- Behandlung
Schlechte Diabetes-Einstellung – Risiko für Asthma und COPD
3 Minuten

Wer als Diabetiker einen HbA1c-Wert um 9 Prozent oder höher hat, hat ein höheres Risiko für Lungenleiden wie Asthma oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Was unterscheidet die Krankheitsbilder? Beim Hausarzt kann schon vieles abgeklärt werden.
Studien zeigen erhöhtes Risiko durch Diabetes
Eine große Studie aus den USA (Berkeley) zeigte: Vor allem Diabetiker mit einer schlechten Blutzuckereinstellung haben ein höheres Risiko, an Asthma, Lungenentzündungen, einer chronischen Raucherbronchitis oder an einer Lungenfibrose zu erkranken.
Inwieweit es eine eigene diabetische Pneumopathie (diabetische Lungenerkrankung) gibt, scheint unter Experten nicht geklärt; nach einer Studie bei Typ-2-Diabetikern (Freemantle Diabetes Study) hat deren Lungenfunktion innerhalb von 7 Jahren um durchschnittlich das Doppelte abgenommen im Vergleich zu Nichtdiabetikern!
Diagnose kann Hausarzt stellen
Ein wichtiges Maß für die eingeschränkte Lungenfunktion ist die 1-Sekunden-Kapazität (FEV1); die FEV1 ist das Volumen in der Lunge, das bei maximaler Einatmung anschließend in einer Sekunde wieder ausgeatmet werden kann. Dies ist auch beim Hausarzt relativ einfach zu überprüfen mit Hilfe eines Spirometers (fragen Sie danach).
Auch die maximale Atemstromstärke beim Ausatmen (Peak Expiratory Flow, PEF) nahm bei Diabetikern stufenweise ab. Bei einem Anstieg des HbA1c-Wertes um etwa 1 Prozent fiel bei den Patienten in einer weiteren Studie das maximale ausatembare Lungenvolumen (forcierte Vitalkapazität, FVC) um 4 Prozent ab.
Hohe BZ-Werte, verschlechterte Lungenfunktion
In einer weiteren Studie bei über 1.600 Nichtdiabetikern im Alter zwischen 40 und 60 Jahren fand sich eine verschlechterte Lungenfunktion – je höher der 2-Stunden-Blutzuckerwert nach einer Mahlzeit war, desto schlechter war sie, ebenso bei deutlich erhöhtem HbA1c-Wert und steigender Insulinresistenz. In Fachmagazinen wird diskutiert, ob die chronische Atemstörung in gewissem Maße den Diabetes sogar vorhersagt.
Der Sauerstoffaustausch zwischen den kleinsten Blutgefäßen und den Alveolen der Lunge scheint vor allem bei Diabetikern in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung eingeschränkt zu sein. Diese Mikrozirkulationsstörung lässt sich auf eine diabetische Mikroangiopathie der Lungengefäße zurückführen.
Unterschiedliche Lungenerkrankungen
Es gibt allgemeine Zeichen für Lungenerkrankungen sowie spezielle Symptome. Allgemeinsymptome sind:
- Gewichtsverlust oft im Zusammenhang mit Appetitlosigkeit,
- Fieber, erhöhte Temperatur,
- Nachtschweiß.
Spezielle Zeichen sind:
- Husten mit oder ohne Auswurf/Bluthusten,
- Luftnot, Erstickungsgefühl,
- Brustschmerz besonders beim Husten/Enge in der Brust.
Von chronischem Husten spricht man erst, wenn die Beschwerden 3 bis 8 Wochen anhalten. Da chronischer Husten nicht immer einer (ernsten) Erkrankung der Lunge zugeordnet werden kann, muss nach einigen Wochen unklarer Beschwerden immer auch eine andere Ursache ausgeschlossen werden – Ursachen können sein:
- krankhafte Veränderungen im Nasen-Rachen-Raum (Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen!),
- Husten/Hüsteln durch Medikamente verursacht, z. B. ACE-Hemmer (wie den Blutdrucksenker Ramipril),
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz), z. B. Wasser in den Beinen, Luftnot beim Gehen, Schlafen nur im Sitzen möglich,
- Fremdkörper im Bronchial-/Lungensystem durch Inhalation,
- Husten nach oder im Rahmen einer akuten Infektion,
- Lungenkrebs (Karzinom).
Bei einer Störung unserer Atmung kann man entsprechend den Aufgaben der Lunge 3 Teilbereiche unterscheiden:
- Störungen der Belüftung (Ventilation) der Luftröhre, Bronchien, Lunge selbst,
- Störung der Sauerstoffaufnahme (O2-Aufnahme) durch die Wände der Lungenbläschen in das durchfließende Blut,
- Störung der Durchblutung der Bronchien und der Lunge selbst; Blutgefäße können eingeengt bzw. verschlossen werden, so dass der Lungenkreislauf behindert wird (z. B. bei einer Lungenembolie).
Asthma oder COPD?
Die Diagnose wird meist durch die Angaben des Patienten vom Arzt gestellt. Leitsymptom beim Asthma ist die anfallsweise auftretende Atemnot wegen übererregbarer Atemwege – mit einer krampfartigen Enge in den Atemwegen, manchmal sogar mit Vernichtungsangst.
Die COPD (engl.: chronic obstructive pulmonary disease) dagegen ist durch Husten und Auswurf über einen längeren Zeitraum charakterisiert. Die chronische Luftnot ist Ausdruck einer im Krankheitsverlauf zunehmenden, nur teilweise rückbildungsfähigen Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion). Beschwerden wie Atemnot, Husten, Brummen kennzeichnen Asthma- und COPD-Patienten. Eine Lungenfunktionsprüfung beim Hausarzt bzw. beim Lungenfacharzt bestätigt in der Regel die Diagnose.
Lungenfunktionsprüfungen: Indikationen
- Beschwerden: Husten, Atemnot, Auswurf,
- Verdacht auf Erkrankung der Bronchien, der Lunge, des Herzens, des Brustkorbs oder der Wirbelsäule,
- Therapie- und Verlaufskontrolle bei Erkrankungen von Lunge und Bronchien,
- präoperative Abschätzung des Operationsrisikos für die Lunge,
- arbeitsmedizinische Überwachung z. B. bei Feuerwehrleuten oder Berufstauchern.
Unter den etwa 200.000 Patienten, die jedes Jahr wegen einer Lungenentzündung in die Klinik eingeliefert werden, kommt jeder 4. aus einem Alten- oder Pflegeheim; die Sterblichkeit liegt bei 13 Prozent.
Vorbeugung und Therapie
Die wichtigste Maßnahme zur Prävention der COPD ist der Verzicht auf das Rauchen! Es ist die einzige bekannte Maßnahme, die ein Fortschreiten verlangsamt. Therapeutisch sind folgende nichtmedikamentöse Maßnahmen sinnvoll:
- vitaminreiche, ausgewogene, normalkalorische Ernährung,
- Physiotherapie, richtige Atemtechnik lernen, atemerleichternde Stellungen bei starker Luftnot (Kutschersitz etc.),
- Hilfe beim Ausscheiden von Sekret und Schleim (Lagerung, Abklopfen, spezielle Geräte).
Medikamentöse Therapie
Folgende Medikamente werden zur Behandlung eingesetzt:
- bronchienerweiternde Medikamente, z. B. Inhalationen mit Fenoterol, Salbutamol, Salmeterol und/oder Ipratropium/Tiotropium,
- theophyllinhaltige Medikamente,
- Kortison als Inhalation,
- schleimlösende Medikamente (wie Ambroxol, N-Acetylcystein, Myrtol),
- nachts z. B. hustendämpfende Medikamente (z. B. Kodein).
Bei plötzlicher Verschlechterung oft auch im Rahmen eines Infektes helfen auch:
- Antibiotika evtl. gezielt nach Untersuchung des Auswurfs und Röntgen (Lungenentzündung?),
- bei Bettlägerigkeit zur Thrombose-Vorbeugung z. B. Clexane 40 subkutan 1 x täglich,
- evtl. auch klinische Einweisung mit Sauerstoffgabe oder auch vorübergehender Beatmung.
Das Fazit
Erkrankungen der Bronchien und der Lunge sind häufig – gerade in feuchten/kalten Jahreszeiten. Bei Diabetikern besteht immer auch die Gefahr der Blutzuckerentgleisung durch den Stress (Stresshormone!) und der manchmal notwendigen Therapie mit Kortison, das zusätzlich blutzuckersteigernd wirkt.
Rechtzeitige vorbeugende Maßnahmen werden deshalb dringend empfohlen – das Einstellen des Rauchens ist eine der wichtigsten Maßnahmen. Auch eine gute medikamentöse Basiseinstellung bei Asthma oder COPD hilft vorbeugend – eine Mitbehandlung durch den Lungenfacharzt ist oft sinnvoll.
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (4) Seite 40-43
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uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
@calvin240
Ich hätte eine Frage zum
Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute- calvin240 antwortete vor 1 Woche, 2 Tagen
Habe ich angenommen, schreibe mir gerne eine Nachricht
Liebe Grüße
123novesia postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen
Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.
- lena-schmidt antwortete vor 1 Woche, 3 Tagen
Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staatsexamen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena
jseiffert postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo zusammen,
heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
Wir freuen uns auf Euch! 🙂Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im September – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 8. September! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]




