen, um künftig eine Fettleber behandeln zu können. Sie arbeiten an einem kombinierten Wirkstoff, der neben Glukagon auch ein Schilddrüsenhormon enthält. So kann der Wirkstoff gezielt in die Leber gelangen. Das Schilddrüsenhormon hat eine positive Wirkung auf den Fettstoffwechsel. Im Versuchsmodell konnten so nicht nur der Zuckerstoffwechsel und die Cholesterinwerte gesenkt, sondern auch das Körpergewicht und die Verfettung der Leber nachhaltig reduziert werden.

Stoffwechseleffekte der Hormone GLP-1, Glukagon und GIP

Organ Effekt GLP-1 Glukagon GIP
Gehirn Nahrungsaufnahme  
Schutz des Nervensystems  
Leber Glukoseproduktion  
Leberverfettung  
Gallensäureproduktion    
Fettabbau  
Fettaufbau  
Muskeln Insulinempfindlichkeit    
Glukoseaufnahme  
Darm Ausschüttung von Lipoproteinen (HDL, LDL usw.)    
Darmbewegung    
Knochen Knochenaufbau    
Knochenabbau    
braunes Fettgewebe Wärmebildung    
Herz Glukoseverwertung    
Fettstoffwechsel  
Herzfunktion    
Herzschutz    
Entzündung    
Puls    
Herzmuskelzell-Überleben    
Magen Magenbewegung  
Magenentleerung    
Pankreas Insulin-Ausschüttung
Betazell-Bildung    
Betazell-Zerstörung  
Glukagon-Ausschüttung  
Fettgewebe Fettaufbau   *
Fettabbau *
Fettmasse *
Adipokin-Ausschüttung    
* GIP senkt die Fettmasse in einigen Studien, in anderen steigert es die Fettmasse
Pfeil nach oben: Zunahme oder Verbesserung des körperlichen Vorgangs
Pfeil nach unten: Reduktion des körperlichen Vorgangs

In klinischen Studien haben sich erste Wirkstoffkombinationen als vielversprechend zur verbesserten Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes erwiesen. Erste Wirkstoffe befinden sich sogar schon in klinischen Phase-2- und -3-Studien, also in Studien mit Patienten.

Neue Therapieoptionen für Typ-1-Diabetes in der Entwicklung

Weiterhin entwickelt das DZD auch neue Therapiekonzepte für Typ-1-Diabetes. Bei dieser Autoimmunerkrankung zerstören die Abwehrzellen des Immunsystems die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Transplantationen von Bauchspeicheldrüsen bzw. von insulinproduzierenden Zellen können hier helfen. Doch die dafür benötigten Bauchspeicheldrüsen sind rare Spenderorgane.

DZD-Forschende suchen daher nach Wegen, um die körpereigene Insulinproduktion wiederherzustellen. So arbeitet das Team um Prof. Stefan Bornstein und Prof. Barbara Ludwig aus Dresden an einer künstlichen Bauchspeicheldrüse – einer Art Bioreaktor, der gesunde Betazellen enthält, die selbstständig den Blutzuckerspiegel messen und passgenau Insulin produzieren. Die Zellen sind von einer speziellen Teflon-Membran umgeben, die zwar Hormone, Nährstoffe und Sauerstoff ungehindert passieren lässt, nicht aber die körpereigenen Immunzellen.

Dank des besonderen Aufbaus können die verkapselten Inselzellen nicht nur aus menschlichen Spenderorganen, sondern auch aus tierischen Quellen (z. B. Schweinen) stammen. Abgeschirmt durch die Membran könnten die Schweinezellen im Bioreaktor Insulin liefern, ohne das Immunsystem der Betroffenen zu reizen.

Künstliche Bauchspeicheldrüse

Die Xenotransplantation – so nennt man die Übertragung tierischer Gewebe in Menschen – unterliegt strengen Sicherheitsauflagen, um das Risiko der Übertragung neuer Krankheitserreger einzudämmen. Auf diesem schwierigen Weg hat das DZD wichtige Meilensteine erreicht: In zwei Studien konnte Prof. Eckhard Wolf aus München sowohl die Sicherheit als auch die Funktionsfähigkeit der aus Schweinen gewonnenen Inselzellen belegen. Die Studien waren so erfolgreich, dass die neue Technik schon bald an ausgewählten Typ-1-Diabetikern erprobt werden soll.

Ansätze für Zellersatztherapien

Einen anderen Weg, die körpereigene Insulinproduktion wiederherzustellen, können Stammzellen ermöglichen. Sie haben das Potenzial, sich in jeden Zelltyp des menschlichen Körpers zu verwandeln. Doch welche Bedingungen werden benötigt, damit Stammzellen zu Betazellen werden? Hier ist dem Team von Prof. Heiko Lickert (München) ein wichtiger Durchbruch gelungen. Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem es im Labor gelingt, dass menschliche Stammzellen zu insulinproduzierenden Betazellen werden. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Betazellersatztherapie.

Schwerpunkt „Neues aus der Diabetes-Forschung“


von Prof. Dr. Heiko Lickert, Prof. Dr. Barbara Ludwig, Dr. Timo Müller und Prof. Dr. Eckhard Wolf

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (12) Seite 16-18

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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