Verstehen, verarbeiten, managen: Diagnose Typ-2-Diabetes – und nun?

3 Minuten

Verstehen, verarbeiten, managen: Diagnose Typ-2-Diabetes – und nun? | Foto: Photographee.eu – stock.adobe.com
Foto: Photographee.eu – stock.adobe.com
Verstehen, verarbeiten, managen: Diagnose Typ-2-Diabetes – und nun?

Nicht selten fällt ein erhöhter Langzeit-Blutzuckerwert im Rahmen des regelmäßigen Check-ups auf. Andere führt ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen zur Hausärztin. Manchmal bemerkt der Augenarzt Veränderungen am Augenhintergrund. Was bedeutet es, die Diagnose Typ-2-Diabetes zu erhalten?

Lautet die Diagnose „Typ-2-Diabetes“, bedeutet das für viele Betroffene erst mal einen großen Schreck und Unsicherheit. Manche ignorieren oder verleugnen die Krankheit anfänglich. Auch Wut und Frustration können Menschen in der Zeit nach der Diagnose ergreifen und sie geradezu lähmen.

Diese Gefühle sind berechtigt und gehören zum Verarbeiten der Diagnose. Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Betroffenen in dieser Phase nicht alleingelassen sind. Denn um die Erkrankung gut zu managen und Komplikationen möglichst zu verhindern, ist es besonders wichtig, dass Menschen mit Diabetes gut informiert sind, ihren eigenen Körper gut verstehen und sich und ihre Gewohnheiten auf dessen Bedarfe einstellen.

Schulung: Rüstzeug für Selbstmanagement

Ein Herzstück des Behandlungsplans ist die Schulung für Menschen direkt nach der Diagnose, die Grundlagen des Selbstmanagements vermittelt. „Hier bekommen Patienten das Rüstzeug für das Leben mit der Erkrankung“, sagt Dr. Kerstin Pirlich, Fachärztin am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Stoffwechselmedizin in Leipzig. „Sie lernen, die Krankheit besser zu verstehen, und werden über Therapie-Möglichkeiten aufgeklärt. Und sie erfahren, wie wichtig es ist, Eigenverantwortung zu übernehmen.“

Erfolgt die Schulung in einer Diabetes-Schwerpunktpraxis, werden die Schulungen von Diabetesberaterinnen und -beratern oder auch von Diabetesassistentinnen und -assistenten unter ärztlicher Leitung durchgeführt. Dr. Kerstin Pirlich hält es für sinnvoll, Schulungen in Gruppen durchzuführen, in denen Menschen ähnlichen Alters oder mit vergleichbarem Krankheitsbild gemeinsam lernen.

Grundbausteine des Managements und der Therapie sind praktisch immer eine ausgewogene Ernährung und das richtige Maß an Bewegung. Wichtig ist es auch, die eigenen Glukosewerte und ihren Verlauf kennenzulernen. Wie reagiert der Körper, wenn ich bestimmte Lebensmittel zu mir nehme, Alkohol trinke oder nach der Mahlzeit einen Spaziergang mache? „Nur wenn Patienten diese Zusammenhänge verstehen, können sie die Therapie erfolgreich umsetzen“, sagt Dr. Kerstin Pirlich. Die Schulungen klären aber auch über die medikamentösen Möglichkeiten auf, wenn Ernährung und Bewegung nicht (mehr) ausreichen, um die Blutzuckerwerte im Griff zu haben.

Die eigenen Möglichkeiten kennen

Damit Patientinnen und Patienten einen guten Eindruck davon bekommen, wie ihr Blutzucker auf Ernährung und Bewegung anspricht, bemühen sich die Ärztinnen und Ärzte im MVZ Stoffwechselmedizin, alle Teilnehmenden der Schulungen einmalig mit einem Glukose-Sensor auszustatten. Dieser ermittelt etwa zwei Wochen lang kontinuierlich den Glukosewert.

„Den Verlauf beobachten zu können, das macht etwas mit den Menschen“, ist Pirlich überzeugt. Oft sind sie überrascht, wie stark die Werte bei bestimmten Nahrungsmitteln ansteigen. Oder auch, wie nützlich eine kleine Bewegungs-Einheit nach dem Essen sein kann. „Das schärft das Bewusstsein für die eigenen Einfluss-Möglichkeiten auf den Verlauf der Erkrankung.“

Menschen, deren Typ-2-Diabetes bereits medikamentös behandelt wird, empfiehlt Pirlich, etwa alle drei bis sechs Monate für einige Zeit einen Glukose-Sensor zu tragen. „Dadurch sehen sie: Wie weit bin ich gekommen? Was konnte ich umsetzen?“ Auch wenn die Kosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht erstattet werden, rät die Medizinerin zu diesen regelmäßigen Selbstkontrollen.

Dauerhaft einen Sensor zu tragen, hält sie für diese Patientengruppe dagegen nicht für sinnvoll. Für die Therapie sei das nicht nötig und das ständige Beobachten der Werte könne Menschen auch verunsichern. Der potenzielle Nutzen sei deshalb gegen Kosten und möglichen Stress abzuwägen. „Kurzzeitig erhöhte Glukosewerte nach Mahlzeiten sind zum Beispiel bei jungen und älteren Menschen unterschiedlich relevant für den weiteren Verlauf“, sagt sie.

Schulung im DMP

Wer sich bei seiner gesetzlichen Krankenversicherung in ein strukturiertes Behandlungs-Programm (Disease-Management-Programm, DMP) einschreiben lässt, kann und muss regelmäßig an zertifizierten Schulungen teilnehmen.

Austausch mit Betroffenen

Wichtig für alle Betroffenen findet Dr. Kerstin Pirlich dagegen den Austausch mit anderen Betroffenen. „Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen kurz nach der Diagnose.“ Hier teilen „alte Hasen“ nicht nur ihre Erfahrungen mit Bewegung, Ernährung oder Medikamenten.

In der Gruppe gibt es wichtige Tipps für alle Facetten des Lebens mit Diabetes: Welche Rolle spielt die Erkrankung für meine Arbeit? Welche Ansprüche kann ich gegenüber der Krankenkasse geltend machen? Wer sind meine Ansprechpartner für die vielen verschiedenen Fragen, die im Alltag auftreten können? Gruppen vor Ort und die vielfältigen Online-Angebote können wichtige Unterstützung bieten für Menschen mit Diabetes.

von Dr. Ulrike Schneeweiß


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 60-61

zur Beitragsübersicht von Deutscher Diabetiker Bund e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Kochen Backen Diakids: Ein Kochbuch vom Typ F, das Unterstützung verdient
Kochen für Kinder mit Typ-1-Diabetes muss alltagstauglich sein. Genau diesem Anspruch wurde Sandra Harsch mit ihrem Buch „Kochen Backen Diakids“ gerecht. Damit das Buch künftig noch mehr Familien erreichen kann, läuft derzeit ein Crowdfunding für eine zweite Auflage.
Kochen Backen Diakids

3 Minuten

Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V.
Nach mehreren Jahren an der Spitze übergibt Michael Wirtz sein Amt: Neuer Vorsitzender der DiabetesHilfe Nord e.V. wird Reiner Sommer. Wirtz blickt auf gemeinsame Projekte zurück und erklärt, warum er dem Verein trotz Rückzugs weiterhin verbunden bleiben möchte.
Neuer Vorsitzender: Wechsel an der Spitze der DiabetesHilfe Nord e.V. | Fotos: privat

< 1 minute

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 4 Tagen, 21 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂