Praxis und Klinik genau ansehen

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© Kirchheim-Verlag/Frank Schuppelius
Praxis und Klinik genau ansehen

Warum sollte man sich die einen oder anderen Klinik-Qualifikationen oder Praxisschilder einmal genauer ansehen? Dr. Karsten Milek sagt es Ihnen – es geht schließlich um Ihre Gesundheit.

In Deutschland gibt es durchaus hochspezialisierte Einrichtungen und Institutionen, in denen gerade Menschen mit der Erkrankung Diabetes mellitus in der erforderlichen Qualität hervorragend betreut werden können. Wie Sie schon lesen konnten, ist eine Eintragung in das Disease-Management-Programm (DMP)sowohl beim Typ-1- wie beim Typ-2-Diabetes sehr sinnvoll. Damit sind durch die Organisationsform auch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gesichert und die Kostenträger motiviert, Sie als Betroffene bei Ihrem Diabetesmanagement zu unterstützen.

Krank? Zuerst der Hausarzt!

Erster Ansprechpartner wird in Erkrankungsfragen Ihr Hausarzt sein, auch die Diabeteserkrankung, vor allem der Typ-2-Diabetes, gehört insbesondere dazu. Viele Hausarztpraxen setzen das DMP um, sind auch in der Lage, die Schulungsprogramme für Diabetes ohne Insulin- und mit Insulinbehandlung bzw. ein Hypertonie-Schulungsprogramm anzubieten. Es gibt aber Hausarztpraxen, die ihre Patienten nicht direkt in das DMP einschreiben, sondern hier die Zusammenarbeit mit den diabetologischen Schwerpunktpraxen (DSPen) nutzen. Die Hausärzte werden Ihnen dann eine Überweisung zum Spezialisten ausstellen.

“DSP”: Wann überwiesen wird …

Dies ist ebenso erforderlich bei einer unzureichenden Glukosestoffwechsellage, Nichterreichen des Therapieziels bzw. akuten Entgleisungen. Auch hierzu gibt es eindeutige Regelungen im DMP. Explizit muss hierbei nochmals die Rolle der diabetologischen Schwerpunktpraxis genannt werden: In dieser ist nicht nur der Diabetologe selbst Ansprechpartner, sondern auch qualifiziertes Fachpersonal wie die Diabetesberaterin, Diabetesassistentin, Wundschwester sowie gegebenenfalls auch die Diätassistentin.

Viele dieser Praxen sind besonders spezialisiert auf die Insulinpumpentherapie, die Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms und anderer Komplikationen. Außerdem kann der Diabetologe in seiner Einrichtung Ihren Schulungsbedarf genau einschätzen.

Verschiedenste Schulungen

Diabetologische Schwerpunktpraxen sind in der Lage, verschiedene modulare Schulungsprogramme je nach Bedarf des Patienten einzusetzen. Es gibt bereits eine Vielzahl evaluierter Schulungsprogramme für unterschiedlichste Zielgruppen wie: Programme, die gezielt auf ältere Menschen ausgerichtet sind; oder für Patienten, die Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung ihrer Hypoglykämien haben; oder für Patienten, die bereits eine bestehende diabetische Polyneuropathie haben; oder Patienten, die eine intensivierte Insulintherapie umsetzen, eine Insulinpumpentherapie haben usw.

Der Diabetologe wird den Auftrag der Stoffwechselüberprüfung und gegebenenfalls Neueinstellung umsetzen und Sie in der Regel in zwei bis drei Quartalen mit den entsprechenden Hinweisen zum Hausarzt zurückschicken.

Wie aber verfahren, wenn ein stationärer Aufenthalt erforderlich wird? Auch hier konnten Sie schon lesen von den vielfältigen Ausrichtungen der Krankenhäuser; so beschreibt das Zertifikat Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG), dass das Krankenhaus die auch in der tabellarischen Darstellung (siehe ShutterLink Seite 30) erkennbaren Voraussetzungen zur Betreuung des Diabetes im jeweiligen Haus umgesetzt hat. Sind Sie also als Diabetespatient mit einer akuten Erkrankung oder geplanten Operation eingewiesen, können Sie davon ausgehen, dass vor Ort auch Ihre Diabetesbetreuung gesichert ist.

Sollten Sie allerdings aus direkten, diabetesbezogenen Gründen die Einweisung erhalten haben, empfehlen wir eine Klinik, die als Diabeteszentrum DDG bzw. Diabeteszentrum Diabetologikum DDG zertifiziert ist. Die alle drei Jahre erneut zu beantragende Qualifizierung sichert den höchsten diabetologischen Standard. Soll Ihr Diabetes neu eingestellt werden? Sollen schwere Komplikationen behandelt werden oder eine ausgeprägte Insulinresistenz? Die gute Behandlung dieser und aller weiteren individuellen Diabetes-Probleme sind in diesen Einrichtungen sichergestellt – durch die vorzuhaltenden Qualitätsstandards.

Die beiden letztgenannten Zertifizierungen finden Sie auch in vielen diabetologischen Schwerpunktpraxen. Es lohnt sich also, Praxisschilder und Krankenhausqualifikationen einmal aus Sicht der eigenen Erkrankung genau anzuschauen. Wir empfehlen Ihnen, sich gezielt zu informieren, um die Möglichkeiten für eine optimale Versorgung erkennen zu können. Es geht schließlich – wie man so schön sagt – um Ihre Gesundheit.


von Dr. Karsten Milek
An der Pforte 5
06679 Hohenmölsen
E-mail: office@doc-milek.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (11) Seite 32-33

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    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

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