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Sind DiabetikerInnen selber schuld an ihren „Hypos“?
4 Minuten
Verzeihung, liebe Leser, ich greife in meinem Beitrag erneut das Thema Hypoglykämien vom DiabetesHypoBarcamp in Frankfurt auf. Denn in Frankfurt gab es eine für mich sehr spannende „Hypo“-Diskussion, die mich zum weiteren Nachdenken anregte.
Zudem war der 14. November der Weltdiabetestag und meine Wohnstadt Innsbruck setzte mit ihrer blau beleuchteten Bergisel Schanze ein Zeichen für den Diabetes in Österreich.
Wer ist schuld an einer „Hypo“?
Bin ich als DiabetikerIn der oder die Schuldige, hat nur die Technik versagt oder gibt es gar keinen Schuldigen? Die Technik mischt sich in den letzten Jahren immer mehr in unsere Gesundheit und bei uns in den Diabetes ein. Hier spielen Techniken wie Pumpe, CGM und Co. eine immer entscheidendere Rolle.

Ich habe Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld die Frage gestellt und um ihre Meinung zum Thema Schuld bei Unterzucker gebeten.
Da meinte mein Partner: „Eine Unterzuckerung musst du selbst in den Griff bekommen, denn du bist ja alt genug!“, oder es folgte die Schuldfrage: „Immer muss ich wegen dir zurückstecken! Nein, du musst deine ‚Hypos‘ selbst besser regeln!“ Autsch, da bin ich als Diabetikerin wohl sehr häufig die Schuldige.
Eine Bekannte, deren Mutter selbst Typ-2-Diabetikerin ist, meinte zum Thema Unterzucker: „Es gibt ja jetzt die Sensoren und Pumpen, da sollte eine ‚Hypo‘ eigentlich nicht mehr passieren!“ Mmh, auch diese Aussage muss ich leider verneinen. Denn trotz dieser tollen Technik gibt es „Hypos“, wie wir auf dem Barcamp live erlebt haben. Denn wie oft habt ihr euch beim Berechnen der BE-Menge selbst schon verschätzt?
Ein Teilnehmer am HypoBarcamp bekam die Diagnose Typ-1-Diabetes erst mit 18 Jahren. Vor dieser Zeit kritisierte er manchmal gemeinsam mit seinem Vater die eigene Mutter, auch Typ-1-Diabetikerin, bei einer „Hypo“. Nun ist er selbst Diabetiker und kann sich gut in die „Hypo“-Situation der eigenen Mutter hineinversetzen. Nun bleibt Kritik an der Mama bei einer „Hypo“ aus. Aha, dieser Blickwechsel ist ja interessant!
In meinem Arbeitsumfeld gehe ich selbst auf das Thema „Hypo“ nicht näher ein, weil ich in der Vergangenheit schon einige verbale Angriffe erlebt habe: „Na, wenn Sie Unterzuckerungen haben, dann können Sie diesen Job nicht mehr machen…“ Solche Aussagen verunsichern mich. Denn ich war in meinem Beruf die letzten Jahre nur zwei Tage im Krankenstand, als meine Tochter damals die Masern hatte. Für „Hypos“ in der Arbeit bin ich immer gut vorbereitet mit Obst, Säften, Gummibärchen und Co.
Andere Personen, zu denen ich nur unregelmäßig Kontakt habe, zum Beispiel Freunde, sagten zum Thema Unterzuckerung nur: „Hypoglykämie? Was soll das denn sein, ich habe davon noch nie etwas gehört. Ich selbst esse nur manchmal Traubenzucker, wenn ich mich schwindelig fühle. Zum Beispiel beim Sport.“
Es gibt auf dem Marktplatz der „Hypos“ also unendlich viele Außen-Ansichten. Da sind extrem viele Beobachter unserer „Hypos“. Wir selbst als DiabetikerInnen sind aber die aktiven SpielerInnen in diesem Zuckerspiel!
Ich glaube, eine „Hypo“ ist so einzigartig und individuell wie jeder einzelne Mensch. Ich als Diabetikerin und SpielerIn befinde mich täglich mit meinem Diabetes auf dem Spielfeld. Die Entscheidungen bei diesem Spiel muss ich als Diabetiker tatsächlich jederzeit alleine treffen. Wie bei allen großen Herausforderungen im Leben kann ich mich darauf jedoch bestmöglich vorbereiten. Und genau da helfen mir wiederum die technischen Hilfsmittel wie Pumpe, CGM oder auch das Loopen.

Bei mir persönlich befinden sich in jeder Tasche irgendwelche „Hypo“-Helfer wie Bonbons, ein Apfel oder ein Smoothie. Ich muss als Spieler meinen Diabetes selbst steuern. Und da kann auch jederzeit eine „Hypo“ mitspielen. Ärzte, DiabetesberaterInnen, PartnerInnen oder Freunde sind da nur meine (mehr oder weniger hilfreichen) Unterstützer in diesem Spiel. Alle Diabetes-Entscheidungen muss ich jedoch allein fällen.
Und genau da befindet sich die Schwachstelle im „Hypo“-Spiel. Unser tägliches Lebes (zumindest meins) ist oft sehr stressig. Es treffen täglich viele äußere Stressfaktoren und dazu vielleicht noch die Hormone aufeinander. Und da sind wir als DiabetikerInnen als Manager gefragt. Das zeichnet jeden Diabetiker unter uns aus. Je besser ich meinen Diabetes managen kann, desto eher kann ich die Schuldfrage selbst steuern. Ich behaupte, schuld oder nicht schuld ist bei einer „Hypo“ nicht die Frage. Es geht darum, inwieweit ich fähig bin, mein Zuckerkarussell bestmöglich selbst zu steuern. Dazu muss jeder Diabetiker seine eigene Strategie finden.
Ich selbst setze seit bald drei Jahren auf Low-Carb, was mir hilft, in meiner Glukosekurve größere Schwankungen zu vermeiden. Aber auch hier gibt es wieder Herausforderungen bei Low-Carb im Alltag. Da muss ich dann wieder managen, wo ich die geeigneten Lebensmittel organisiere, oder meinem Umfeld erklären, dass ich eben kein normales Brot esse.
Mein Resümee:
Diabetiker sind nicht selbst schuld an ihren „Hypos“. Doch hat jeder Diabetiker eine eigene Verantwortung für seinen Diabetes. Und dazu braucht es eine lebenslange Ausdauer! In guten wie in schlechten Zeiten…
Und wie seht ihr die „Hypo“-Frage? Ich gespannt auf eure Antworten!
Weitere Erfahrungen zum Thema Unterzuckerungen von Heike findet ihr zum Beispiel hier: Wie eine Hypoglykämie ein Gefühl von Panik und Hilflosigkeit auslösen kann
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße