Therapie mit Insulinpumpe: Besonderheiten im Alter

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Therapie mit Insulinpumpe: Besonderheiten im Alter

Die Therapie mit Insulinpumpen ist heute für Menschen mit Typ-1-Diabetes – vor allem auch im Zusammenhang mit dem kontinuierlichen Glukose-Monitoring (CGM) – eine weit verbreitete Therapie-Methode geworden. Bei Kindern ist die Insulinpumpen-Therapie heute größtenteils Standard. Aber auch immer mehr Menschen im höheren Alter entscheiden sich für diese Therapie. Kann diese Art der Therapie auch älteren Menschen nützen? Welche Vorteile und welche Nachteile ergeben sich daraus?

In Deutschland leben etwa 370000 Menschen mit einem Typ-1-Diabetes. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren liegt dabei bei etwa 32000. Die Anzahl der Menschen, die eine Insulinpumpe tragen, schwankt je nach Untersuchung. Man geht aber davon aus, dass mehr als 104000 Menschen eine Insulinpumpe einsetzen, davon ein großer Teil junger Menschen.

Allerdings stammen viele dieser Zahlen noch aus der Zeit vor dem Boom der Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme) – also Systemen aus Insulinpumpe plus System zum kontinuierlichen Glukose-Monitoring (CGM-System) plus verbindendem Algorithmus. Wir können davon ausgehen, dass die Zahlen seit Etablierung solcher Systeme weiter nach oben gestiegen sind und weiter steigen werden – gerade auch bei Menschen im höheren Lebensalter.

Menschen mt Typ-1-Diabetes werden älter

Die Lebenserwartung von Menschen mit einem Typ-1-Diabetes ist aufgrund der immer normnäheren Glukosewerte im Lauf der vergangenen Jahrzehnte immer weiter gestiegen. In Deutschland leben deshalb immer mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes, die über 70 Jahre alt geworden sind, und diese Zahl wird weiter ansteigen. Laut Hochrechnungen von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe leben inzwischen etwa 100 000 Menschen mit einem Typ-1-Diabetes in einem Alter über 70 Jahren.

Wenn Menschen mit einem Typ-1-Diabetes älter werden, ergeben sich aber hin und wieder Probleme. Genauso wie bei Menschen ohne Diabetes kommen altersbedingte Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz, Arthrose und weitere hinzu. Oft stellt sich die Frage: Wo kann eine gute Versorgung stattfinden, wenn eine Pflegebedürftigkeit entsteht?

In der Vergangenheit hieß das meist, dass die Betroffenen von einer Therapie mit Insulinpumpe auf eine Therapie mit Insulinpen umgestellt wurden. So wurde ihnen die Insulinpumpe weggenommen, die Faktoren für Kohlenhydrate und Korrekturen wurden ihnen in einer Tabelle vorgegeben. Mitunter wurden sie sogar auf zwei Injektionen eines Mischinsulins umgestellt. Dies wurde oft nötig, da die Betroffenen die Therapie nicht mehr selbst managen konnten und die Pflegekräfte im Pflegeheim oder beim Pflegedienst maximal zweimal am Tag Insulin injizieren konnten.

Was oft bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes gut funktioniert, funktioniert bei Menschen mit einem Typ-1-Diabetes aber nur sehr bedingt. Die Folgen sind in der Regel häufige Unterzuckerungen oder Überzuckerungen mit Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose), was eine unbefriedigende Situation für alle darstellt.

AID-Systeme verändern die Möglichkeiten

Die heutige Therapie mit Insulinpumpen unterliegt einer großen Entwicklungswelle. Seit CGM-Systeme zuverlässig den Glukoseverlauf aufzeichnen können und die moderne Rechenleistung mit dieser Vielzahl der Daten klug umgehen kann, wurde die Therapie revolutioniert.

Laut aktuellem

Für die Therapie nur mit einer Insulinpumpe ohne Kopplung mit einem CGM-System haben sich die Indikationen nicht verändert. Es gehört dazu ein Vorliegen des Dawn-Phänomens (hormonell ausgelöst morgendlich ansteigende Glukosewerte), ein “schwer einstellbarer” Diabetes, ein sportlich und beruflich aktives Leben, ein geringer Insulinbedarf oder häufige Unterzuckerungen. Im Kindesalter hat sich die Therapie mit Insulinpumpe nicht nur wegen des geringen Insulinbedarfs durchgesetzt, sondern auch, weil die Therapie eine Selbstständigkeit unabhängig von den Eltern unterstützt.

Jetzt wird durch die neuen AID-Systeme dieser Vorteil weiter beflügelt. Die Systeme können durch das Berechnen von Therapie-Vorschlägen und automatisches Anpassen der Dosis der Basalrate die Glukosewerte zu einem hohen Prozentsatz im Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dl bzw. 3,9 und 10,0 mmol/l halten. Die Nutzer der Systeme empfinden dadurch eine große Entlastung im Alltag – sie müssen weniger Entscheidungen selbst treffen, die Glukoseverläufe sind gleichmäßiger und das Risiko für akute oder chronische Folgen sinkt. Hier stellt sich die Frage: Können solche Systeme nicht auch eine Hilfe bei älteren Menschen sein, die ebenfalls hilfsbedürftig sind?

Technik erfordert Fertigkeiten

Grundsätzlich lässt sich diese Frage mit Ja beantworten. Ja, die AID-Systeme können eine große Hilfe darstellen – allerdings mit einem großen “Aber”. Wenn die Systeme laufen, ist alles gut. Aber wie alle technischen Systeme laufen sie nicht immer rund. Wie bei Kindern braucht es dann Personen im Umfeld, die eine unterbrochene Verbindung wieder verbinden, ein Update fahren oder die Verbindung zur Cloud einrichten. Des Weiteren müssen bei der Insulinpumpe auch die mechanischen Vorgänge wie das Füllen der Ampulle oder der Wechsel von Kanüle und Katheter selbstständig beherrscht oder von einer Hilfskraft übernommen werden.

Dies alles könnte, wenn ältere Menschen hilfsbedürftig sind, durch An- oder Zugehörige erledigt werden. Aktuell ist diese Übernahme von Tätigkeiten noch nicht von den Pflegenden in ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen zu erwarten. Durch den Aufbau der Telemedizin gibt es jedoch große Hoffnungen, dass durch Telekonsile von Diabeteszentren hier Abhilfe geschaffen werden könnte.

Fazit:

Die modernen AID-Systeme sind eventuell in Zukunft eine gute Therapieoption auch für ältere Menschen. Vereinzelt, wenn der ältere Mensch noch selbst fit ist – mein persönlich ältester Neu-AID-System-Starter war 92 Jahre jung – oder aber das häusliche Umfeld Hilfe leistet, ist die neue Therapie eine gute Option. Da sie aber nicht von allein funktioniert, müssen das persönliche Können und das Netzwerk im Vorfeld gut geprüft werden. Sollten die Voraussetzungen nicht stimmen, kann sich das System auch als Boomerang erweisen und die Therapie- und Lebensbedingungen verschlechtern.


von Dr. Astrid Tombek

Avatar von astrid-tombek

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2024; 73 (6) Seite 21-23

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  • kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 7 Stunden

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 4 Tagen

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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?